Überblick über bischöfliche Wortmeldungen zum Jahreswechsel

Gesellschaft, Kirche, Politik: Die Predigten der Bischöfe zu Silvester

Veröffentlicht am 31.12.2025 um 17:00 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ Hoffnung statt Hass, Dialog statt Polarisierung: In ihren Silvesterpredigten mahnen die deutschen Bischöfe zu Zuversicht, globaler Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt – und warnen vor Nationalismus, Verachtung und politischem Getöse.

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In ihren Silvesterpredigten haben die deutschen Bischöfe sich in Rück- und Ausblicken gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Themen gewidmet. Hamburgs Erzbischof Stefan Heße etwa rief dazu auf, "in dieser Zeit großer Veränderungen und Umbrüche hoffnungsvoll" zu leben. Dies sei die Aufgabe für Christinnen und Christen, sagte Heße in seiner Silvesterpredigt laut einer vorab veröffentlichten Mitteilung seines Erzbistums.

In seiner Predigt ging Heße zudem darauf ein, dass das zu Ende gehende Heilige Jahr einen Schub gegeben habe, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen, trotz "der Spannungen zwischen den Weltmächten, des Krieges in der Ukraine, der Kluft zwischen Arm und Reich, der immer weiter wachsende Zahl von Geflüchteten und Migranten, der Bedrohung unserer Schöpfung".

Wunsch nach "mehr Hoffnung als Verzweiflung"

Als Wunsch für das neue Jahr formulierte der Erzbischof, dass "mehr Hoffnung als Verzweiflung existiert, dass es immer einen Überschuss an Hoffnung gibt, mehr Liebe als Hass, mehr Verzeihung als Beleidigung, ein Mehr an Verbindung als Entzweiung, in allen Zweifeln ein Plus an Glaube, in aller Dunkelheit immer ein Licht".

Bischof Helmut Dieser bei einer Predigt
Bild: ©Domkapitel Aachen / Andreas Steindl (Archivbild)

Um Begriffe wie "Brandmauer" oder "Stadtbild" sei zuletzt ein Getöse entstanden, so Aachens Bischof Helmut Dieser.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser kritisierte zum Jahreswechsel die aus seiner Sicht aufgeregten politischen Debatten in Deutschland. Um Begriffe wie "Brandmauer" oder "Stadtbild" sei zuletzt ein Getöse entstanden, während tragfähige Lösungen zunehmend schwerer fielen, so Dieser in seiner Predigt laut vorab verbreitetem Manuskript. "Die Erregungen gehen hin und her, auf und ab. Eine zielsichere Lösung der umstrittenen Themen aber fällt denen, die eine gemeinsame Mehrheit haben, immer schwerer."

Auch die Diskussionen um das sogenannte Rentenpaket bewertete der Bischof skeptisch. Wenn Alt und Jung gegeneinander ausgespielt würden, schade das dem sozialen Frieden. "Die Politik muss, so meine ich, die Jungen mehr als bisher hören und in die Mitgestaltung der Gegenwart einbeziehen", forderte Dieser.

Polarisierung und Sprachlosigkeit überwinden

Der Geistliche rief dazu auf, Polarisierung und Sprachlosigkeit zu überwinden. Die Kraft dazu könne aus dem Glauben kommen, der Menschen auch in Krisen trage. Dieser verwies auf den vom verstorbenen Papst Franziskus angestoßenen Weg zu mehr Synodalität in der Kirche. Dabei gehe es um geistliches Zuhören, freimütiges Reden und gemeinsames Entscheiden. "Wenn wir in der Kirche eine synodale Kultur gewinnen, zeigt und bewirkt sie das Gegenteil von bloßer Aufregung und Getöse, durch die noch nichts gewonnen ist."

„Angesichts der vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen scheint die Menschheit insgesamt in eine große Stress-Situation gekommen zu sein.“

—  Zitat: Bischof Michael Gerber

Fuldas Bischof Michael Gerber wandte sich gegen einen Rückzug ins Private und gegen Nationalismus. "Polarisierungen in unserem Land und weltweit haben zugenommen. Wir erleben massive Prozesse der Entsolidarisierung", sagte Gerber laut Manuskript in seiner Silvesterpredigt im Fuldaer Dom. Er verwies auf den Rückgang der Entwicklungshilfe und auf das Infragestellen von internationalen Vereinbarungen und Partnerschaften.

