Mertes: Synodaler Weg hat auch Positives bewirkt
Wer den deutschen Synodalen Weg schlicht als gescheitert bezeichnet, verweigert sich laut Klaus Mertes einer differenzierten Betrachtung. Es lohne ein Blick auf das, was der Synodale Weg positiv bewirkt habe, schreibt der Jesuit und Publizist im Internetportal "Sinn und Gesellschaft" des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen. "Selbst wenn er vor den selbstgestellten Zielen versagt hat, so geht er doch als Prozess und mit seinen Ergebnissen in einen weltweiten Veränderungsprozess ein, in dem viele Tabus aufgebrochen wurden."
Mertes erläutert, das habe "eine fundamentale, befreiende Bedeutung" auch für die Präventionsarbeit: "Sprache ist da. Sprechen in möglich geworden. Der Geist, der aus der Flasche ist, wird nicht mehr in sie zurückkehren." Dazu habe der Synodale Weg beigetragen. So benötige eine differenzierte Bilanz des Synodalen Weges ein Eingehen auf die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Reform kirchlicher Strukturen.
Prävention verbessert
Der Theologe schreibt weiter, die MHG-Studie habe von "begünstigenden", nicht von "verursachenden" Strukturen gesprochen. Dieser Unterschied bewahre vor Illusionen: "Denn das Präventionsdilemma gilt auch für die Prävention von sexualisierter Gewalt: Wenn der eine begünstigende Faktor abgeschafft wird, erhebt an anderer Stelle ein neuer begünstigender Faktor sein Haupt. Missbrauch findet in jedem System Ritzen." In den unterschiedlichsten kirchlichen Institutionen hätten Kulturveränderungen stattgefunden und es gebe vor Ort eine verbesserte Präventionsarbeit.
Mertes hatte im Jahr 2010 als damaliger Schulleiter des Canisius-Kollegs in Berlin mit einem Brief an ehemalige Schüler den Missbrauchsskandal innerhalb kirchlicher Einrichtungen öffentlich gemacht. Seitdem setzt er sich für Anerkennungsleistungen für Betroffene, Prävention und Aufarbeitung ein.
Der Synodale Weg wurde 2019 unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals ins Leben gerufen. Deutsche Bischöfe und Laienvertreter beraten in dem Reformprozess über die Zukunft der katholischen Kirche. In der Debatte ging es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Vom 29. bis 31. Januar zieht nun die sechste und letzte Synodalversammlung in Stuttgart Bilanz. Im Fokus steht eine Evaluation des Reformprojekts. (KNA)
