Herrgottskinder – Die Elternkolumne

Fastenzeit: Papa, was bringt es, auf Süßigkeiten zu verzichten?

Veröffentlicht am 09.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin ‐ Aschermittwoch, Fastenzeit, große Fragen: Im Gespräch mit seinen beiden Töchtern entdeckt Steffen Zimmermann den Sinn des vorösterlichen Verzichts neu – weniger als Regelwerk, mehr als Übung in Aufmerksamkeit.

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In der kommenden Woche beginnt die Fastenzeit – 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern. Eine Zeit, die selbst für Erwachsene anspruchsvoll sein kann. Für Kinder gilt das erst recht. Und doch habe ich in diesem Jahr gemerkt, dass gerade der Versuch, meinen beiden Töchtern den Sinn dieser Wochen zu erklären, meinen eigenen Blick auf das Fasten noch einmal verändert hat.

In den vergangenen Tagen haben wir beim Abendessen darüber gesprochen, was Fasten eigentlich bedeutet. Schnell kamen Fragen auf, die so einfach wie grundlegend waren: Warum sollen wir auf Süßigkeiten verzichten? Was bringt das? Und wer entscheidet eigentlich, worauf man verzichtet? Es sind Fragen, die Erwachsene oft mit frommen Floskeln beantworten – und die doch gar nicht so leicht ehrlich zu beantworten sind.

Fasten nicht als Strafe, sondern als Übung

Ich habe versucht zu erklären, dass Fasten nicht Strafe ist, sondern eine Übung. Eine Zeit, in der man merkt, was einem wirklich wichtig ist. Dass der Verzicht auf Schokolade oder Fernsehen kein Selbstzweck ist, sondern helfen kann, aufmerksam zu werden: für sich selbst, für andere, für Gott. Und dass es nicht darum geht, besonders streng zu sein, sondern bewusster zu leben.

Natürlich stößt man dabei schnell an Grenzen. Für ein fünfjähriges Kind ist die Vorstellung, "auf Gott hin" zu verzichten, abstrakt. Gleichzeitig haben Kinder ein feines Gespür dafür, ob etwas ernst gemeint ist. Also habe ich meinen Töchtern nichts vorgeschrieben, sondern sie eingeladen, selbst zu überlegen: Gibt es etwas, auf das ihr in den nächsten Wochen verzichten möchtet? Oder etwas, das ihr anders machen wollt?

Die Gedanken arbeiten offenbar weiter

Seitdem arbeiten die Gedanken offenbar weiter. Mal geht es um Süßigkeiten, mal um Streit, mal um das ständige Unterbrechen beim Reden. Ich bin gespannt, wofür sie sich entscheiden werden – und was diese Entscheidung mit ihnen macht. Vielleicht wird der Verzicht klein ausfallen. Vielleicht auch nicht konsequent durchgehalten. Aber vielleicht ist genau das der Kern: dass Fasten nicht Perfektion verlangt, sondern Aufmerksamkeit.

Für mich liegt darin eine wichtige Lektion. Kinder erinnern uns daran, dass christliche Praxis nicht zuerst aus Regeln besteht, sondern aus Beziehung. Aus Fragen. Aus gemeinsamen Versuchen. Die Fastenzeit wird bei uns sicher nicht still und asketisch verlaufen. Aber vielleicht wird sie ehrlicher. Und das wäre schon viel.

Von Steffen Zimmermann