Wenig Nähe für den nahbaren Pontifex

Kaum sichtbare Anteilnahme der Öffentlichkeit für Papst Franziskus

Veröffentlicht am 24.02.2025 um 00:01 Uhr – Von Severina Bartonitschek (KNA) – Lesedauer: 5 MINUTEN

Vatikanstadt/Rom ‐ Papst Franziskus ist sehr nahbar. Das macht ihn auch bei Nicht-Gläubigen beliebt. Nun liegt er schwer erkrankt in einer Klinik, doch nur wenige Menschen verirren sich dorthin. Das war bei seinem Vorvorgänger anders.

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Versunken in ihr Rosenkranzgebet sitzt Schwester Geneviève Jeanningros vor der großen Statue von Papst Johannes Paul II. am Haupteingang der römischen Gemelli-Klinik. Sechs Stockwerke über der Ordensfrau im blauen Gewand liegt ein enger Freund – Papst Franziskus – und kämpft um sein Leben. Immer weiter verschlechtert sich der Zustand des 88-jährigen Kirchenoberhaupts. Doch die sichtbare Anteilnahme der Öffentlichkeit hält sich hier in Grenzen.

Am Sonntagmorgen treffen nur vereinzelt Menschen unter der Papstwohnung im Krankenhaus ein, die Zahl der Journalisten überwiegt deutlich. Jeder neue Besucher wird sofort von Kamerateams umringt, Interviewpartner sind dieser Tage schwer zu finden.

Schwester Geneviève, die Franziskus noch aus seiner Zeit in Argentinien kennt und häufig homo- und transsexuelle Menschen zu ihm in den Vatikan brachte, ist ein beliebtes Motiv der Fotografen. Doch so könne man hier nicht in Frieden beten, resümiert die Ordensfrau. Trotzdem sei es ihr wichtig gewesen, Franziskus nahe zu sein. Die Mitteilungen über Bluttransfusion und Atemnot des Papstes von Samstagabend hätten sie schockiert. Darum lehnt sie auch einen persönlichen Besuch bei Franziskus ab. Sie wolle keine möglichen Krankheitserreger auf ihn übertragen. "Wir sind ja voll damit!", so Schwester Geneviève.

Sichtbare Anteilnahme? Fehlanzeige.

Seit über einer Woche wird Franziskus wegen einer komplexen Infektion der Atemwege und der Lunge in der römischen Gemelli-Klinik behandelt. Der Vatikan bezeichnete seinen Zustand am Samstag als "weiterhin kritisch" und Franziskus sei "nicht außer Gefahr". In der Kurzmitteilung von Sonntag fehlte das obligatorische "gut" bei seiner nächtlichen Erholung.

Doch abgesehen von ein paar Kerzen, Blumen und Ballons vor der Klinik findet sich kaum sichtbare Anteilnahme der Menschen an Franziskus' Zustand. Das war in der Endphase des Pontifikats von Johannes Paul II. anders. Damals seien die Menschen in Scharen zum Petersplatz geströmt, erinnert sich der italienische Vatikan-Experte Marco Politi. Auch viele Nicht-Gläubige seien erschüttert gewesen, als der polnische Papst im Sterben lag.

Bild: ©picture alliance/Hans Lucas/Vatican Media

Die Verfassung von Papst Franziskus schwankt.

Zwei Faktoren seien aber aktuell bei Franziskus anders: Zum einen befinde sich der Papst nicht im Vatikan, sondern in einer Klinik etwas außerhalb des römischen Zentrums. Zum anderen schwanke Franziskus' Verfassung, verschlechtert und verbessert sich wieder. "Und so will eigentlich die öffentliche Meinung nicht glauben, dass es ein tragischer Moment sein kann. Oder die Hoffnung ist noch groß, dass er das überleben wird", so Politi.

Zudem seien die Menschen heute – anders als noch 2005 – gewohnt, über Soziale Medien mit einem "Like" ihren Konsens auszudrücken. Dies könnte ebenfalls eine Begründung für die mangelnde Bereitschaft sein, das Gemelli-Krankenhaus zu Fuß, im Auto oder per Bus aufzusuchen und damit Papst Franziskus physische Nähe zu zeigen.

Ersatz-Mittagsgebet für den kranken Papst

Ordensfrau Geneviève wollte genau diese "Pilgerreise" machen. Es sei ihr wichtig gewesen, Franziskus Nähe zu zeigen. Aber beten? Das mache sie besser zu Hause, sagt sie mit Blick auf die das Krankenhaus belagernden Medien. Kurz vor 12 Uhr mittags trifft dann doch Verstärkung für die wenigen andächtigen Besucher ein: Über 50 hauptsächlich in Schwarz gekleidete Personen betreten den Vorplatz der Klinik.

Es ist der Zeitpunkt, an dem der Papst eigentlich jeden Sonntag sein Mittagsgebet vor Menschen auf dem Petersplatz spricht. Angehörige der Gemeinschaft "Casa di Maria" (Haus Mariens) nehmen seit Jahrzehnten jede Woche an dem Angelusgebet vor Sankt Peter teil. Da es nun bereits die zweite Woche entfällt und die Ansprache des Papstes nur schriftlich verbreitet wird, kommt die Gruppe vor Gemelli zusammen.

Bei seinem Klinikaufenthalt wollten sie ihn umso mehr im Gebet begleiten, erzählt der Priester Michele Reschini. Unterstützt wird die Gemeinschaft von dem ehemaligen Vertreter des Papstes als Bischof von Rom, Kardinal Angelo De Donatis. Er hoffe, dass der Papst diese starke Umarmung spüre - eine Umarmung der Gruppe gemeinsam mit der Bevölkerung Roms. Und so sind vielleicht doch mehr Menschen wenigstens mental vor Ort.

Von Severina Bartonitschek (KNA)