Oliver Wintzek über Vereinbarung zwischen Würzburger Fernkurs und KH Mainz

Neue Kooperation: Theologie muss "unter die Leute"

Veröffentlicht am 19.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Mainz ‐ Wer "Theologie im Fernkurs" absolviert hat, erhält in Mainz nun einen verlässlichen Zugang zu einem verkürzten Studium. Im katholisch.de-Interview erklärt Studiengangsleiter Oliver Wintzek, warum hinter einem Modell wie diesem keine Notlösung, sondern eine Überzeugung steht.

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An der Katholischen Hochschule Mainz gibt es einen neuen, festen Zugangsweg zu einem Theologiestudium: Absolventinnen und Absolventen des bekannten Würzburger Bildungsangebots "Theologie im Fernkurs" können künftig garantiert den Studiengang Praktische Theologie in Teilzeit belegen – und zwar verkürzt. Am Mittwoch wurde die entsprechende Kooperationsvereinbarung geschlossen. Oliver Wintzek betreut den Studiengang in Mainz. Er erläutert im Interview, warum theologische Bildung breit gestreut werden muss – und wie er die zunehmende Konkurrenz in Sachen flexiblere Studiengangsmodelle durch andere Hochschulen wahrnimmt.

Frage: Herr Wintzek, die Katholische Hochschule Mainz ermöglicht Absolventinnen und Absolventen von "Theologie im Fernkurs" ein verkürztes Teilzeitstudium der Praktischen Theologie. Was unterscheidet dieses Modell von anderen Zugangswegen zum einem Theologiestudium?

Wintzek: Absolventinnen und Absolventen von "Theologie im Fernkurs" studierten auch bisher schon an der Katholischen Hochschule, allerdings lief dies über individuelle Anerkennungslösungen. Jetzt haben wir ein standardisiertes Modell geschaffen. Wer den Grund- und Aufbaukurs absolviert, ist garantiert: Man kann bei uns einsteigen – mit der klaren Perspektive, in verkürzter Studienzeit einen staatlichen Abschluss zu erwerben. Das gibt zusätzliche Motivation, diesen Weg überhaupt zu gehen und ermöglicht vielleicht einen Traum, den man in der Vergangenheit nicht realisieren konnte.

Frage: Informell gab es diese Kooperation also schon, nun wurde sie institutionalisiert.

Wintzek: In der Tat. Weil immer wieder Absolventinnen und Absolventen des Fernkurses zu uns kamen, wollten wir diesem Pool von Interessierten die Möglichkeit, bei uns weiter zu studieren, grundsätzlich und breitenwirksam eröffnen. Es gab im Vorfeld diesbezügliche Gespräche mit Stefan Meyer-Ahlen, dem Leiter von "Theologie im Fernkurs", wie eine Anerkennung der dortigen Studienleistungen gut funktionieren kann. Diesen Weg haben wir gemeinsam gefunden. Das entspricht unserer Überzeugung, dass theologische Bildung nicht an formalen Hürden scheitern darf. Unser Motto: Es geht nicht darum, ob, sondern wie.

Bild: ©Privat (Archivbild)

Oliver Wintzek ist Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Katholischen Hochschule Mainz. Er ist dort auch für den Studiengang Praktische Theologie in Teilzeit verantwortlich.

Frage: Viele Hochschulen bieten inzwischen solche flexibleren Studiengangsmodelle im Bereich der Theologie an. Zugespitzt gefragt: Aus Verzweiflung, weil man Studenten braucht, um überleben zu können, oder aus Überzeugung?

Wintzek: Ganz klar aus Überzeugung. Natürlich ist es erfreulich, wenn dadurch mehr Studierende kommen. Aber das ist nicht der Punkt. Uns geht es darum, theologische Bildung breit zu streuen. Gerade Menschen, die sich kirchlich engagieren, dürfen nicht inhaltlich "verhungern", sondern müssen gut ausgerüstet sein. Theologisches Orientierungswissen ist kein exklusives Gut der Hauptamtlichen.

Frage: Rechnen Sie bei Menschen, die vom Fernkurs kommen, eher mit Ehrenamtlichen oder mit Menschen, die sich beruflich nochmal neu orientieren wollen?