"Angesichts der vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen scheint die Menschheit insgesamt in eine große Stress-Situation gekommen zu sein", sagte der Bischof. In solchen Krisensituationen entstünden leicht Abwehrreaktionen. Gerade heute sei diese Dynamik jedoch fatal, betonte Gerber: "Die großen sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen lassen sich heute nur aus einer globalen Perspektive lösen." Nationale Lösungen griffen zu kurz.

Der Bischof betonte, die biblischen Texte riefen zu einem Perspektivwechsel auf, um auch die Situation des Gegenübers zu bedenken. "Unser Gott ist auch der Gott der anderen Völker, unser Gott ist auch der Gott, der für die anderen Völker sorgt", so Gerber.

Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

"Hass und Verachtung zersetzen die Seele. Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen", betonte Bischof Peter Kohlgraf.

Zur Überwindung von Hass und Verachtung im gesellschaftlichen Dialog rief der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf auf. "Hass und Verachtung zersetzen die Seele. Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen", sagte Kohlgraf laut Manuskript in seiner Predigt im Mainzer Dom. Ihn erfülle mit Sorge, dass in Deutschland Hassbotschaften zunähmen. Geäußert würden sie dabei keineswegs nur von Menschen, die gesellschaftlich abgehängt seien. "Vielen geht es gut, und sie leben dennoch ihren Hass und ihre Verachtung gegenüber anderen aus", kritisierte der Bischof.

Blick auf "das viele Gute und die Dankbarkeit" richten

Kohlgraf erinnerte an Kriegsbetroffene weltweit, gerade auch in den von der Weltöffentlichkeit vergessenen Krisenregionen – wie etwa in Uganda. "Jeder leidende und von Krieg und Hass bedrängte Mensch, jedes Opfer von Gewalt, Krieg, Terror und Hunger ist ein Opfer zu viel. Es sind Menschen, Ebenbilder Gottes, seine Geschöpfe, Brüder und Schwestern Jesu und unsere Geschwister." Wer als Christ an die Menschwerdung des Sohnes Gottes glaube, so der Bischof, dem könne niemand mehr gleichgültig sein.

Kohlgraf rief zum Jahreswechsel dazu auf, den Blick dennoch auf "das viele Gute und die Dankbarkeit" zu richten. "Hass und Groll will ich nicht ins neue Jahr mitnehmen, denn sie vergiften alles."

„Sich Gottes Wirken in unserer Welt und unserem Leben wieder mehr und tiefer zu öffnen, war ein großes Anliegen von Papst Franziskus.“

—  Zitat: Bischof Dominicus Meier

Osnabrücks Bischof Dominicus Meier ermutigte zu Zuversicht, Offenheit und gesellschaftlichem Engagement. Christinnen und Christen sollten sich nicht in Nostalgie oder Resignation verlieren, sondern mutig nach vorn schauen und Verantwortung für Kirche und Gesellschaft übernehmen, so Meier in seiner Silvesterpredigt laut vorab verbreitetem Redemanuskript.

Glauben nicht zur Abwertung anderer instrumentalisieren

Meier verwies auf das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr 2025, das unter dem Motto "Pilger der Hoffnung" stand. "Sich Gottes Wirken in unserer Welt und unserem Leben wieder mehr und tiefer zu öffnen, war ein großes Anliegen von Papst Franziskus."

"Pilger der Hoffnung" zeichnen sich nach Meiers Worten unter anderem dadurch aus, dass sie solidarisch handeln, Not nicht verdrängen, Extremismus ablehnen und sich für Demokratie, Freiheit und den Schutz der Schöpfung einsetzen. Christlicher Glaube dürfe nicht zur Abwertung anderer instrumentalisiert werden, betonte er. Vielmehr gehe es um Verständigung, Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen sowie um den Einsatz für ein friedliches Miteinander. (stz/KNA)