Für den Utrechter Erzbischof Willem Eijk geht die Menschenwürde auf Gottes Schöpfung und nicht auf staatliche Autoritäten zurück. "Die Missachtung der Schöpfungsordnung hat schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft", sagte der niederländische Kardinal dem italienischen Portal "La Nuova Bussola Quotidiana" am Donnerstag. Eijk forderte die Christen dazu auf, die säkulare Gesellschaft immer wieder daran zu erinnern.
Eine geordnete Gesellschaft beruhe auf den göttlichen Absichten bei der Erschaffung der Welt, deren Missachtung zu Unordnung führe, so Eijk. Zentral sei dabei die Soziallehre der Kirche: "An erster Stelle muss stets die grundlegende Würde der menschlichen Person geachtet werden. Sie bildet das Fundament der übrigen Prinzipien der kirchlichen Soziallehre", sagte Eijk. Darüber hinaus gehörten unter anderem auch das Gemeinwohl und der Blick für die Armen dazu. Hoffnungsvoll stimme den Erzbischof die "große Zahl" junger Menschen, die in den vergangenen Jahren in Frankreich, den Niederlanden und England katholisch wurden. "Die jungen Katholiken bekennen sich zur Lehre der Kirche, auch im Hinblick auf die richtige Ordnung der Gesellschaft", sagte Eijk im Interview, das im Vorfeld eines Vortrags des Kardinals zum Thema "Die Gesellschaftsordnung gemäß der Soziallehre der Kirche" stattfand.
Der 73-jährige Eijk ist seit 2007 Erzbischof von Utrecht und als solcher zugleich Primas der niederländischen Kirchenprovinz. Er gilt als prominente konservative Stimme unter den europäischen Kardinälen. Im August kursierten Rücktrittsgerüchte. (mbu)