Kardinal Sarah: Liturgie wurde zunehmend politisiert

Nach Ansicht des früheren Präfekten des vatikanischen Gottesdienstdikasteriums, Kardinal Robert Sarah, ist die Liturgie in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend politisiert worden. Kirchenautoritäten hätten jene "verfolgt und ausgeschlossen", die zu Recht auf Missstände hingewiesen hätten, berichtete der "National Catholic Register" am Wochenende. Die Vorträge hatte der emeritierte Kurienkardinal bereits Ende vergangenen Jahres gehalten.
Die Liturgie sei, so Sarah, nichts, was man erfinden oder beliebig verändern könne – "selbst wenn wir uns für Experten halten oder gar Bischöfe sind". Vielmehr müsse man ihr demütig begegnen, so wie sie aus der Tradition der Kirche überliefert worden sei. In diesem Zusammenhang erinnerte der afrikanische Kardinal an einen von Benedikt XVI. betonten Gedanken: "Was frühere Generationen als heilig betrachteten, bleibt auch für uns heilig und groß."
Kirchenmusik keine "nette Ergänzung"
Deutliche Kritik übte Sarah zudem an Musik in Kirchen, die nicht liturgisch oder sakral sei. Dies sei "manchmal sogar skandalös". Kirchenmusik sei keine "nette Ergänzung zur Liturgie, sondern ein wesentlicher Bestandteil von ihr".
Robert Sarah war von 2014 bis 2021 Präfekt des vatikanischen Gottesdienstdikasteriums. Während seiner Amtszeit kam es aufgrund unterschiedlicher liturgischer Vorstellungen zu Spannungen mit Papst Franziskus. Der Kardinal betonte jedoch stets, kein Gegner des Papstes zu sein. Auch nach seiner Emeritierung äußert sich Sarah regelmäßig zu Fragen der kirchlichen Entwicklung. Sarah gilt als scharfer Kritiker von Neuerungen in der Kirche. (mtr)