Standpunkt

Silvester ohne Böllern? Christliche Verantwortung statt Raketen

Veröffentlicht am 31.12.2025 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Aufs Neue diskutiert Deutschland um Silvester über private Feuerwerke. Gerade aus christlicher Sicht gibt es gute Gründe, über ein Verbot nachzudenken, schreibt Matthias Altmann. Für ihn ist die Sache im Anschluss an Papst Franziskus eigentlich klar.

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Der Jahreswechsel ist für viele ein Moment der Freude. Ein paar Raketen gegen Mitternacht in den Nachthimmel zu schießen, gehört für manche immer noch wie selbstverständlich dazu. Ebenso verlässlich flammen seit Jahren Forderungen nach einem Verbot von privaten Feuerwerken in Deutschland auf – aus guten Gründen, gerade aus christlicher Sicht.

Selbstverständlich weiß der christliche Glaube um die Wichtigkeit von Zeichen und Ritualen der Hoffnung. Doch alle Ausgelassenheit ist immer mit Verantwortung verbunden. Es klingt platt, ist aber zentral: Freiheit endet dort, wo sie anderen schadet. Genau das ist beim privaten Böllern der Fall und tritt zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Man braucht gar nicht mit dem Finger auf Bevölkerungsgruppen zu zeigen, die manche gerne für die Probleme verantwortlich machen: Selbst, wenn man nicht fahrlässig oder mutwillig handelt, sind Lärm, Verletzungen Unbeteiligter und Rettungskräfte im Dauereinsatz ein nicht wegzudiskutierender Bestandteil der Silvesternacht, gerade in Städten. Und Angst. Besonders unter denen, die sich nicht ohne Weiteres schützen können: Kleinkinder, ältere Menschen oder Obdachlose. Das berührt Fragen von Rücksicht und Solidarität – zentrale Maßstäbe christlichen Denkens.

Auch die Belastungen für die Umwelt bekommen in der Debatte ein immer stärkeres Gewicht: Feinstaub, Müll und massiver Stress für Tiere. Papst Franziskus (2013-2025) schrieb der Welt in seiner Enzyklika "Laudato si'" ins Stammbuch, dass ökologische und soziale Fragen untrennbar verbunden sind. Kurzfristiger Spaß auf Kosten von Umwelt und Gesundheit widerspricht dem Auftrag zu einer ökologischen Umkehr. Nach Papst Franziskus müsste sich eigentlich jeder Katholik zumindest für einen freiwilligen Verzicht aussprechen.

Ein pauschales Verbot mag als Bevormundung empfunden werden. Doch wenn selbst Rücksichtnahme nicht ausreicht, um Schäden zu vermeiden, ist eine Begrenzung bis hin zu einem generellen Verbot von privatem Böllern legitim. Möglicherweise liegt die Zukunft aber nicht im sturen Festhalten oder im reinen Verbot, sondern in neuen gemeinschaftlichen Ritualen, die Raum schaffen für Kreativität und echtes Miteinander. Der Jahreswechsel lädt vielleicht auch zu der Überlegung ein, wie unsere Freude dem Leben dient – nicht nur dem eigenen, sondern auch dem der anderen.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.