Zwei Mitglieder der Synodalversammlung erzählen

Synodaler Weg an der Basis: Kulturwandel und "viel Übersetzungsarbeit"

Veröffentlicht am 28.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die letzte Synodalversammlung steht an – und mit ihr eine Bilanz. Wie kam der Synodale Weg an der Basis an? Und was hat er vor Ort verändert? Zwei Synodale aus der gemeindlichen Praxis berichten über ihre Erfahrungen.

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Als der Prozess noch in vollem Gange war und auf den Synodalversammlungen heftig um die Texte gerungen wurde, sei sie noch öfter herumgereist, sagt Michaela Labudda: hier ein Vortrag beim Priesterrat einer Diözese, dort einer bei einem Ortsverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Damals sei das Interesse sehr groß gewesen. Das habe sich inzwischen zwar gelegt. "Aber der Begriff Synodaler Weg löst weiterhin verschiedene Emotionen aus, das merkt man immer noch."

Labudda, früher Gemeindereferentin und inzwischen Referentin für das Dekanat Hellweg im Erzbistum Paderborn, ist eins von rund 215 Mitgliedern der Synodalversammlung, die von Donnerstag an in Stuttgart zusammenkommen. Nach sechs Jahren Prozess soll eine (vorläufige) Bilanz gezogen werden: Was hat der Synodale Weg an Konkretem erreicht? Mancher stellt in diesem Zusammenhang auch die Frage, was vom Synodalen Weg an der Basis angekommen – und ob diese überhaupt mitgenommen worden ist. Denn immer wieder hatte der Prozess mit dem Vorwurf zu kämpfen, er und seine Themen spielten im breiten Kirchenvolk nur eine geringe Rolle und werde eher mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. Was können zwei Synodale, die an der pastoralen Basis arbeiten, aus ihren eigenen Erfahrungen dazu sagen?

Wurde die Basis mitgenommen?

"Es ist nicht mehr so, dass die Leute noch großartig nachfragen: Was macht ihr denn da beim Synodalen Weg?", führt Labudda weiter aus. Doch die Inhalte interessierten weiterhin: "Wie nehme ich meine Taufberufung wahr? Wie kann man Leitung teilen? Wie hört man aufeinander? Was ist mit dem Einfluss der Frauen? Das sind alles Themen, die durchaus eine Rolle spielen, weil sie den Alltag der Gemeinden akut betreffen."

Werner Otto ist Pfarrer von Sankt Bonifatius in Frankfurt am Main und nahm für den Priesterrat des Bistums Limburg an den Synodalversammlungen teil. Auch er widerspricht der These, der Synodale Weg spiele für die Gläubigen an der Basis kaum eine Rolle. Er nimmt nach wie vor viel Interesse wahr – wenn auch nicht bei allen Gläubigen in seiner Gemeinde. "Immer wenn ich einen Vortrag zum Synodalen Weg halte, kommen über 60 Leute", betont Otto.

Michaela Labudda
Bild: ©Bonifatius Verlag (Archivbild)

Michael Labudda ist Dekanatsreferentin im Erzbistum Paderborn.

Inhaltlich nimmt Otto in seinen Gemeinden eine überwiegend positive Grundhaltung wahr. "Die übergroße Mehrheit nimmt die Beschlüsse mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis", sagt er. Besonders groß sei die Resonanz auf den Beschluss zu Segensfeiern gewesen, der nicht nur gleichgeschlechtliche Paare, sondern auch Menschen betrifft, die ein zweites Mail zivil verheiratet sind. Und als er in einem Gottesdienst über die geplante Einrichtung der Synodalkonferenz auf Bundesebene gesprochen habe, habe es sogar spontanen Applaus gegeben.

Nichtsdestotrotz erleben Otto und Labudda an der Basis eine große Spannbreite an Haltungen. Sie reicht von Menschen, die Sorge haben, der Synodale Weg würde das Katholische zerstören, über jene, die erleichtert feststellten, dass "nicht alles so schlimm gekommen ist wie befürchtet" – bis hin zu jenen, die die Reformforderungen des Synodalen Weg als unzureichend wahrnähmen, beschreibt Labudda das Spektrum. Eine große Gruppe aber sei grundsätzlich offen für Veränderungen, solange diese behutsam umgesetzt würden.

Werben für kleine Schritte

Wenn jemand kritisiert habe, der Synodale Weg würde zu weit gehen oder die Weltkirche auseinanderreißen, habe sie versucht, ihre Sicht der Dinge deutlich zu machen, so Labudda. "Am Anfang ging es eher darum, Dinge provokant auf den Punkt zu bringen, damit sie überhaupt besprechbar sind." Hier habe sich ihr Ansatz verändert: "Nun, da es darum geht, Beschlüsse umzusetzen, handelt es sich eher um ein Werben für die kleinen Schritte, die möglich sind."

