Nach Kritik: Bischof Barron entfacht neue Debatte wegen ICE-Einsatz
Nach wiederholter Kritik von Theologen hat sich der US-Bischof Robert Barron zum tödlichen Einsatz der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE und zu den politischen Unruhen in Minneapolis geäußert. Der Bischof der Diözese Winona-Rochester erklärte am Montag in den sozialen Medien, der gegenwärtige Zustand der Gesellschaft sei "unhaltbar". Gewalt, Vergeltung, Proteste, Misstrauen, politische Spannungen und Angst bestimmten das öffentliche Leben.
Barron schlug vor, die Regierung von Donald Trump solle die Maßnahmen der ICE-Behörde vorläufig darauf beschränken, ausschließlich undokumentierte Migranten festzunehmen, die schwere Straftaten begangen hätten. Zugleich kritisierte er politische Verantwortungsträger, die Ressentiments gegen Einsatzkräfte schürten, ebenso wie Demonstrierende, die die Arbeit von ICE behinderten. "Alle Seiten müssen aufhören, sich gegenseitig anzuschreien und ihre Gegner zu dämonisieren", mahnte der Bischof. Hintergrund der Stellungnahme des Bischofs ist der tödliche Einsatz von ICE-Agenten in Minneapolis gegen eine 37-jährige Frau.
Theologe: Offener Widerspruch zu US-Bischofskonferenz
Der Vatikan-Experte Austen Ivereigh, der als enger Vertrauter von Papst Franziskus galt, äußerte sich gegenüber katholisch.de kritisch. Barron orientiere sich strategisch an einer spezifischen Zielgruppe, insbesondere an jungen Männern, die wütend oder desillusioniert seien und sich an Figuren wie Jordan Peterson, Charlie Kirk oder Nick Fuentes orientierten. Daher sei erklärbar, warum Barron sehr selektiv kritisiere und zu dem schweige, "was für viele offensichtlich ist: dass die Vereinigten Staaten inzwischen von einem unverhüllten Heidentum regiert werden", so Ivereigh unter Verweis auf die von Augustinus kritisierte libido dominandi, der Herrschsucht.
Auch Theologe Massimo Faggioli warf Barron in einem kurzen Beitrag in den sozialen Medien vor, mit seiner Wortmeldung klar von der Linie der US-Bischofskonferenz abzuweichen. Barron sei ein prominentes Mitglied der Konferenz und stehe nun in offenem Widerspruch zu deren Positionen.
Unmittelbar nach dem tödlichen Vorfall hatte der Erzbischof von Saint Paul und Minneapolis, Bernard Hebda, zur Besonnenheit aufgerufen. Er forderte ein Ende der rhetorischen Zuspitzung sowie angstgetriebener Spekulationen. (mtr)
