Standpunkt

Deutschland braucht einen empathischen Blick auf die Nöte der Welt

Veröffentlicht am 31.03.2025 um 00:01 Uhr – Von Joachim Frank – Lesedauer: 4 MINUTEN

Bonn ‐ Ob es das Entwicklungsministerium bald noch geben wird, ist ungewiss. Joachim Frank sieht den Einsatz für die Ärmsten der Armen jedoch als besonderen Mosaikstein in der politischen Arbeit, den Deutschland nicht verlieren sollte.

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Aus den Schwesterparteien, die künftig den Kanzler stellen, kam der Rat, die Kirchen sollten sich, statt an der Migrationspolitik von CDU und CSU herumzumäkeln, lieber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Das Kernthema soufflierten sie gleich mit: den Lebensschutz.

Die Kirchen und kirchliche Verbände wenden sich in diesen Tagen gegen Mittelkürzungen in der Entwicklungsarbeit und die Schleifung des zuständigen Ministeriums. Damit erfüllen sie im Wortsinn den Wunsch der Union – wenn auch anders, als die Herren Söder, Merz und Co. es gemeint haben dürften. "Entwicklung hilft", lautet der sprechende Titel eines Aktionsbündnisses, das verschiedenste kirchliche und säkulare Träger vereint. Der Einsatz für die Ärmsten der Armen auf dieser Welt schützt und rettet Leben.

Am Geld dafür zu knapsen und gleichzeitig die deutsche Staatskasse mit bis zu einer Billion Euro an Schulden zu fluten – wie können die Chefs von Parteien mit einem christlichen Wertegerüst nur auf so eine Idee kommen? Egoismus als Etatposten – was für ein Signal in einem Moment, in dem der unbarmherzige, kaltschnäuzige Rückzug der USA aus der Entwicklungspartnerschaft ungezählte Hilfsprojekte in aller Welt ins Wanken bringt und das Vertrauen in das Humanitätsversprechen des Westens erschüttert.

Die Herabstufung des Entwicklungsministeriums (BMZ) zu einer Abteilung im Auswärtigen Amt war lange ein Projekt der FDP. Sie wird nicht dadurch besser, dass sie sich jetzt der künftige Kanzler in den Kopf gesetzt hat. Wo die Entwicklungsarbeit zu einem Rädchen in der Regierungsmaschinerie wurde, etwa in Großbritannien, ist sie unter die Räder gekommen – vom ideellen Stellenwert bis zur finanziellen Ausstattung. Deutschland sollte nicht den gleichen Fehler machen.

Deutsche Außenpolitik muss per Definition deutsche Belange vertreten. Für Diplomaten sind Eigeninteressen Staatsräson. Entwicklungspartnerschaft hingegen darf und soll die Belange der anderen im Blick haben – nicht interesse-, sondern selbstlos, nicht ungezielt, aber uneigennützig. Beide Perspektiven in einem Amt und/oder einer Person deckungsgleich zu machen, führt zu politischem Silberblick. Mit einem eigenständigen BMZ und einem Etat nicht unter der UN-Marge von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts behält Deutschland den klaren, empathischen Blick auf die Nöte der Welt.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist "DuMont"-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.