Standpunkt

Liebe Bischöfe, setzt euch in Rom für Erneuerung ein!

Aktualisiert am 11.11.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Kirche sollte wieder zu einem Haus werden, in dem man sich als Christin und Christ sehen lassen kann, fordert Michael Böhnke. Er sieht dabei auch die Bischöfe bei ihrem bevorstehenden Ad-limina-Besuch in der Pflicht.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Für das Außenministertreffen der G7 Staaten in Münster ist im Friedenssaal des historischen Rathauses das Kreuz abgehängt worden. Aus protokollarischen Gründen, heißt es aus dem Außenministerium. Die biblische Inschrift auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses soll überblendet werden. Mit der Kirche lässt sich, so scheint es, kein Staat mehr machen.

Anne Will überlegt täglich, aus der katholischen Kirche auszutreten. Der Kölner Karneval hat den Kardinal zu offiziellen Anlässen nicht mehr eingeladen. Mit der Kirche, so scheint es, kann man sich öffentlich nicht mehr sehen lassen.

Unsere Studentinnen und Studenten müssen sich vor Verwandten, Freundinnen und Freunden dafür rechtfertigen, dass sie katholische Theologie studieren. Sie können mit ihrer Studienwahl kaum noch punkten. Die Kirche macht es ihnen schwer.

Die Antwort auf den gravierenden öffentlichen und privaten Ansehensverlust der Kirche kann nicht lauten: Rückzug. Sie kann nicht lauten: Wir Christen, wir sind uns selbst genug. Was kümmert uns die Meinung der anderen?

"Sende aus deinen Geist! Und erneuere das Angesicht der Erde! Dieser Erde!" Inbrünstig flehend hat Papst Johannes Paul II. diesen Satz am 2. Juni 1979 auf dem Siegesplatz in Warschau rausgehauen und damit eine "Revolution des Geistes" in seiner Heimat ausgelöst. Polen sollte wieder zu einem ansehnlichen Ort werden, zu einem lebenswerten Haus. Gleichlautend der Kerngedanke der Klimakonferenz und der ökologischen Erneuerungsbewegung: Die Erde soll wieder zu einem ansehnlichen Ort, zu einem bewohnbaren Haus werden. Gleichlautend müsste für die Kirche gelten: Sie sollte wieder zu einem Oikos, einem Haus werden, mit dem man sich als Christin und Christ sehen lassen kann. Freude am Glauben ist kein rein spirituelles Vergnügen. Freude am Haus des Herrn setzt voraus, dass die Bischöfe sich um das öffentliche Ansehen der Kirche mühen. Dass sie auch strukturell etwas für diejenigen tun, die sich für die Kirche interessieren und für andere engagieren. Liebe Bischöfe, macht es uns doch bitte nicht so schwer! Setzt euch in der kommenden Woche in Rom in der Kraft des Geistes – das heißt: furchtlos – für die Erneuerung des Antlitzes der Kirche ein! "Habt keine Angst!"

Von Michael Böhnke

Der Autor

Michael Böhnke ist Professor für systematische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Außerdem ist er Ethik-Beauftragter des Deutschen Leichtathletikverbands.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.