Geschworene sollten nicht beeinflusst werden

Medien wegen Berichterstattung über Pell-Prozess verurteilt

Aktualisiert am 04.06.2021  –  Lesedauer: 

Sydney ‐ Medien sollten über den Missbrauchs-Prozess gegen den australischen Kardinal George Pell nicht berichten, um Geschworene nicht zu beeinflussen – taten es aber doch. Das wird für einige Häuser sehr teuer. Betroffen sind auch große Medienkonzerne.

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Einige der bekanntesten Medien Australiens sind wegen Verstoßes gegen das Berichterstattungsverbot über den Prozess gegen Kardinal George Pell zu Geldstrafen von insgesamt knapp 700.000 Euro verurteilt worden. Die Berichterstattung der Zeitungen, Websites und Radiosender sei "eine vorsätzliche Missachtung der Autorität des Gerichts" gewesen, zitieren australische Medien aus dem am Freitag gefällten Urteil von Richter John Dixon.

Die härtesten Strafen erhielten demnach die Herausgeber der Tageszeitung "The Age" mit umgerechnet 285.000 Euro und des Nachrichtenportals "News.com.au" (253.000 Euro). "The Age" gehört zur liberalen Fairfax Mediengruppe, während "News.com.au" Teil des konservativen Medienimperiums der Murdoch-Familie ist. Verurteilt wurden auch eine Reihe anderer Publikationen der beiden Medienkonzerne. Insgesamt wurden Strafen von knapp 700.000 Euro verhängt.

Richterlicher Beschluss zu Berichterstattung

Laut einem richterlichen Beschluss von 2018 wurde Medien die Berichterstattung über den Prozess gegen Pell wegen Kindesmissbrauchs verboten, um die Geschworenen vor Beeinflussung durch die Öffentlichkeit zu schützen. Das Publikationsverbot galt "für alle Bundesstaaten und Territorien in Australien sowie für alle in Australien zugänglichen Webseiten oder andere elektronische (Medien) oder Sendeformate".

Nachdem die Nachricht über die Verurteilung Pells am 11. Dezember 2018 in US-amerikanischen Medien verbreitet worden war, zogen australische Medien nach. Internationale Medien wurden jedoch nicht angeklagt. Das Verbot galt bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Pell im Februar 2019, bei dem der Kardinal zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Im April 2020 hob Australiens Oberster Gerichtshof die Verurteilung aus Mangel an Beweisen auf.

Der Prozess gegen die Medien hatte im Januar in Melbourne begonnen. Angeklagt waren mehr als zwei Dutzend Medienunternehmen, Redakteure und Journalisten. (KNA)