Pfarrei ohne leitenden Pfarrer: Testmodell im Bistum Dresden-Meißen
In einem Modellprojekt startet das Bistum Dresden-Meißen die Führung einer Pfarrei ohne einen leitenden Pfarrer vor Ort. Testweise soll in der Pfarrei Schleiz für fünf Jahre ein hauptamtlicher Diakon oder ein hauptamtlicher Gemeindereferent zum sogenannten Pfarrbeauftragten ernannt werden, teilte das Bistum mit. Das Testprojekt des "ergänzenden Leitungsmodells" soll demnach am 1. April starten.
Der Pfarrbeauftragte erfülle dabei die Rolle des Vorgesetzten des pastoralen Personals vor Ort. Er solle künftig unter anderem jährliche Mitarbeitergespräche führen, den Urlaub genehmigen und Vereinbarungen über die pastoralen Aufgaben treffen. Auch solle er seelsorgerliche Arbeit übernehmen. Die Leitung der Pfarrei übe der Pfarrbeauftragte zusammen mit einem moderierenden Priester, der mit den Rechten und Pflichten eines Pfarrers ausgestattet ist, sowie einer sogenannten Steuerungsgruppe aus ehrenamtlich Engagierten aus.
Weniger Priester, größere Pfarreien
Das Modell startet vor dem Hintergrund sich ändernder Rahmenbedingungen für die Leitung von Pfarreien. "Die Anzahl der Pfarreien wurde reduziert, die territorialen Zuschnitte vergrößert, die Teams aus Hauptamtlichen erweitert, die Verwaltungsaufgaben sind komplexer geworden", schreibt das Bistum in einem Statut zu dem neuen Leitungsmodell. "Gleichzeitig sinkt die Zahl der Priester kontinuierlich und die Schaffung größerer und heterogener Pfarreien erfordert Anforderungen an neue und umfangreichere Leitungstätigkeit."
Bereits vergangenes Jahr sei das Statut zu einem neuen Leitungsmodell ausgearbeitet worden, so das Bistum. Nicht alle freiwerdenden Stellen in den 37 Pfarreien könnten nachbesetzt werden, weshalb Leitungen von Pfarreien gesichert werden müssten, auch wenn kein leitender Pfarrer mehr vor Ort sein könne. "Vor dieser Aufgabe stehen im Grunde alle Bistümer", hieß es. (KNA)
