Kardinal Zen: Synodaler Prozess beleidigt Würde der Bischöfe

Der chinesische Kardinal Joseph Zen (93) hat beim außerordentlichen Konsistorium scharfe Kritik am vom Papst Franziskus (2013–2025) initiierten synodalen Prozess geübt. In einem Redebreitrag, den die Website "College of Cardinals Report" am Freitag veröffentlichte, sprach der emeritierte Bischof von Hongkong von einer "eisenharten Manipulation" des Prozesses, die eine "Beleidigung der Würde der Bischöfe" sei. Den ständigen Verweis auf den Heiligen Geist bezeichnete er als "lächerlich und fast blasphemisch". Zen äußerte sich demnach bei einer von zwei freien Diskussionsrunden während der Kardinalsversammlung, die vergangenen Mittwoch und Donnerstag im Vatikan stattfand.
Zen bezog sich insbesondere auf die begleitende Note von Papst Franziskus zum Abschlussdokument der Weltsynode, das am Ende der Zweiten Sitzungsperiode im Herbst 2024 verabschiedet wurde. Franziskus sage, so der Kardinal, dass er mit dem Schlussdokument der Kirche das zurückgebe, was in diesen Jahren durch Hören und Unterscheidung entstanden sei. "Ich frage: Ist es dem Papst gelungen, dem ganzen Volk Gottes zuzuhören? Repräsentieren die anwesenden Laien das Volk Gottes?" Zudem bezweifelte Zen, ob die teilnehmenden Bischöfe in der Lage waren, eine Unterscheidungsarbeit vorzunehmen.
Mehrdeutigkeiten?
Zudem sieht Zen Unstimmigkeiten und "viele mehrdeutige und tendenziöse Formulierungen" im Schlussdokument und in der begleitenden Note: Ersteres sei zwar als Teil des Lehramtes deklariert worden, wolle aber keine Normen festlegen. Dazu sei die Rede davon, dass jede Region Lösungen suchen könne, die besser zu ihrer Kultur passen und auf ihre Bedürfnisse eingingen, obwohl das Dokument die Einheit von Lehre und Praxis betone. "Garantiert der Heilige Geist, dass es nicht zu widersprüchlichen Auslegungen kommt?", fragt Zen.
In seinen Abschlussbemerkungen bezichtigte Zen Papst Franziskus, das Wort "Synode" instrumentalisiert zu haben. "Aber die Bischofssynode – eine von Paul VI. geschaffene Institution – hat er verschwinden lassen." Die Bischöfe der orthodoxen Kirche etwa würden die "bergoglianische Synodalität" niemals akzeptieren, da für diese Synodalität "die zentrale Bedeutung der Bischofssynode" sei.
Zen war unter den 170 Kardinälen, die vergangene Woche mit Papst Leo XIV. über zentrale Zukunftsfragen der Kirche beraten haben, darunter das Thema Synodalität. Am Mittwoch war er vom Pontifex in Privataudienz empfangen worden. Zen galt während der Amtszeit von Papst Franziskus als einer der schärfsten Kritiker des Kirchenoberhaupts im Kardinalskollegium. (mal)