Der Münchner Kardinal Reinhard Marx will in seinen verbleibenden Amtsjahren neue Leitungsformen in der Kirche vorantreiben. Das hat er wenige Tage vor seinem 73. Geburtstag unterstrichen, den er am kommenden Montag feiert. "Ich bin jetzt wieder besser drauf als vor fünf Jahren", versicherte der Münchner Erzbischof am Wochenende bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern. 2021 hatte er Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, doch dieser beließ ihn im Amt.
Zu seinem bevorstehenden Geburtstag und dem Jubiläum seiner Bischofsweihe vor 30 Jahren hatte Marx eine Tagung zum Thema "Der synodale Bischof" angeregt, an der er von Anfang bis Ende teilnahm. Unter dem von Papst Franziskus vor elf Jahren forcierten Stichwort "Synodalität" (griechisch: gemeinsam unterwegs) haben in der katholischen Kirche weltweit Diskussionen darüber eingesetzt, wie Amtsträger und Laien miteinander umgehen sollten, wie Verantwortung geteilt, Differenzen ausgetragen oder ausgehalten werden können.
Keine Angst vor Rechenschaft
Marx sagte, er habe keine Angst davor, wenn er im kommenden Jahr vor einer synodalen Versammlung in seinem Erzbistum Rechenschaft über die vergangenen zwei Jahre ablegen werde. Die genaue Zusammensetzung dieser Runde sei allerdings noch nicht geklärt. Es gelte, gemeinsam ein Gespür dafür zu entwickeln, "dass wir Teilhabe, Rechenschaft und Transparenz nicht als Belastung" empfinden. Er wolle leidenschaftlich daran arbeiten, "dass wir gerne zusammenkommen, Synodalität Freude macht und inspiriert".
Der Münchner Pastoralreferent und Gemeindeleiter Konstantin Bischoff sagte, es seien zwar inzwischen gute neue Strukturen im Erzbistum installiert worden. "Aber auch bei uns gibt es viele, die echt Angst haben vor Synodalität, wir haben also nicht alle an Bord." An den Kardinal gewandt, erinnerte er auch daran, dass synodales Leiten bei dessen Amtsantritt in München 2008 "sicherlich nicht Ihr favorisiertes Leitungsmodell" gewesen sei. Marx wollte dem ausdrücklich nicht widersprechen.
"Unser bester Fußballer, Vincent Kompany, trainiert heute Bayern München", sagte der Antwerpener Bischof Johan Bonny. "Jetzt geht es dem Verein viel besser. So geht Synodalität."
Die Münchner Diözesanseelsorgerin Johanna Gressung sagte, es brauche mehr "Lagerfeuermomente", in denen junge Menschen dem Kardinal direkt begegnen könnten. Einen solchen Termin mit Marx hatten Pfadfinder Anfang September erstmals erlebt.
Der Münchner Dekan David Theil sagte, Synodalität sei "keine Methode, sondern eine Haltung, eine Kultur". Dazu zähle die Bereitschaft, auf den anderen zu hören, "ohne im Kopf schon das Gegenargument zu formulieren. Das müssen wir üben".
Bischof Bonny mit FC-Bayern-Vergleich
Der Vorsitzende des Münchner Diözesanrats, Armin Schalk, sagte: "Partizipation heißt auch Verantwortungsübernahme für Entscheidungen. Wenn wir mit drin sitzen, müssen wir Entscheidungen auch mittragen und nach außen vertreten."
Der Bischof von Antwerpen, Johan Jozef Bonny, warb für eine engere Abstimmung und gemeinsame Lernprozesse der Ortskirchen in Belgien und Deutschland. "Unser bester Fußballer, Vincent Kompany, trainiert heute Bayern München. Jetzt geht es dem Verein viel besser. So geht Synodalität." (KNA)