Kardinal zu Synoden-Bericht: Versuch, Morallehre zu schwächen
Der konservative niederländische Kardinal Willem Eijk hat den Abschlussbericht der Weltsynoden-Studiengruppe zu kontroversen Themen kritisiert. "Der Bericht der Arbeitsgruppe 9 steht in grundlegendem Widerspruch zur katholischen Morallehre und untergräbt deren Anwendung auf das moralische Verhalten in vollem Umfang", schreibt Eijk in einem Kommentar für das US-amerikanische Internetportal "National Catholic Register" (Donnerstag). Der Bericht "relativiert die Morallehre der Kirche, mit Folgen, die weit über Fragen der Sexualität hinausreichen und den Schutz des menschlichen Lebens selbst betreffen. Dieser Bericht muss entschieden widerlegt werden."
Der Erzbischof von Utrecht kritisiert, dass die Zeugnisse von zwei homosexuellen Männern im Bericht wiedergegeben würden, ohne die Lehre der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität zu referieren. "Indem der Bericht solche Zeugnisse ohne dogmatische Kommentierung hervorhebt, normalisiert er homosexuelle Beziehungen im kirchlichen Kontext", kritisiert Eijk. Dies stelle einen Versuch dar, die Verkündigung der katholischen Morallehre zu schwächen. "Homosexuelle Handlungen sind ihrem Wesen nach böse – das ist feststehende katholische Lehre. Ein gläubiger Christ, der solche Handlungen begeht, versagt zweifellos im Glauben, insofern er es versäumt, auf Gottes Gnade zu vertrauen, die es ihm ermöglicht, Sünde zu vermeiden", erklärte Eijk. Der niederländische Kardinal hatte im vergangenen Jahr ein Buch zur katholischen Lehre zu Ehe und Sexualethik veröffentlicht.
"Radikale Abkehr von der katholischen Moraltheologie"
Das Problem liege schon im methodischen Rahmen des Berichts, der im Umgang mit kontroversen Themen einen synodalen Prozess vorschlage, der sich auf die Praktiken und Erfahrungen der Menschen konzentriere, statt unveränderliche Grundsätze anzuwenden. Die Autoren plädierten daher für eine "fruchtbare Spannung zwischen dem, was in der Lehre der Kirche und ihrer pastoralen Praxis festgelegt ist, und den Praktiken des Lebens". Diese Sprache klinge pastoral und christozentrisch, sei jedoch eine "radikale Abkehr von der katholischen Moraltheologie", mahnte der Kardinal: "Der Bericht verwirft die Anwendung kirchlicher Lehre und klassischer Moraltheologie in Seelsorge und Beichte."
Dies sei ein "hartnäckiges Missverständnis", das die Pastoraltheologie seit den 1960er Jahren plage: "die Vorstellung, dass Seelsorge darin besteht, Kompromisse zwischen der moralischen Lehre der Kirche und der konkreten Lebenswirklichkeit der Menschen zu finden." Papst Johannes Paul II. habe diesem Ansatz in seiner Enzyklika "Veritatis splendor" (1993) jedoch widersprochen. "Wahre Seelsorge sucht keine Kompromisse mit der moralischen Wahrheit. Der Hirte führt die Menschen zur Wahrheit, die letztlich in der Person Jesu Christi zu finden ist", so Eijk. "Es liegt keine echte pastorale Nächstenliebe darin, die moralische Wahrheit zu verschleiern oder zu suggerieren, dass universelle Normen Ausnahmen aufgrund individueller Umstände zulassen."
Im Rahmen der Weltsynode hatte Papst Franziskus eine Reihe von Studiengruppen eingerichtet, die sich mit Themen beschäftigten sollten, die nicht bei der Weltsynode behandelt werden sollen. Diese Gruppen legen gegenwärtig nach und nach ihre Abschlussberichte vor – so auch die Gruppe 9 zum Umgang mit kontroversen Themen
Eijk kündigte an, dass "eine Reihe von Kardinälen und Bischöfen ihre Einwände gegenüber dem römischen Lehramt zur Sprache bringen werden". "Die Lehre der Kirche ist weder undurchsichtig, noch unterliegt sie einer Revision durch synodale Prozesse. Sie ist die Wahrheit, die uns frei macht."
Die noch von Papst Franziskus im Rahmen der Weltsynode eingerichtete Studiengruppe 9 hatte in der vergangenen Woche ihren Abschlussbericht veröffentlicht. Die Gruppe hatte sich mit dem Umgang mit kontroversen doktrinären, pastoralen und ethischen Fragen beschäftigt und für einen Paradigmenwechsel plädiert. Als Interpretationsschlüssel wurde das vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeführte "Prinzip der Pastoralität" benannt.
Auch in Gesprächspartner wirke Heiliger Geist
Es gebe demnach keine Verkündigung des Evangeliums ohne die Übernahme der Verantwortung für den Gesprächspartner, in dem der Heilige Geist bereits wirke. "Da es uns nicht um zu lösende Probleme geht, sondern um den Aufbau des Gemeinwohls, sollte der Korrektur (auf doktrinärer, pastoraler oder ethischer Ebene) von Situationen, die in der konkreten Glaubenserfahrung als problematisch bewertet werden, kein Vorrang eingeräumt werden", heißt es im Bericht. "Vielmehr müssen wir der Anerkennung und Unterscheidung jener Aspekte Vorrang geben, die Glaubenspraktiken zum Ausdruck bringen und in der Tat zeigen, oft durch unthematisches Wissen." Ein Beispiel dafür sei die Volksfrömmigkeit, eine "lebendige Synthese zwischen dem Evangelium und dem Weg einer Gemeinschaft".
Eines der heute aufkommenden Themen – die Gruppe will die Bezeichnung "kontroverse Themen" vermeiden – ist laut Bericht der Umgang mit Homosexualität. Dazu wurden zwei Zeugnisse von homosexuellen Männern angeführt. "Dies ist das erste Mal, dass ein Bericht des Vatikans Erfahrungsberichte von LGBTQ-Katholiken enthält. Somit stellt er einen bedeutenden Fortschritt in den Beziehungen der Kirche zur LGBTQ-Gemeinschaft dar", schrieb der US-Jesuit und LGBTQ-Seelsorger James Martin. Die Arbeitsgruppe erklärte anhand dieser Beispiele eine Methodologie. Von einer finalen Bewertung wolle der Abschlussbericht der Studiengruppe Abstand nehmen, heißt es.
Der Katechismus der Katholischen Kirche bezeichnet "homosexuelle Handlungen" als "in sich nicht in Ordnung" und ruft homosexuelle Menschen zur Keuschheit auf. Homosexuellen selbst sei allerdings "mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen". Auch sie seien berufen, "in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen" (2358). Sie sollen sich "durch die Tugend der Selbstbeherrschung" sowie "durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern" (2359). (cbr)
