Mehr als 100 Jahre Einsatz für Kirche und Gemeinde

Heinrich Henrichs hat ein Herz für Maria und Ginderichs Wallfahrt

Veröffentlicht am 23.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Jasmin Lobert – Lesedauer: 
Am 22. Oktober 2025 erhielt Heinrich Henrichs die höchste Auszeichnung des Bistums Münster, die Paulusplakette.
Bild: © privat

Ginderich ‐ Heinrich Henrichs ist sein Leben lang im Einsatz für die Kirche. Dafür wurde er kürzlich ausgezeichnet. Was ihn antreibt, warum er ein Herz für die Gottesmutter hat und was ihm die Wallfahrt in seinem Heimatort bedeutet.

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"Glaube und Kirche haben schon mein ganzes Leben eine wichtige Rolle gespielt", sagt Heinrich Henrichs, der seit seiner Geburt in Ginderich bei Wesel lebt. Der 88-Jährige erinnert sich noch gut an seine Kindheit: Wenn seine Mutter zur Frühmesse ging, kam der Großvater ins Haus, um auf ihn aufzupassen. Nach ihrer Rückkehr besuchte dann der Großvater das Hochamt. Als Henrichs älter wurde, begleitete er sie – jeden Sonntag in die Messe und zum Mittagsgebet. So wurde die Kirche für ihn ganz selbstverständlich Teil seines Lebens.

"Gerade in schweren Zeiten gibt der Glaube Kraft", sagt der Rentner. Dabei denkt er vor allem an seine Kindheit zurück. Sein Vater galt nach dem zweiten Weltkrieg als vermisst und wurde wenig später für tot erklärt. "Kurz nach dem Krieg war das keine leichte Zeit", sagt er. Das Geld war knapp, sie aßen, was der Garten hergab.

100 Jahre kirchliches und 50 Jahre politisches Ehrenamt

Mit 15, "als es unter dem Rock meiner Mutter zu eng wurde", so Henrichs, machte er eine Ausbildung zum Feinmechaniker und wurde zum ersten Mal selbst aktiv in der Kirche. Mehrere Jahre leitete er die Pfarrjugend und gründete einen Fanfarenkorps. Wenig später begann sein politisches Engagement.

Wenn der 88-Jährige heute anfängt, seine Ehrenämter aufzuzählen, kann er kaum Luft holen: Pfarrgemeinderat, Krippenbauverein, Vorsitzender des Wallfahrtsausschusses, außerdem Lektor, Kommunionhelfer, Kirchenführer und vieles mehr. Insgesamt kommt er auf mehr als 100 Jahre kirchliches Ehrenamt. Hinzu kommen 50 Jahre Kommunalpolitik, unter anderem als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Wesel. 1989 erhielt er den Ehrenring der Stadt Wesel und 2002 das Bundesverdienstkreuz. Besonders seit er vor 28 Jahren in Rente ging, kamen noch weitere Ehrenämter dazu, denn "da hatte ich ja mehr Freizeit", sagt er und lacht.

Linktipp: Elisabeth und Reinhold Pieper – Ein Ehepaar am Altar

Elisabeth und Reinhold Pieper stehen gemeinsam am Altar. Seit vielen Jahren sind sie Seniorenmessdiener in der Kirchengemeinde St. Remigius in Borken. Für die beiden ist das ein Ehrenamt, das sie gerne machen. Obwohl beim Dienst am Altar nicht immer alles glatt läuft.

Und seine Familie? "Die hat mich immer unterstützt", sagt Henrichs. Besonders seine Frau habe alles mitgetragen. "Da kann ich mich glücklich schätzen." Natürlich habe sie mal gefragt, ob es nicht langsam genug sei, schließlich mussten sie sogar ihre Urlaubsplanung nach seinem Engagement ausrichten: Reisen durften immer nur vor oder nach der Wallfahrtssaison gebucht werden. Denn als Wallfahrtsleiter schloss er von Mai bis Oktober jeden Sonntag die Kirche auf und wieder zu.

Der Tod seiner Frau vor sechs Jahren hat Henrichs sehr getroffen. "Sie war die gute Seele der Familie", sagt er. In dieser schweren Zeit fand er Trost im Gebet. Seine kirchlichen Verpflichtungen halfen ihm sogar dabei, nicht in der Trauer zu versinken. Sie hielten ihn beschäftigt, lenkten ihn ab.

"Ich wollte den Wallfahrtsort mit Leben erfüllen"

Am Herzen lag ihm vor allem die Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt in Ginderich. Als Wallfahrtsleiter koordinierte er die Kirchenaufsichten, kümmerte sich um die angemeldeten Pilgergruppen und bot Führungen in der Kirche an. "Ich wollte den Wallfahrtsort mit Leben erfüllen", sagt er, deshalb habe er bei jeder Gelegenheit Werbung dafür gemacht. "Es wurde zu einem festen Teil meines Lebens", sagt er. Kein Wunder also, dass Heinrichs im Gespräch immer wieder auf die Geschichte des Wallfahrtsorts zu sprechen kommt.

