Franziskus auf Lesbos: Der Ablauf

Papst Franziskus soll gegen 10.15 Uhr in der Inselhauptstadt Mytilini eintreffen. Auf dem Flughafen wird ihn außer Bartholomaios I. und Hieronymos II. auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras begrüßen. Anschließend begeben sich die Kirchenführer und der Regierungschef nach Moria, wo sie mit Migranten, Mitarbeitern und Einwohnern sprechen wollen. Auch ein gemeinsames Mittagessen mit Flüchtlingen ist vorgesehen.

Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel
Bartholomaios I. bezeichnete den ökumenischen Besuch im Vorfeld als einen Solidaritätsappell; es brauche mehr Einsatz für Bedürftige. Die Visite von Papst Franziskus werde "die Herzen von Millionen bewegen". Ausdrücklich lobte Bartholomaios I. die Bevölkerung von Lesbos, die den Flüchtlingen ihre Häuser und Herzen öffne. Bereits am Abend war Bartholomaios I. auf der Insel eingetroffen. Zwischen ihm als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie und Hieronymos II. war noch am Abend ein Austausch geplant. Das Verhältnis zwischen der Nationalkirche Griechenlands und dem Patriarchat von Konstantinopel war in der Vergangenheit nicht spannungsfrei.
In dem Flüchtlingszentrum wollen die Religionsführer einen gemeinsamen Appell zur Flüchtlingskrise unterzeichnen. Anschließend findet im Hafen des Ortes ein Gedenken für ertrunkene Migranten statt. Dabei wollen die Kirchenvertreter Blumengebinde ins Meer werfen. Die Zeremonie am Hafen Mytilini markiert den Höhepunkt des Blitzbesuchs. Anschließend fliegt Franziskus nach Rom zurück. Im Juli 2013 hatte der damals neu gewählte Papst aus Argentinien seine erste Reise auf die italienische Insel Lampedusa unternommen, damals eine Hauptetappe der Flüchtlingsströme. Der Gang "zu den Rändern der Gesellschaft" ist der erklärte Schwerpunkt seines Pontifikates.
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apst Franziskus segnete auf seiner Reise nach Lesbos viele Flüchtlinge und lies sich von ihnen ihr Schicksal schildern. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. unterzeichnete er einen eindringlichen Hilfs- und Solidaritätsappell für Flüchtlinge.Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden), Bischof Stephan Ackermann, forderte für eine zukunftsfähige Lösung der Flüchtlingsfrage auch legale Zugangswege nach Europa. Dann brauchten Menschen nicht unter dem Vorwand der Asylsuche nach Europa zu kommen, und es ließen sich Regelungen finden, die praktikabel und menschenwürdig zugleich seien, sagte der Trierer Bischof im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Mit Blick auf die Schließung der Balkanroute äußerte Ackermann die Befürchtung, dass Schlepperbanden nun gefährlichere Routen auskundschafteten. Letztlich müsse es immer darum gehen, Schutzsuchende davon abzubringen, solche Fluchtwege zu wählen, die das Schlepperunwesen verstärkten und lebensgefährlich seien.
Ackermann kritisiert das EU-Türkei-Abkommen
Ackermann kritisierte das EU-Türkei-Abkommen. Zu der Regelung, dass Europa für jeden Bootsflüchtling, der von Griechenland in die Türkei zurückgeschoben wird, von dort einen syrischen Flüchtling aufnimmt, sagte er, pauschale Abschiebungen seien im EU-Raum nicht erlaubt. Es sei fraglich, ob es Griechenland gelinge, unanfechtbare Asylverfahren zu etablieren. Wenn das gelingen solle, sei die zugesagte Verstärkung durch die europäischen Partner dringend notwendig. (KNA)