Standpunkt

Kampf um Erhalt der Demokratie: Keine Angst vor heiklen Diskussionen

Veröffentlicht am 26.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Claudia Pfrang – Lesedauer: 

Bonn ‐ Wenn in der großen Politik nur noch das Recht des Stärkeren gilt, gewinnt die lokale Ebene an Bedeutung, meint Claudia Pfrang. Hier gelte es besonders für Christen, auf Menschen mit anderer Meinung zuzugehen.

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Derzeit beherrscht die "große Politik" die Schlagzeilen. Dass das Recht des Stärkeren zunehmend Rechtsordnungen, Völkerrecht und Grundlagen unserer liberalen Demokratie ersetzt, ist wahrlich Grund zur Sorge.

Doch es darf nicht aus dem Blick geraten, dass Politik vor Ort maßgeblich kommunal, regional, landesweit gestaltet wird und es vielfältige Möglichkeiten gibt mitzuwirken. Doch auch hier stellen wir immer mehr Polarisierungen fest. Es besteht Anlass zur Beunruhigung: Angst und Ressentiments in der Bevölkerung nehmen zu, das Unsicherheitsgefühl vieler Menschen wird bewusst von rechts instrumentalisiert. Angesichts bald anstehender Neuwahlen in vielen Kommunen – wie etwa in Bayern – und landesweit besteht dringender Handlungsbedarf. Dort entscheidet sich, in welche Richtung Gemeinwesen lokal und regional gestaltet wird. Gleichzeitig wissen wir: Die Chance, kontroverse Gespräche fair auszutragen, ist im direkten Kontakt am größten.

Konflikte, so der Soziologe Stephan Mau, gehören grundsätzlich zur Demokratie und zu Prozessen des sozialen Wandels. Sie werden aber immer dann gefährlich, wenn sie nicht behandelt und befriedet werden. Dann sind sie so etwas wie "soziale Entzündungsherde". Um zu neuen Praktiken des Zusammenlebens und der Verbundenheit zu kommen, braucht es eine ganze Bandbreite an Akteuren, an "Scharnieren des gruppenübergreifenden Austausches".

Dies wird nicht funktionieren ohne Menschen, die den ersten Schritt auf andere zugehen, nicht ohne offenes Interesse und kreative Ideen, die Menschen wieder zusammenbringen. Genau hier kann erfahrbar werden, wofür Christinnen und Christen stehen: nicht immer zuerst an sich zu denken, sondern sich dem Nächsten zuzuwenden und Verbindungen zu schaffen. Konkret heißt das, auch für Pfarrgemeinden: Die eigene Komfortzone zu verlassen, keine Angst vor heiklen Diskussionen zu haben und sich ihnen – auch in den eigenen Reihen – nicht zu entziehen. Räume aufzumachen für Kontroversen und Verständigung, aber auch klare Kante zu zeigen, wo Menschenwürde und Freiheit verletzt werden. Dadurch unterstützen wir als Christen Verantwortliche in der Politik, die sich für den Gemeinsinn stark machen und für unsere Demokratie kämpfen.

Von Claudia Pfrang

Die Autorin

Claudia Pfrang ist promovierte Pastoraltheologin und Direktorin der Domberg-Akademie der Erzdiözese München und Freising.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.