Standpunkt

Synodaler Weg – Prozess abgeschlossen, Ziele nicht erreicht

Veröffentlicht am 19.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Simon Linder – Lesedauer: 

Bonn  ‐ Die letzte Synodalversammlung steht an. Was bleibt, ist viel Einsatz – doch kaum Reformen, kommentiert Simon Linder. Themen wie Gleichberechtigung und Sexualmoral blieben ungelöst. Der Preis: sinkendes Vertrauen in die Kirche.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

In der kommenden Woche findet die letzte Vollversammlung des Synodalen Weges statt. Ich habe großen Respekt vor den ehrenamtlich Engagierten im Synodalen Weg, die in einem ursprünglich auf zwei Jahre angelegten Prozess über sechs Jahre dabeigeblieben sind. Diesen zu Ende geführt zu haben ist allerdings noch kein Erfolg an sich.

Gerade weil das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) selbst bei Tiefschlägen wie den Stoppschildern aus Rom und der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral durch "feige Heckenschützen" (Zitat: Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes in der Synodalversammlung) keine roten Linien überschritten sah, hat es seine vor Beginn formulierten Ziele verfehlt: Laien und Geweihte sind nicht gleichberechtigt, Frauen und Männer auch nicht, der Pflichtzölibat besteht weiter, bei der Sexualmoral konnte man sich mit den Bischöfen nicht einmal auf eine gemeinsame Grundperspektive einigen, eine unabhängige Verwaltungsgerichtsbarkeit gibt es weiterhin nicht usw.

Wer darauf verweist, dass es zu diesen Themen eben auch andere Überzeugungen gibt, vergisst: Diese Ziele waren von der MHG-Studie her gut begründet, um die Gefahr sexualisierter Gewalt in der Kirche zu verringern. Es verbietet sich, hier auf verbesserte Präventionsarbeit zu verweisen: Diese kann nicht ausreichend verhindern, was gefährliche Strukturen verursachen können.

Es ist zu hoffen, dass Kinder und Jugendliche heute auch durch eine sensibilisierte Öffentlichkeit dennoch besser vor sexualisierter Gewalt in der Kirche geschützt sind. Menschen haben in den vergangenen Jahren ihr Vertrauen in die Kirche verloren – von 29 Prozent vor der Veröffentlichung der MHG-Studie (2018) auf heute nur noch 11 Prozent (wobei es zuletzt wieder ganz leicht anstieg). Man hat verstanden: Selbst unter dem Eindruck einer riesigen Katastrophe sind die kirchlichen Beharrungskräfte stärker als jede Hoffnung auf nötige Reformen.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Tübingen. Er ist promovierter Katholischer Theologe und hat einen Studienabschluss in Allgemeiner Rhetorik. Aktuell forscht er zum Thema "Assistierter Suizid".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.