Ex-Bischof Nann: Frauen sollen sich weder unterordnen noch schweigen
Der deutschstämmige ehemalige Bischof von Caravelí in Peru, Reinhold Nann, rät Frauen in der Kirche, sich weder unterzuordnen noch zu schweigen. "Es ist notwendig, für Gleichberechtigung zu kämpfen", schreibt er in einem Beitrag für das spanische Portal "Religion Digital" am Dienstag. Viele Theologinnen und Ordensfrauen würden gerne Diakoninnen und Priesterinnen werden, wie es in der Anglikanischen Kirche bereits üblich sei. Doch, so Nann weiter, die ausschließlich aus Männern bestehende katholische Amtskirche sei nach wie vor nicht bereit, Macht mit Frauen zu teilen.
Kritik übte der ehemalige Bischof ebenfalls am Dokument der zweiten Vatikan-Kommission zum Frauendiakonat, das im Dezember 2025 öffentlich geworden war. Darin wurde festgehalten, Frauen könnten keine Diakoninnen werden, da dies ein Schritt in Richtung Priestertum sei. "Papst Leo XIV. wird den Rat der Kommission sicherlich befolgen, trotz dessen völliger Unlogik, insbesondere in diesem Punkt: Die Macht in der Kirche ist an das Priestertum gebunden, und das Priestertum ist ausschließlich Männern vorbehalten", so Nann. Dieses Argument ignoriere historische und kulturelle Veränderungen und ziele lediglich darauf ab, die faktische Macht des männlichen Klerus zu sichern.
Nicht weiter um den Zugang zum Diakonat kämpfen
Er selbst habe als Bischof gemäß dem Kirchenrecht zwei Ordensfrauen und eine Laiin zu Pfarrverwalterinnen ernannt. Zu ihren Aufgaben gehörte die Koordination der Seelsorge als auch die Spendung der Taufe und Trauungen durchzuführen. Doch Nann rät Frauen, nicht weiter um den Zugang zum Diakonat zu kämpfen. Dies würde sie nur entmutigen und erschöpfen. "Nach geltendem Kirchenrecht können sie Pfarreien zugeteilt werden, in denen Priestermangel herrscht, und dies ist weltweit der Fall", erklärt er. "Der Bischof kann ihnen daher die Befugnis zur Taufe und Trauung erteilen, also genau die Sakramente, die ein Diakon spenden darf. Somit können sie das Diakonat ausüben, ohne als Diakoninnen bezeichnet zu werden."
Der ehemalige Bischof rät Frauen unter anderem, das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen bei sich zu Hause auszuüben. So habe auch die Kirche ihren Anfang genommen. Frauen könnten demnach in ihren Familien Priester sein für Ehepartner, Kinder, Verwandte und Freunde, aber ohne liturgische Gewänder oder Messbücher, so Nann. "Predigen Sie nicht, lassen Sie stattdessen jeden seine Meinung äußern".
Nann hatte vergangenen Herbst mitgeteilt, dass er nach seinem Rücktritt als Bischof nun auch kein Priester mehr sei und eine Zivilehe mit seiner Frau eingegangen sei. Der aus Breisach am Rhein stammende Nann war von 2017 bis 2024 Bischof der Territorialprälatur Caravelí im Süden Perus. Eine Territorialprälatur ist einer Diözese gleichgestellt und bildet eine Teilkirche innerhalb der katholischen Kirche. Bereits seit 2002 wirkte Nann dauerhaft in dem südamerikanischen Land. Im Jahr 2024 trat er als Bischof zurück, weil er eine Zeit der Klärung und Entscheidung gebraucht habe. (mtr)
