Overbeck: Synodalität ist kein Projekt mit Ablaufdatum
Trotz des Endes des Synodalen Weges sieht der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck in der Synodalität als "Ausdruck einer geistlichen Haltung" auch künftig ein zentrales Element des kirchlichen Selbstverständnisses. Dafür stehe die künftige Synodalkonferenz als dauerhaftes Gremium synodaler Beratung und Mitverantwortung in der Kirche in Deutschland, sagte Overbeck am Donnerstag laut einer Mitteilung seines Bistums. Der Bischof würdigte den Synodalen Weg als "konstruktiven Austausch", der aus der Krise des Missbrauchsskandals hervorgegangen sei und in der Synodalkonferenz nun seine Fortsetzung finde. "Synodalität ist kein Projekt mit Ablaufdatum", so Overbeck.
Dass der Synodale Ausschuss die Satzung für die Synodalkonferenz einstimmig verabschiedet habe, bezeichnete Overbeck als "Ergebnis, das nicht selbstverständlich war". Dieser Beschluss sei das Resultat eines "Prozesses vertrauensvollen Aushandelns" und markiere einen "strukturellen Entwicklungsschritt", der die synodale Kultur in der Kirche langfristig stärken solle. Zugleich warnte der Bischof jedoch vor überzogenen Erwartungen: "Es braucht Geduld, Realismus, Ernsthaftigkeit und Augenmaß", um die neuen Strukturen nun mit Inhalt zu füllen.
Synodaler Weg "Ausdruck gelebter katholischer Verantwortung"
Außerdem betonte Overbeck die Notwendigkeit, den Synodalen Weg in Deutschland mit der Weltkirche zu verbinden. Die in Deutschland diskutierten Themen – von Strukturreformen bis zu spirituellen Fragen – seien "keine isolierten Phänomene, sondern allesamt Themen der Weltkirche". Kritisch wies er zudem Vorwürfe zurück, der Synodale Weg stehe im Widerspruch zur kirchlichen Lehre: "Er sollte als Ausdruck gelebter katholischer Verantwortung verstanden werden – verbunden mit einem gemeinsamen, ehrlichen Ringen um die nächsten Schritte."
Der Synodale Weg war 2019 unter dem Eindruck des kirchlichen Missbrauchsskandals ins Leben gerufen worden. Deutsche Bischöfe und Laienvertreter berieten in dem Reformprozess über die Zukunft der katholischen Kirche. In der Debatte ging es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Bis Samstag zieht nun die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Wegs in Stuttgart eine Bilanz. Im Fokus steht dabei eine Evaluation des Reformprojekts. (stz)