Unterdessen erklärt Werner Otto, dass er schon sehr viele spannende und bereichernde Gespräche mit Kritikern des Synodalen Wegs geführt habe. Eine Grenze ist für ihn erreicht, wenn behauptet wird, der Synodale Weg habe die Kirche in Deutschland gespalten oder ein Schisma mit Rom erzeugt. "Das ist unsachlicher Unfug und hilft überhaupt nicht weiter." Michaela Labudda stimmt zu: Unterschiedliche Frömmigkeitsstile und kirchliche Haltungen habe es immer gegeben – es sei immer gelungen, das zusammenzubringen. "Der Synodale Weg hat manches vielleicht noch deutlicher offengelegt. Aber er hat keine Spaltung herbeigeführt."

Pfarrer Werner Otto
Bild: ©Nicolas Rose/Sankt Bonifatius Frankfurt (Archivbild)

Werner Otto ist Pfarrer von Sankt Bonifatius in Frankfurt am Main.

Insgesamt sprechen beide von einem gewissen Kulturwandel durch den Synodalen Weg. So seien etwa manche Texte – wie etwa der zu einer Neubewertung von Homosexualität – geeignet, "Ansätze von Versöhnung" bei Menschen zu schaffen, die sich durch die bisherige Haltung der Kirche verletzt fühlten, sagt Otto. Die systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt seien zwar nicht beseitigt, aber wirksam bearbeitet worden.

Ein wichtiger Effekt des Reformprozesses zeigt sich für Labudda allerdings im veränderten Umgang mit Macht, gerade an der Basis. "Menschen sind sehr sensibel geworden, was Machtfragen angeht", sagt sie. Gläubige nutzten heute deutlich selbstverständlicher Beschwerdestellen und hätten eine neue Sprachfähigkeit für Machtmissbrauch und Grenzverletzungen entwickelt. Auch Otto sieht im Synodalen Weg eine kritische Neubewertung kirchlicher Machtstrukturen. Er hat ihn in der Wahrnehmung bestärkt, dass das kirchliche Amt mit zu großer Machtfülle ausgestattet sei. "Wenn Macht nicht kontrolliert und begrenzt wird, besteht die Gefahr des Missbrauchs."

Mehr Dringlichkeit

Gleichzeitig sei vor Ort noch viel Übersetzungsarbeit notwendig – gerade auch, weil die Dinglichkeit mancher Themen inzwischen eine andere ist. Das Erzbistum Paderborn, wo Michaela Labudda tätig ist, steckt gerade mitten in einem Strukturprozess. "Da verschränken sich diese Themen unglaublich." Wenn es keine Priester mehr in den Gemeinden gebe, müssten sich die Laien anders einbringen dürfen, und die Gemeinden die priesterlichen Dienste eben anders verteilen. Sprich, Menschen beauftragen und befähigen. Sie begleitet auch Pfarreiräte, die immer mehr lernen müssten, "die Verantwortung für ihren Glauben selbst in die Hand zu nehmen". Eine Haltungsänderung zu fördern – darin sieht sie ihre Hauptaufgabe an der Basis.

Vieles hat der Synodale Weg jedoch nicht einlösen können. "Ich seufze weiter mit vielen Frauen, wenn es um die Frage nach einem gleichberechtigten Miteinander in der Kirche geht“, sagt Labudda. Hier seien schon die Beschlüsse zu halbherzig und die Umsetzung kaum spürbar. Viele Frauen hätten deshalb die Kirche verlassen. Gleichzeitig nimmt sie wahr, dass es zunehmend Frauen in Leitungsverantwortung gibt. Sie selbst habe sich mir der Methode der "kleinen Schritte" versöhnt. Diese müsse man gehen, wenn man die ganze Kirche mitnehmen wolle. Damit könnten sich auch viele Gläubige identifizieren, ergänzt Werner Otto: "Unter den Skandalen der Kirche haben auch die Menschen an der Basis zu leiden." Oft würden sie in ihrem Bekanntenkreis auf ihre Kirchenmitgliedschaft angesprochen: "Deshalb sind die Menschen einfach froh, wenn sie erfahren, dass sich in der Kirche etwas ändert." An der Basis, darin sind sich beide einig, ist davon zumindest teilweise bereits etwas spürbar.

Von Matthias Altmann