Während Bittgottesdienst beschossen

Russische Soldaten verlieren Reliquie in der Ukraine

Ein orthodoxes Kreuz eines russischen Soldaten im Ukrainekrieg
Bild: IMAGO / SNA

Russische Soldaten sollen Teile einer Reliquie an der Front in der Ukraine verloren haben. Wie das Portal "t-online" am Montag berichtete, handelte es sich um die Gebeine des heiligen Dmitri Donskoi, die von den Soldaten bei ihrer Flucht vor ukrainischem Beschuss zurückgelassen worden seien. Die russischen Soldaten sowie Offiziere hätten bis zum Zeitpunkt der Flucht gerade einen Bittgottesdienst mit der Reliquie abgehalten. Inzwischen sei das Gebiet in der Hand ukrainischer Soldaten.

Die russisch-orthodoxe Kirche wies die Berichte als ausgedacht zurück. "Das ist eine Erfindung, und sie wird, so ist anzunehmen, mit kirchenfeindlicher Absicht verbreitet", sagte Wachtang Kipschidse, ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Russlands Diktator Wladimir Putin soll dagegen wütend auf die russisch-orthodoxe Kirche sein. So sei von einer Verschwörung der Kirche gegen den Kreml sowie von Täuschung über die Effektivität kirchlicher Reliquien die Rede.

Nicht der erste Konflikt zwischen Staat und Kirche

Der Kreml fordere einen Bericht über die Wirksamkeit der Reliquie an. So sollten die Gebeine eigentlich zu einer positiven Wende für die russische Seite führen und seien deswegen an der Front eingesetzt worden. In dem Bericht solle nun klargestellt werden, was mit der Reliquie an der Front geschehe, wie viele Bittgottesdienste wo abgehalten wurden und ob man eine Wirkung habe feststellen können.

Es wäre nicht der erste Konflikt zwischen Staat und Kirche aufgrund einer Reliquie. So soll der russische Patriarch Kyrill den Kreml in der Vergangenheit bereits über die Wirkung von Reliquien getäuscht haben, als eine zum Schutz von Ölraffinerien und zur Lösung der Treibstoffkrise angewandte Reliquie keine Wirkung zeigte.

Im orthodoxen Christentum ist es eine alte Praxis, Reliquien an die Truppe zu bringen. Der heilige Dmitri Donskoi lebte von 1350 bis 1389 und soll die Mongolen auf dem Kulikowo-Feld besiegt haben, was in Russland als Wende in der Herrschaft der Mongolen gesehen wird. 1988 wurde Dmitri Donskoi heiliggesprochen. (ayo)