Nach Rücktritt Mitte August

Bischof Wiesemann mit festlichem Gottesdienst verabschiedet

Karl-Heinz Wiesemann ist Bischof von Speyer
Bild: KNA/JuliaSteinbrecht

Der langjährige Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, hat sich am Sonntag mit einem emotionalen und festlich gestalteten Gottesdienst im Speyerer Dom verabschiedet. "Wenn ich sehe, wie viele heute zum Abschied in diesen wunderschönen Dom gekommen sind, dann wird mir doch sehr wehmütig ums Herz", sagte Wiesemann. Die Menschen in der Pfalz hätten es ihm durch ihr großes Engagement, ihre kritische Begleitung und ihr Wohlwollen immer leicht gemacht. Dafür sei er sehr dankbar.

In seiner Abschiedspredigt rief Wiesemann dazu auf, allen Versuchungen des heutigen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu widerstehen. In der von großen Verunsicherungen geprägten Zeit gelte es, jeder Glorifizierung einer vermeintlich besseren Vergangenheit zu widerstehen. Diese Rückwärtsgewandtheit sei selbstzerstörerisch, sagte Wiesemann.

Appell gegen Machtmissbrauch

Eindringlich rief der Bischof die Verantwortlichen in der Kirche auf, sich weiter für eine Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch einzusetzen. Niemals dürften die Fehler der Vergangenheit übergangen, verdeckt oder geleugnet werden.

Die Begegnungen und Gespräche mit Missbrauchsbetroffenen hätten ihn persönlich tief erschüttert und verändert, sagte Wiesemann. "Es waren Erfahrungen beschämender Entmachtung und abgründiger Ohnmacht." Jede Form von Machtmissbrauch müsse in Kirche und Gesellschaft verhindert werden.

Eine Luftaufnahme des Speyerer Doms
Bild: © adobestock/Schepers_Photography (Archivbild)

Der Gottesdienst zum Abschied von Bischof Wiesemann fand im Speyerer Dom statt.

In den voll besetzten Speyerer Dom waren Katholiken aus dem ganzen Bistum gekommen sowie Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche. Darunter auch die Pfälzer Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer und weitere katholische Bischöfe.

Wilmer würdigte Wiesemann als "großartigen Hirten". Fest verwurzelt in der kirchlichen Tradition habe Wiesemann Theologie weitergedacht und "in den manchmal auch hitzigen Debatten den Ton so gesetzt, dass ein neuer, überraschender Akkord erklingen konnte". Wiesemanns Entscheidung zum Rücktritt verdiene Respekt, sagte Wilmer. Sein Brief an Gläubige und Mitarbeitende des Bistums zeuge von einem Menschen, "der zutiefst ein Gott-Suchender bleibt und um seine eigenen Grenzen weiß".

Offener Umgang mit Depression

Der 66-jährige Wiesemann war Mitte August aus gesundheitlichen Gründen als Bischof zurückgetreten. Zuvor hatte Wiesemann offen über seine depressive Erkrankung berichtet. Er habe nicht mehr die Kraft, das traditionsreiche Bistum zu leiten. Er verwies auch auf die Fälle von Missbrauch und sexualisierter Gewalt im Bistum Speyer, die ihn tief erschüttert hätten.

Wiesemann war seit 2008 Speyerer Bischof. Wann der Papst einen Nachfolger ernennt, ist derzeit unklar. Erfahrungsgemäß kann das mehrere Monate dauern. (KNA)

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