"Ginderich gilt als der älteste Wallfahrtsort am Niederrhein", sagt Henrichs. 1190 bestätigte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg die Marienwallfahrt. Ein zentrales Wunder, wie es andere Wallfahrtsorte prägt, gibt es hier nicht, doch vielen Gläubigen soll durch das Mirakelbild der Gottesmutter geholfen worden sein, sodass der Ort als Wallfahrt anerkannt wurde. Die Pilgerströme aus dem ganzen Rheinland konnte die ursprüngliche Kirche nicht mehr fassen, sodass sie mithilfe von Pilgerspenden im 14. Jahrhundert neuerrichtet wurde. Im Zuge dessen wurde das Mirakelbild durch eine gotische Sitzmadonna ersetzt, die Maria thronend mit dem Jesuskind zeigt.

Die Kirche St. Mariä Himmelfahrt (l.), Gottesdienst in der Wallfahrtskirche (m.), die gotische Sitzmadonna (r.)
Bild: ©Kirchengemeinde St. Ulrich Alpen

Die Kirche St. Mariä Himmelfahrt (l.), Gottesdienst in der Wallfahrtskirche (m.), die gotische Sitzmadonna (r.)

Die Wallfahrt kam im 17. Jahrhundert wegen eines Verbotes des protestantischen Kurfürsten zum Erliegen. Nach der Jahrtausendwende bat ein Theologiestudent aus Ginderich darum, seine Heimat wieder zu einem Wallfahrtsort erklären zu lassen – mit Erfolg. 2005 erhob der Münsteraner Bischof die Gindericher Kirche wieder in den Kreis der Wallfahrtsorte der Diözese. Die Sitzmadonna trägt seitdem den Namen "Maria, Königin des Friedens".

Als treuer Marienverehrer, der viele Jahre nach Kevelaer gepilgert ist, hat sich Henrichs besonders gefreut. "Das war wirklich ein Geschenk für unsere Gemeinde und das ganze Umland." Jährlich kommen rund 70 Pilgergruppen nach Ginderich – zusammen mit den Einzelpilgern seien das etwa 3000 Besucher, sagt Dietmar Heshe, Pfarrer der Kirchengemeinde St. Ulrich Alpen. "Im Vergleich zu Kevelaer oder Altötting ist es bei uns eher überschaubar und ruhig, dafür aber persönlicher und familiärer. Viele Wallfahrtsgruppen genießen das."

Auch Henrichs hat eine besondere Verbindung zur Gottesmutter. "Die Heilige Familie ist der Grundstock der Kirche", sagt er, "ohne das Wunder der Geburt Jesu, gäbe es gar kein Christentum." Pfarrer Heshe erzählt, dass jedes Jahr zur Wallfahrtseröffnung zwei Kerzen unter der Gottesmutter entzündet werden – eine Kerze der Gemeinde und eine von Heinrich Henrichs persönlich. "Das zeigt, wie sehr er im Glauben an die Gottesmutter verwurzelt ist", so der Pfarrer.

Henrichs (l.) übergab den Scheck zusammen mit Pfarrer Dietmar Heshe (r.) an Ralf Berensmeier, Vorsitzender des Fördervereins Kinderpalliativmedizin Löwenzahn und Pusteblume.
Bild: ©Frank Hovestadt

Henrichs (l.) übergab den Scheck zusammen mit Pfarrer Dietmar Heshe (r.) an Ralf Berensmeier, Vorsitzender des Fördervereins Kinderpalliativmedizin Löwenzahn und Pusteblume.

Ende vergangenen Jahres zog sich Henrichs als Wallfahrtsleiter zurück, sein Amt im Pfarrgemeinderat und im Krippenbauverein legte er nieder. Zum Abschied organisierte Pfarrer Heshe einen Gottesdienst – und überraschte ihn mit der höchsten Auszeichnung des Bistums Münster. Weihbischof Rolf Lohmann hielt die Laudation und verlieh ihm die Paulusplakette. Henrichs sei von dieser Überraschung "sichtlich gerührt", so der Pfarrer.

Bei der anschließenden Feier wurde ein Spendentopf aufgestellt, dessen Summe Henrichs auf 1000 Euro aufstockte und einem Verein für Kinderpalliativmedizin in Wesel übergab. Doch der Wallfahrtsausschuss ließ es sich nicht nehmen, ihm noch ein weiteres Geschenk zu machen. Ihm zu Ehren soll rund um die Kirche ein Baum gepflanzt und eine Stele installiert werden. Die Inschrift weist auf Henrichs außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement hin. Wie sein Wirken solle der Baum "kommenden Generationen Schatten und Halt bieten". Über das Geschenk freut sich Henrichs sehr. Ihm sei nur wichtig, dass ein Kronenbaum gepflanzt werde, "damit er ordentlich Schatten spendet".

"Heinrich Henrichs ist eine tragende Säule der Kirchengemeinde wie auch der politischen Gemeinde Ginderich", sagt Pfarrer Heshe. "Das ist wirklich eine Lebensleistung – da kann man nur dankbar sein." Auch wenn Henrichs ein paar Aufgaben abgegeben hat, bleibt er der Gemeinde weiterhin treu – als Lektor, Kommunionhelfer, Seniorenmessdiener und Mitglied im Kirchenchor. "Also Langeweile kommt bei mir nicht auf", sagt er und lacht. Ein Leben ohne die Kirche könne er sich gar nicht vorstellen.

Von Jasmin Lobert