"Gespräch im Geist" zwei Mal auf Tagesordnung

Neue Gesprächsform – Synodaler Weg trifft auf Weltsynode

Veröffentlicht am 30.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Kein klassisches Diskussionsformat: Das sogenannte "Gespräch im Geist", welches bei der Weltsynode erprobt wurde, hat nun Eingang bei der sechsten und letzten Synodalversammlung gefunden. Katholisch.de erklärt die Methode.

  • Teilen:

Ein Hauch von Weltsynode bei der letzten Synodalversammlung in Stuttgart: Die Methode "Conversatio in Spiritu", eine geistliche Form des Austauschs, wurde bereits bei der 2021 von Papst Franziskus einberufenen Synode zur Synodalität, der Weltsynode, erprobt und galt bei der Weltsynode als zentrales Instrument synodaler Beratungen. Der Synodale Ausschuss hatte die Methode als Beitrag zur neuen synodalen Kultur bereits diskutiert. Eingang gefunden hat sie nun auch bei der letzten Synodalversammlung – als eigenständiger Punkt auf der Tagesordnung: Am Donnerstag mit einem Rückblick auf den bisherigen Synodalen Weg und am Freitag mit einem Ausblick. 

Bei der Auftakt-Pressekonferenz verwies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, auf den weltkirchlichen Prozess und dessen Methodik, an dem man sich orientiere. "Wir wollen uns mit dem weltkirchlichen Weg verbinden", sagte er am Donnerstag. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erklärte, die neue Gesprächsform trage zu einer Erweiterung des Horizonts bei. Rund 28 eigens geschulte Facilitatorinnen und Facilitatoren leiteten dazu Kleingruppen mit jeweils acht Synodalen.

Doch was ist die "Conversatio in Spiritu" und worum geht es darin genau? Die (neue) Kommunikationsform des "Gesprächs im Geist" unterscheidet sich bewusst von klassischen Debatten- oder Diskussionsformaten. Ziel ist nicht der unmittelbare Austausch von Argumenten oder das Ringen um Mehrheiten, sondern ein gemeinsames Hören und Unterscheiden im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes. Sie zielt darauf ab, von einer Debattenkultur des "Für und Wider" zu einer Atmosphäre des gemeinsamen Unterscheidens und Zuhörens zu gelangen.

Bätzing lobte Gesprächsform in Rom

Damit greift der Synodale Weg eine wiederholt geäußerte Kritik aus dem Vatikan auf. Papst Franziskus (2013-2025) hatte nämlich mehrfach angemahnt, kirchliche Reformprozesse dürften nicht auf Struktur- und Machtfragen reduziert werden, sondern müssten geistlich fundiert sein. Ebenso sei Synodalität kein parlamentarisches Verfahren, sondern ein geistlicher Weg der Kirche. So jedenfalls die Linie Roms. Schon Bischof Bätzing hatte während der römischen Synode zur Synodalität die neue Form der Kommunikation gelobt: "Da sitzen nicht Kardinäle und Bischöfe dichtgedrängt wie im Vorlesungssaal und die Leitung präsidiert vorne auf einem Podest in langer Reihe." Diese neue Art der Kommunikation ermögliche eine neue Art des Miteinanders, sagte Bätzing damals, die dem "gemeinsamen Hören voneinander und aufeinander" diene. Sie produziere aber auch ein ganz neues Bild nach außen.  

Konkret setzt die Methode aber auf eine klare Struktur und feste Gesprächsregeln. Den gemeinsamen Beratungen geht eine persönliche Gebets- und Vorbereitungszeit voraus. In kleinen Gruppen teilen die Teilnehmenden anschließend, was sie im Gebet bewegt hat. In einer Gesprächsrunde hören die anderen ausschließlich zu, Diskussionen oder direkte Reaktionen sind nicht vorgesehen. Es folgen Phasen der Stille, in denen die Teilnehmenden wahrnehmen sollen, was innerlich angestoßen wurde. Erst in späteren Gesprächsrunden werden Resonanzen und gemeinsame Linien benannt. Ziel ist es, schrittweise zu erkennen, wo sich Übereinstimmungen, Spannungen oder neue Einsichten zeigen.  

Gegenakzent zu Polarisierung

Befürworter sehen in dieser Gesprächsform einen bewussten Gegenakzent zu Polarisierung und Lagerdenken. Sie soll helfen, unterschiedliche Positionen wahrzunehmen, ohne sie sofort gegeneinander auszuspielen, und die Aufmerksamkeit stärker auf geistliche Bewegungen als auf strategische Interessen zu lenken.  

Bischof Bätzing beim Synodalen Ausschuss
Bild: ©KNA/Angelika Zinzow

DBK-Vorsitzender Bischof Georg Bätzing hatte während der römischen Synode zur Synodalität die neue Form der Kommunikation gelobt.

Kritiker hingegen fragen, ob die starke Betonung des Geistlichen nicht auch dazu beitragen kann, Entscheidungen zu verzögern und Konflikte zu vertagen. Gerade bei strittigen Themen bestehe die Gefahr, dass ungelöste Spannungen spirituell überdeckt werden. Im November 2025 hatte Mara Klein bereits in einem Gespräch mit katholisch.de erklärt, dass der Synodale Weg bereits ähnliche Formate hatte, es aber noch Luft nach oben gebe. "In diesen Runden geht es darum, sehr konzentriert zuzuhören. Und das verändert dann den Ausgangspunkt der weiteren Gespräche in der Gruppe. Das funktioniert nicht für eine ganze Versammlung, aber für kleine Gruppen sehr gut", so Klein. 

Orientierung an Weltsynode

Auch Konstantin Bischoff, der die geistliche Leitung des Synodalen Ausschusses mit Schwester Katharina Kluitmann übernommen hatte, betonte, eine solche Methode sei in den wenigsten Fällen für Plenarversammlungen geeignet. Doch bei Grundsatzfragen in Kleingruppen helfe sie, Minderheiten oder fremde Positionen besser zu beachten.  

Unbestritten ist jedoch, dass die neue Gesprächsform eine deutliche Verschiebung der synodalen Gesprächskultur markiert. Statt schneller Beschlüsse steht ein langsamer, reflektierter Prozess im Vordergrund, der Zeit, Disziplin und Bereitschaft zur Selbstprüfung verlangt. Mit dieser Methode im Gepäck signalisiert der Synodale Weg, dass er sich – zumindest im Verfahren – stärker an den Vorgaben der Weltkirche orientieren will. Jedenfalls kommt man der vatikanischen Kritik nach, mehr als "nur" zu debattieren. Ob dies auch Auswirkungen auf Inhalte und Entscheidungen in der künftigen Synodalkonferenz haben wird, wird sich zeigen.  

Von Mario Trifunovic