Erzbischof Coakley ruft zu "Heiliger Stunde des Friedens" auf
Der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Paul Coakley, hat in Anbetracht der Unruhen in Minneapolis zu einer "Heiligen Stunde des Friedens" aufgerufen. "Das gegenwärtige Klima der Angst und Polarisierung, das gedeiht, wenn die Menschenwürde missachtet wird, entspricht nicht dem Maßstab, den Christus im Evangelium gesetzt hat", sagte der Erzbischof von Oklahoma City am Mittwoch in einer Erklärung.
Darin verweist er auf die Todesfälle zweier amerikanischer Staatsbürger, Renee Nicole Good und Alex Pretti, in Minneapolis, die von Beamten des US-Heimatschutzministeriums getötet wurden. Ebenso nimmt er Bezug auf die Tötung eines inhaftierten kubanischen Mannes, Geraldo Lunas Campos, in Texas, dessen Tod in einer Einwanderungshaftanstalt als Mord eingestuft wurde. Diese drei Todesfälle seien "nur einige der tragischen Beispiele für die Gewalt, die das Versagen unserer Gesellschaft im Umgang mit der Würde jedes einzelnen Menschenlebens offenbart", sagte Coakley. "Wir trauern um diese Opfer und verurteilen die damit einhergehende Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit."
Um diesem "Klima der Angst und Polarisierung" entgegenzuwirken, rief er seine Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt dazu auf, die "Heilige Stunde für den Frieden" als "einen Moment der Erneuerung für unsere Herzen und für unsere Nation" zu begehen. "Lasst uns für Versöhnung beten, wo Spaltung herrscht, für Gerechtigkeit, wo Grundrechte verletzt werden, und für Trost für alle, die von Angst oder Verlust überwältigt sind."
Parolin bezeichnet die Situation als "inakzeptabel"
Eine "Heilige Stunde" (Hora Sancta) ist eine Andachtsform, bei der Gläubige etwa eine Stunde lang im Gebet wachen, in Erinnerung an Jesu Todesangst in Gethsemane. Sie dient vor allem der eucharistischen Anbetung, dem Gedenken an die Passion und dem Gebet für den Frieden.
Coakley hatte sich bereits am vergangenen Sonntag, einen Tag nach Prettis Tod, mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Darin sprach er dessen Tod jedoch nicht explizit an. Der Erzbischof schloss sich den Worten des Papstes im Angelusgebet an und rief auf zu einem "Gebet zur Ruhe, Zurückhaltung und Respekt vor dem menschlichen Leben in Minneapolis und an allen Orten, an denen der Frieden bedroht ist". Schon damals hatte er das Vorgehen der Behörden kritisiert, deren Aufgabe der Schutz des Gemeinwohls und der Menschenleben sei.
Auch der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bezeichnete die Situation in Minneapolis als "inakzeptabel". "Die Position des Heiligen Stuhls ist es natürlich immer, jede Art von Gewalt zu vermeiden. Wir können solche Episoden nicht akzeptieren", sagte er am Mittwoch. Schwierigkeiten und Widersprüche müssten auf andere Weise gelöst werden. Damit schloss er sich den Appellen der Bischöfe in den USA an, die wegen der angespannten Lage in Minnesota zur Mäßigung und Achtung des menschlichen Lebens aufgerufen hatten. (jlo)
