Umgang mit sexualisierter Gewalt auch Frage in anderen Institutionen

Bischof Dieser: Nicht nur Kirche beim Thema Missbrauch gefragt

Aktualisiert am 12.11.2022  –  Lesedauer: 

Aachen ‐ Beim Thema Missbrauch denken viele Menschen zuerst an die Kirche. Bischof Helmut Dieser wünscht sich hier eine Änderung: Der DBK-Missbrauchsbeauftragte sieht auch andere Akteure der Gesellschaft beim Umgang mit sexualisierter Gewalt herausgefordert.

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Bischof Helmut Dieser sieht beim Thema Missbrauch nicht allein die katholische Kirche gefragt. "Meine Hoffnung bei der Aufklärung sexualisierter Gewalt ist, dass wir bei allem, was wir tun, gesellschaftlich anschlussfähig sind. Denn auch andere Institutionen der Gesellschaft sind in ähnlicher Weise herausgefordert", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag/Printausgabe Montag). Es gehe um die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs durch unabhängige externe Expertise, der nicht allein auf die Kirche gemünzt sei, sondern eine staatliche Legitimierung und gesellschaftliche Bedeutung habe, so der Bischof von Aachen. "Es reicht eben nicht, dass nur die Kirche ihre Hausaufgaben macht, die sie natürlich machen muss. Der Reflex, dass man dieses Thema nur an uns, die Kirche, verweist, muss sich weiterentwickeln."

Dieser sagte, er beklage sich nicht, dass in der Debatte über sexualisierte Gewalt alle Finger auf die Kirche zeigten. Die Kirche brauche den gesellschaftlichen Druck und sei noch nicht an allen Stellen ganz und gar bereit, das zu tun, was in der eigenen Verantwortung liege. "Ich gebe aber zu bedenken, dass dieses Thema viel größer ist. Der Blick muss geweitet werden auf das große Dunkelfeld in der Gesellschaft, in dem Missbrauch in anderen Institutionen und von anderen Tätern stattfindet." Das falle noch schwer. "Ich wäre froh, wenn unser Engagement dazu führen würde, dass das Problem-Bewusstsein insgesamt wächst."

Beim Umgang mit Homosexualität rief der Aachener Bischof zu einem Wandel in der Kirche auf. "Es geht doch um Zuneigung, um Anziehung, um Sehnsucht, über sich hinauszuwachsen und einem anderen Menschen anzugehören", sagte er. "Wie kann ich theologisch begründen, dass dies etwas Sündhaftes sein soll? Wenn ich zu einer anderen Erkenntnis komme, dann muss ich auch den Mut haben, meine Meinung darüber zu ändern." (KNA)