"Wir sind eine hörende Kirche"

Overbeck: Kein "autoritatives Stopp" aus Rom für Synodalen Weg

Aktualisiert am 23.11.2022  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom war darüber spekuliert worden, wie deutlich der Widerspruch des Vatikan gegen den Synodalen Weg war. Ein Stoppschild für die Diskussionen in Deutschland sieht Bischof Overbeck jedoch nicht.

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Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht in den Gesprächen beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom kein Hindernis für die Diskussionen beim Synodalen Weg. In den Gesprächen sei sehr deutlich gemacht worden, welche Themen als "nicht-verhandelbar" gelten, sagte Overbeck in einem vom Bistum veröffentlichten Interview am Mittwoch. "Das ist aber kein Stoppschild für die wichtigen und notwendigen Diskussionen, die wir auf dem Synodalen Weg zu diesen Themen führen – z.B. die Frage der Öffnung des Zugangs zu Weiheämtern", betonte der Ruhr-Bischof. "Ein solches autoritatives 'Stopp' lässt sich hier auch nicht mehr verordnen – eine Entwicklung, für die ich dankbar bin, denn wir sind eine hörende Kirche."

Anhand der bisherigen Beschlüsse des Synodalen Wegs könne man sehen, dass es den Synodalen keineswegs darum gehe, die Lehre der Kirche eigenmächtig zu verändern oder einen deutschen Sonderweg zu gehen. Alles, was nicht in Deutschland direkt umgesetzt werden könne, sei als Bitte um Prüfung an den Heiligen Stuhl formuliert worden. "Eine Bitte lässt sich nicht verbieten. Man kann frei mit ihr umgehen, d.h. sie entweder abschlagen oder ihr entsprechen", so Overbeck. Viele der Fragen, die in Deutschland diskutiert würden, seien aber auch Thema beim weltweiten synodalen Prozess, wie das kürzlich veröffentlichte Arbeitsdokument zeige.

Overbeck: Haben deutlich gemacht, dass Synodaler Weg weitergehen muss

Im Vorfeld des Ad-limina-Besuchs habe es gegenüber dem Synodalen Weg "einige Vorbehalte" gegeben, "die zum Teil auch auf Missverständnissen, zum Teil aber auch auf unterschiedlichen theologischen Zugängen und Voraussetzungen beruhten". Ihm sei es dabei wichtig, den Fokus auf den Missbrauchsskandal zu lenken, aufgrund dessen der Synodale Weg begonnen worden sei. Es sei wichtig, auf die Stimme der Missbrauchsbetroffenen zu hören. "Diese Motive haben wir auch in Rom dargelegt und – mit sehr großer Mehrheit unter den deutschen Bischöfen – deutlich gemacht, dass der Synodale Weg weitergehen muss und weitergehen wird." Nun werde es aber auch eine Phase der Nacharbeit geben, in der die Anfragen des Vatikan an den Synodalen Weg weiter beraten werden würden.

Von Montag bis Samstag waren die deutschen Bischöfe zu Gesprächen mit den Vatikanbehörden und dem Papst in Rom. Diözesanbischöfe sind verpflichtet, in der Regel alle fünf Jahre gegenüber dem Papst einen Bericht über die Situation in ihrem Bistum abzugeben, verbunden mit einer Pilgerreise an die Gräber der Apostel Petrus und Paulus in Rom. Die deutschen Bischöfe waren zuletzt 2015 zum Ad-limina-Besuch in Rom. Der aktuelle Besuch war mit Spannung erwartet worden, da der Synodale Weg im Vatikan mit Sorge und Kritik beobachtet wird, wie Reaktionen aus der Kurie zeigten. (cbr)