Kirchenvertreter würdigt ihn als "heiligen Krieger"

Verurteilter Kriegsverbrecher wird in Kirche aufgebahrt

Kriegsverbrecher Ratko Mladić beim Strafgerichtshof
Bild: IMAGO / Anadolu Agency

Der wegen Völkermords verurteilte Kriegsverbrecher Ratko Mladić soll in der orthodoxen Kirche des Heiligen Apostels Lukas in der serbischen Hauptstadt Belgrad aufgebahrt werden. Das berichten lokale Medien am Freitag. Zuvor hatte der Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche von Budimlje-Nikšić, Methodius, Mladić bei einem Gedenkgottesdienst als "heiligen serbischen Krieger" gewürdigt. "Möge die Allerheiligste Mutter Gottes, deren Himmelfahrt wir feiern, auch seine Seele unter all den heiligen serbischen Kriegern, den berühmten General Ratko, erheben", sagte der Metropolit.

Mladić, bekannt als der "Schlächter vom Balkan", war 2017 vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermords in Srebrenica, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Belagerung von Sarajevo zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er starb Ende August im Alter von 84 Jahren im Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Die serbische Regierung unter Präsident Aleksandar Vučić kündigte an, Mladić mit staatlichen und militärischen Ehren beizusetzen. Dies führte zu heftiger internationaler Kritik sowie zu Empörung in der Europäischen Union und in mehreren Nachbarstaaten.

Kritik an Kirchenoberhaupt

Im Zuge der Ereignisse rund um Mladićs Tod geriet auch das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije Perić, in die Schlagzeilen, da er dem montenegrinischen Parlamentspräsidenten Andrija Mandić bereits 2022 den hohen kirchlichen Orden des Weißen Engels erster Klasse verliehen hatte. Mandić hatte der Familie Mladićs kurz nach dessen Tod ein offizielles Beileidstelegramm geschickt, was in Montenegro eine Regierungskrise ausgelöst hatte.

Während Porfirijes Vorgänger an der Spitze der Kirche, Patriarch Irinej, die Verurteilung Mladićs im Jahr 2017 noch explizit als "Werk des Teufels" bezeichnet hatte, agiert Porfirije in seinen Äußerungen zu Mladić meist diplomatischer, stützt jedoch kirchenpolitisch den nationalistischen Kurs der Belgrader Regierung. Porfirije hatte sich in der Vergangenheit zudem stark gegen internationale UN-Resolutionen bezüglich des Genozids von Srebrenica ausgesprochen. Er kritisierte, dass solche Resolutionen seiner Ansicht nach den Eindruck erweckten, dem serbischen Volk pauschal eine Verantwortung für den Genozid zuzuschreiben, während historische Verbrechen an Serben in der Geschichte ignoriert würden. (mtr)