Das "Christentum" der AfD – ausschließend und ethnonationalistisch
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Im Jahr 2026 stehen fünf Landtagswahlen an. Das erste Bundesland ist Anfang März Baden-Württemberg. Die AfD liegt laut aktueller Umfrage bei 20 Prozent. Das ist nicht so katastrophal wie in Sachsen-Anhalt, aber schlimm genug. Es gibt zahlreiche gute Gründe, diese Partei nicht zu wählen und, wo immer möglich, vor ihr zu warnen. Beide großen Kirchen tun das und die aktuelle Bestätigung des Vatikans zum Ausschluss eines AfD-Abgeordneten aus einem Kirchenverwaltungsrat ist ein hilfreiches Signal. Und doch reicht all das nicht. Es gibt AfD-Wähler*innen, die sich selbst als aktive Christ*innen bezeichnen und es gibt liberale, wie auch konservative Gläubige, die sich deshalb große Sorgen machen. Sie fragen sich: Was kann ich tun? Wie kann ich argumentieren?
Eine Möglichkeit wäre, sich mit dem Abschnitt IV. 5. des Programms der AfD Baden-Württemberg zu "Christliche Kirchen" zu befassen und dies in kirchlichen Gremien, Gruppen und bei sonstigen Kontakten zur Diskussion zu stellen. Zitat:"Wir kritisieren die Amtskirchen dafür, aus dem Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" faktisch ein "Liebe deinen Fernsten, aber nicht deinen Nächsten, und vor allem nicht dich selbst" gemacht zu haben." Das erinnert an einer Äußerung von J.D. Vance im Sinne einer gottgewollten Hierarchie der Nächstenliebe. Papst Franziskus und Papst Leo haben dies deutlich kritisiert. Man muss weder Papst noch Theolog*in sein, um in solchen Aussagen einen fundamentalen Widerspruch zum Evangelium zu erkennen. Es reicht, an die zentrale Aussage der Geschichte vom barmherzigen Samariter zu denken: "Sei du der Nächste für die Person, die dich jetzt gerade braucht!"
An der "Renaissance des Christlichen" will die AfD mitarbeiten, so steht es ebenfalls im Programm. Die Kirchen werden als "sozialunternehmerische Finanzprofiteure der Migration" bezeichnet und aufgefordert, ihre "willkürliche und unverständige Verachtung gegenüber der AfD zu überwinden".
Die AfD ist eine von mehreren Stimmen, die ein "anderes Christentum" im Sinne einer ethnonationalistischen Gesellschaftsordnung anstreben. Wer verstehen will, worum es dabei geht, dem seien zwei aktuelle, offen zugängliche Beiträge zur Lektüre empfohlen: von Claudia Nothelle-Wildfeuer zu "christlich-sozialethischen Argumenten gegen Rechtspopulismus" im "Anzeiger für die Seelsorge" und von Matthis Glatzel zu "Topoi des 'rechten Christentums'" in der "Zeitschrift für Pastoraltheologie".
Die Autorin
Regina Nagel ist Religionspädagogin, Wirtschaftspsychologin und Autorin. Sie studiert derzeit Geschichte Europas an der FernUniversität Hagen und engagiert sich bei den Omas gegen Rechts Deutschland e.V.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
