"Leider war ich der einzige 'Unruhestifter'"

Zen: "Handlanger" von Papst Franziskus haben Konsistorium gekapert

Veröffentlicht am 21.01.2026 um 11:37 Uhr – Lesedauer: 

Hongkong/Rom ‐ Nach dem außerordentlichen Konsistorium Anfang Januar übt Kardinal Joseph Zen Kritik an dessen Ablauf. Debatten seien verhindert worden. Sich selbst bedauert er als "einzigen Unruhestifter" der Versammlung.

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Der chinesische Kardinal Joseph Zen hat sich kritisch zum Verlauf des außerordentlichen Konsistoriums Anfang Januar im Vatikan geäußert. "Ich neige zu einer 'Verschwörungstheorie' und vermute, dass dieses Treffen von den 'Handlangern' von Papst Franziskus gekapert wurde", sagte Zen laut einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Portals "CNA Deutsch". Und weiter: "Sie haben alles getan, um die Kardinäle daran zu hindern, ihre Meinung zu äußern. Widerspricht dies nicht genau dem Zweck, zu dem Papst Leo das Konsistorium einberufen hat?" Er habe stattdessen den Eindruck bekommen, als würden einige Kardinäle das Konsistorium als Fortsetzung der Weltsynode zur Synodalität betrachten.

Obwohl vier Themen auf der Agenda des Konsistoriums gestanden hätten, seien aus Zeitgründen nur zwei davon behandelt worden, bemängelte Zen. Es habe nur zwei Aussprachen gegeben, in denen die Kardinäle vor allen Mitbrüdern offen hätten reden können. Dabei seien in jeweils 45 Minuten nur jeweils 15 Kardinäle zu Wort gekommen. Stattdessen sei am ersten Tag "ein ganzer Nachmittag verschwendet" worden. Nach dem Treffen hätten mehrere Mitbrüder mit Blick auf den Ablauf "Bedenken" geäußert, "obwohl sie im Gegensatz zu mir nicht zu Verschwörungstheorien neigten", sagte der Kardinal. So hätten einige vermutet, Papst Leo XIV. habe "aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen zum Abschluss des Heiligen Jahres" eventuell nicht die Möglichkeit gehabt, die Organisation des Treffens persönlich zu überwachen.

"Leider war ich der einzige 'Unruhestifter'"

Zen beklagte weiter, dass er selbst einen Text zum Thema Synodalität vorbereitet habe, aus dem er jedoch nur die wichtigsten Punkte habe vortragen können, da die Redezeit auf drei Minuten begrenzt worden sei. In seinem Beitrag habe er dann "eine ziemlich pointierte Kritik" an der Weltsynode geäußert. "Ich weiß, dass viele Kardinäle vor einiger Zeit ähnliche Ansichten wie ich geäußert hatten, doch während der Sitzung sprachen sie wenig und sehr 'höflich'", so der Kardinal weiter. "Leider war ich der einzige 'Unruhestifter'." Nach seinen Äußerungen im Konsistorium habe er "einige missbilligende Blicke" gespürt. Allerdings hätten auch "viele traditionalistische Brüder und Schwestern" ihre Anerkennung ausgedrückt.

Das außerordentliche Konsistorium der Kardinäle der katholischen Kirche hatte am 7. und 8. Januar stattgefunden, es war das erste Treffen dieser Art in der Amtszeit von Papst Leo XIV. und drehte sich um innerkirchliche Zukunftsfragen. Außerordentliche Konsistorien finden nur selten statt: Zuvor hatte eine solche Versammlung in diesem Jahrhundert erst zweimal stattgefunden – im August 2001 auf Einladung von Johannes Paul II. (1978–2005) und im Februar 2014 auf Einladung von Papst Franziskus (2013–2025). Zum Ende des Treffens Anfang Januar kündigte Leo XIV. an, die Beratungen der Kardinäle bei einem weiteren Treffen Ende Juni fortzusetzen. (stz)