Wintzek: Die Motive sind unterschiedlich. Manche sehen einen staatlichen Abschluss als ein zusätzliches Qualitätssiegel an. Es gibt auch Menschen, die später im Leben noch einmal ernsthaft überlegen, sich beruflich neu zu orientieren. Unsere bisherigen Teilzeitstudierenden zeigen: Es geht vor allem um Interesse und Überzeugung. Viele wollen ihr ehrenamtliches Engagement fundieren, andere halten sich bewusst Optionen offen, das Berufsfeld zu wechseln. Man sollte das nicht gegeneinander aufrechnen. Aber wenn wir Ehrenamt wertschätzen, müssen wir auch in Qualifikation investieren. Das bieten und leisten wir.

Frage: Andere Hochschulen, die inzwischen auch flexible Modelle anbieten, nehmen auch wahr, dass diese gerade unter Ehrenamtlichen große Resonanz erhalten. Warum ist das aus Ihrer Sicht so?

Wintzek: In kirchlichen Umbruchzeiten merken viele: Ich bin selbst gefragt. Man kann nicht mehr darauf warten, dass "die Kirche" etwas regelt. Man möchte eine inhaltlich fundierte Auseinandersetzung und tiefer verstehen, was wir als Kirche glauben. Man begnügt sich nicht einfachhin mit überkommenen Formulierungen, die man eingeübt hat und die rasch zu "Leeformeln" werden. Ebenso möchte man sprach- und argumentationsfähig werden – auch angesichts von fundamentalistischen Versuchungen im Bereich des Religiösen.

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Frage: Werden gut ausgebildete Ehrenamtliche künnftig dann der günstige Ersatz für Hauptamtliche in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen?

Wintzek: Die Denkweise, dass Ehrenamtliche für fehlende Hauptamtliche in die Bresche springen sollen, halte ich für falsch, denn sie sind keine Verlegenheitslösungen. Es gilt doch, auf die Realitäten zu reagieren: dass wir uns als Multiplikatoren im kirchlichen Raum anders aufzustellen haben. Hier handelt es sich um Menschen, die das gerne möchten und nun bei uns fundiert können. Ehrenamtliche sind eben keine Notlösung, sondern eine wahre Bereicherung.

Frage: Fürchten Sie angesichts der "Flut" an neuen Modellen, dass sich die Angebote der verschiedenen Hochschulen kannibalisieren? Oder deckt es tatsächlich den Bedarf?

Wintzek: Wir sind in Deutschland – in den Diözesen und an den theologischen Fakultäten und Hochschulen – glücklicherweise breit aufgestellt, weswegen wir uns nicht gegenseitig das Wasser abgraben sollten. Mit den Absolventinnen und Absolventen von "Theologie im Fernkurs" ist eine Gruppe angesprochen, die es schon gibt – und die nun diese passgenaue Möglichkeit in Mainz hat. Offensichtlich treffen wir mit unseren Angeboten einen Nerv, wenn wir auf die Zahlen blicken: Aktuell studieren rund 30 Personen im Teilzeitmodell; begonnen haben wir vor drei Jahren mit sieben, dann kamen 12, jetzt sind es fast 20. Allein in den letzten Tagen habe ich nun 25 bis 30 neue Anfragen von Absolventinnen und Absolventen des Fernkurses erhalten – obwohl der Studienstart erst zum kommenden Wintersemester ist. Wenn es an anderen Fakultäten oder Hochschulen ähnliche Wege gibt, ist das zu begrüßen, weil damit Theologie "unter die Leute" gebracht wird. Ich befürchte also keine "Kannibalisierung", sondern sehe eine Bereicherung der Bildungslandschaft. Und das ist gut so.

Frage: Ist diese Individualisierung der Studienmodelle aus Ihrer Sicht eine Anfrage an klassische Studienmodelle wie dem Magisterstudium?

Wintzek: Nicht nur die theologische Studienlandschaft, sondern die gesamte kirchliche Berufslandschaft ist im Wandel. Nostalgie ist keine Lösung, es braucht aus meiner Sicht eine Umjustierung: Wir dürfen nicht für Strukturen ausbilden, die es so jetzt oder bald nicht mehr gibt. Wir erleben längst, dass etwa die Grenzen zwischen den Berufsrollen – Gemeinde- oder Pastoralreferentinnen- und referenten – durchlässig werden. Wenn man zuarbeitet, dass sich etwas Neues entwickeln kann, ist das eine notwendige Anpassung an die gegenwärtigen Entwicklungen. Dafür steht die Katholische Hochschule in Mainz.

Von Matthias Altmann