Bischof Ackermann fordert legale Zugangswege für Flüchtlinge

Franziskus auf Lesbos: Der Ablauf

Veröffentlicht am 16.04.2016 um 08:45 Uhr – Lesedauer: 5 MINUTEN
Ein Mädchen wird von einem Helfer von einem Flüchtlingsboot an den Strand gebracht.
Bild: © KNA
Papstreise

Rom/Athen ‐ Der Papst wird sich auch zu einem kurzen Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsident Alexis Tsipras treffen. Anlässlich der Papstreise forderte Bischof Stephan Ackermann legale Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa.

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Papst Franziskus soll gegen 10.15 Uhr in der Inselhauptstadt Mytilini eintreffen. Auf dem Flughafen wird ihn außer Bartholomaios I. und Hieronymos II. auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras begrüßen. Anschließend begeben sich die Kirchenführer und der Regierungschef nach Moria, wo sie mit Migranten, Mitarbeitern und Einwohnern sprechen wollen. Auch ein gemeinsames Mittagessen mit Flüchtlingen ist vorgesehen.

Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel vor einem großen Holzkreuz.
Bild: ©KNA

Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel

Bartholomaios I. bezeichnete den ökumenischen Besuch im Vorfeld als einen Solidaritätsappell; es brauche mehr Einsatz für Bedürftige. Die Visite von Papst Franziskus werde "die Herzen von Millionen bewegen". Ausdrücklich lobte Bartholomaios I. die Bevölkerung von Lesbos, die den Flüchtlingen ihre Häuser und Herzen öffne. Bereits am Abend war Bartholomaios I. auf der Insel eingetroffen. Zwischen ihm als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie und Hieronymos II. war noch am Abend ein Austausch geplant. Das Verhältnis zwischen der Nationalkirche Griechenlands und dem Patriarchat von Konstantinopel war in der Vergangenheit nicht spannungsfrei.

In dem Flüchtlingszentrum wollen die Religionsführer einen gemeinsamen Appell zur Flüchtlingskrise unterzeichnen. Anschließend findet im Hafen des Ortes ein Gedenken für ertrunkene Migranten statt. Dabei wollen die Kirchenvertreter Blumengebinde ins Meer werfen. Die Zeremonie am Hafen Mytilini markiert den Höhepunkt des Blitzbesuchs. Anschließend fliegt Franziskus nach Rom zurück. Im Juli 2013 hatte der damals neu gewählte Papst aus Argentinien seine erste Reise auf die italienische Insel Lampedusa unternommen, damals eine Hauptetappe der Flüchtlingsströme. Der Gang "zu den Rändern der Gesellschaft" ist der erklärte Schwerpunkt seines Pontifikates.

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apst Franziskus segnete auf seiner Reise nach Lesbos viele Flüchtlinge und lies sich von ihnen ihr Schicksal schildern. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. unterzeichnete er einen eindringlichen Hilfs- und Solidaritätsappell für Flüchtlinge.

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden), Bischof Stephan Ackermann, forderte für eine zukunftsfähige Lösung der Flüchtlingsfrage auch legale Zugangswege nach Europa. Dann brauchten Menschen nicht unter dem Vorwand der Asylsuche nach Europa zu kommen, und es ließen sich Regelungen finden, die praktikabel und menschenwürdig zugleich seien, sagte der Trierer Bischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Mit Blick auf die Schließung der Balkanroute äußerte Ackermann die Befürchtung, dass Schlepperbanden nun gefährlichere Routen auskundschafteten. Letztlich müsse es immer darum gehen, Schutzsuchende davon abzubringen, solche Fluchtwege zu wählen, die das Schlepperunwesen verstärkten und lebensgefährlich seien.

Ackermann kritisiert das EU-Türkei-Abkommen

Ackermann kritisierte das EU-Türkei-Abkommen. Zu der Regelung, dass Europa für jeden Bootsflüchtling, der von Griechenland in die Türkei zurückgeschoben wird, von dort einen syrischen Flüchtling aufnimmt, sagte er, pauschale Abschiebungen seien im EU-Raum nicht erlaubt. Es sei fraglich, ob es Griechenland gelinge, unanfechtbare Asylverfahren zu etablieren. Wenn das gelingen solle, sei die zugesagte Verstärkung durch die europäischen Partner dringend notwendig. (KNA)

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Wenn Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios I. heute einige Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos besuchen, ist das nicht nur ein gemeinsames Zeugnis christlicher Hilfsbereitschaft: Die Reise hat auch kirchenpolitische Aspekte - unter anderem geht es um kirchliche Zuständigkeiten. Im Vorfeld gab es daher schon laute Kritik an dem Besuch.