99-jähriger Organist: Fit dank Bach, Latein und Kreuzworträtseln
Gianfranco Ferrara (99), einer der dienstältesten Organisten weltweit, verehrt deutsche Musik. "Bach ist meine größte Liebe, Deutschland das musikalischste Land der Welt", sagte Ferrara der italienischen Tageszeitung "Corriere del Veneto". Johann Sebastian Bach (1685–1750) sei für ihn nicht nur ein Komponist, sondern spirituelle Heimat, so der Norditaliener, der seit über 50 Jahren jeden Sonntag in San Nicolò in Treviso (Region Venetien) die Orgel spielt.
"Mein Vater nahm mich mit drei Jahren mit in die Mailänder Oper, mit acht begann ich mit Geige, dann Klavier, und studierte Bachs erste Präludien. Schließlich kam die Orgel dazu." Später studierte er Klassische Philologie und unterrichtete fast 40 Jahre lang Italienisch, Griechisch, Latein und Geschichte.
Seinem 100. Geburtstag am 15. Dezember sieht Ferrara gelassen entgegen. "Ich denke nicht an die ferne Zukunft, sondern an die nahe." Sein Fitnessprogramm: Musik, Latein und Kreuzworträtsel – jeden Tag. "Wenn es nicht regnet, gehe ich zum Frühstück in die Bar und lese die Zeitung." Zu Hause besitze er zwei Orgeln, ein Klavier aus dem 19. Jahrhundert und ein Clavichord, das seine Frau zusammengebaut hatte. "Ich lese viel, auch Latein: Ich genieße Tacitus und Livius." Weiteres Lebenselixier für Ferrara: seine drei Kinder, neun Enkel und neun Urenkel. "Ich bin umgeben von der Liebe meiner Familie." (KNA)
