Polarisierung unter den Bischöfen "belastend"

Absage und Kritik – Synodaler Weg ohne Kardinal Woelki

Veröffentlicht am 27.01.2026 um 09:07 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Eine theologische Klärung zum Synodalen Weg sei dringend notwendig, meint Kardinal Woelki. Die Entscheidungen der Kirche habe letztlich der Bischof als Hirte zu treffen – und kein gewähltes Gremium.

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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat den Synodalen Weg kritisiert und sein Fernbleiben von der bevorstehenden sechsten Versammlung ab Donnerstag in Stuttgart begründet. "Für mich ist der Synodale Weg abgeschlossen", sagte er im Interview des kirchlichen Portals "domradio.de". Ursprünglich seien fünf Sitzungen vereinbart worden; "und an diesen habe ich auch teilgenommen". Eine theologische Klärung des seit 2019 laufenden Projekts sei dringend notwendig, mahnte Woelki – und ergänzte: "Ich bin wirklich davon überzeugt, dass alle Beteiligten – auch die des Synodalen Weges – letztlich das Gute für die Kirche wollen." Doch der Weg dorthin werde unterschiedlich gesehen.

Zum Verständnis von Synodalität sagte der Kardinal, man könne nicht über alles ergebnisoffen diskutieren. "Um einmal ein bewusst abwegiges Beispiel zu nennen: Wir können nicht darüber abstimmen, ob Jesus von den Toten auferstanden ist." Er habe den Eindruck, "dass es auf dem Synodalen Weg in Deutschland ab einem bestimmten Punkt vor allem darum ging, bestimmte kirchenpolitische Positionen umzusetzen".

Es gebe "grundlegend unterschiedliche Auffassungen davon, was Synodalität bedeutet", fügte Woelki hinzu. Der verstorbene Papst Franziskus wie auch sein Nachfolger Leo XIV. betonten "immer wieder, dass Synodalität ein geistliches Geschehen ist, ein Werkzeug zur Evangelisierung". Synodalität ohne Evangelisierung sei nach diesem Verständnis "gar nicht denkbar". Die Synodalversammlung, so der Kölner Kardinal, habe auch "gar nicht den Auftrag zu evaluieren, was ein einzelner Ortsbischof oder eine einzelne Diözese von den Beschlüssen des Synodalen Weges umgesetzt hat oder nicht". Synodalität heiße für ihn: "gut aufeinander hören; jeder kann seine Sicht einbringen. Und vor allem: gemeinsam auf das hören, was der Heilige Geist uns sagt, gemeinsam beraten und unterscheiden."

Entscheidung trifft der Bischof

Die Entscheidung treffe aber am Ende "derjenige, der das Amt dafür übertragen bekommen hat", betonte der Kölner Erzbischof. In der katholischen Kirche habe der Bischof für sein Bistum "in letzter Instanz eine Entscheidungsgewalt, die ihm von Christus selbst übertragen ist". Er, Woelki, habe sich seinen Weiheversprechen gegenüber zu verantworten: "Ich habe versprochen, den Glauben der Kirche zu schützen und in Einheit mit dem Papst den Weg in meiner Diözese zu gehen. Das möchte ich auch in Zukunft für mich in Anspruch nehmen." Insofern, so führt der Kardinal aus, tue er sich "schwer mit dem Gedanken, Teil eines Gremiums zu sein, in dem 27 Diözesanbischöfe, 27 Mitglieder des ZdK und weitere 27 Mitglieder, die noch gewählt werden müssen, gemeinsam beraten und entscheiden". Und darum gehe es ja letztlich – "auch wenn versucht wird, dies mit anderen Worten zu umschreiben".

Die derzeitige Polarisierung in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nannte der Kölner Kardinal belastend und sagte: "Die Spannungen bedrücken mich, weil ich niemandem unterstellen möchte, nicht das Gute zu wollen." Entscheidend sei, im Gespräch zu bleiben. Als gemeinsame Basis definiert Woelki: "Glaube und Lehre der Kirche, die Einheit mit dem Papst und das Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils" (1962–1965).

Zur politischen Weltlage sagte der Kardinal: "Wo wieder das Recht des Stärkeren gilt, verrohen Gesellschaft und Sitten. Die Würde des Menschen wird verletzt, Persönlichkeitsrechte werden missachtet. Das führt zu einer entmenschlichten Gesellschaft (...)". Nötig sei, sich wieder wieder auf eine gemeinsame Wertebasis zu verständigen: "Dialog statt Gewalt, Verlässlichkeit, Schutz der Schwachen, Solidarität und Gerechtigkeit". (KNA)