Kritiker der vatikanischen Chinapolitik und Gegner innerkirchlicher Reformen

Papst Leo XIV. empfängt reformkritischen Kardinal Zen

Veröffentlicht am 07.01.2026 um 14:15 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Kardinal Joseph Zen ist einer der ältesten Kardinäle. Er übt oft unverblümt Kritik an der Führung in Peking – aber auch am Vatikan. Nun hat Papst Leo XIV. den konservativen Kardinal in Audienz empfangen.

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Papst Leo XIV. hat den chinesischen Kardinal Joseph Zen (93) in Audienz empfangen. Dies teilte das vatikanische Presseamt am Mittwoch wie üblich ohne nähere Angaben mit. Zen hält sich aus Anlass eines Treffens aller Kardinäle mit dem Papst in Rom auf, das am Donnerstagabend endet. Bei dem außerordentlichen Konsistorium werden Zukunftsfragen der katholischen Kirche erörtert.

Der frühere Erzbischof von Hongkong hatte sich in den vergangenen Jahren als Kritiker der vatikanischen Chinapolitik sowie als Gegner innerkirchlicher Reformen profiliert. 2023 schickte er gemeinsam mit vier weiteren Kardinälen eine Liste kritischer Fragen an den damaligen Papst Franziskus.

Befürworter der "Alten Messe"

Darin ging es unter anderem darum, ob mehr Mitbestimmung in der Kirche zulässig und eine liberalere Haltung gegenüber homosexuellen Paaren mit der kirchlichen Lehre vereinbar ist. Zudem äußerte sich Zen wiederholt als Befürworter der "Alten Messe" und verurteilte die Einschränkungen dieser Form der Liturgie durch Papst Franziskus.

Die vatikanische Chinapolitik, die unter Franziskus eine Verständigung zwischen Staat und Kirche bei der Ernennung von Bischöfen anstrebte, kritisierte Zen scharf. Er unterstützte die Proteste demokratischer Kräfte in Hongkong gegen die kommunistische Führung in Peking und wurde dafür im Mai 2022 kurzzeitig verhaftet. (KNA)