ZdK-Präsidentin über neue Synodalversammlung

"Ich habe schon den Eindruck, dass uns Leo XIV. auf dem Schirm hat"

Veröffentlicht am 01.02.2026 um 15:00 Uhr – Von Joachim Heinz (KNA) und Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ In Stuttgart endete jetzt die letzte Vollversammlung des Synodalen Weges. Nun richten sich die Blicke auf die Synodalkonferenz – und eine wichtige Wahl. Dazu äußert sich ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp im Interview.

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Nach dem Synodalen Weg ist vor der Synodalkonferenz. Ab November wollen die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ihre Beratungen zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland in einem neuen nationalen Gremium verstetigen. Im Interview erläutert ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, was es damit auf sich hat. Außerdem blickt sie auf die bevorstehende Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden.

Frage: Frau Stetter-Karp, bei der letzten Vollversammlung des Synodalen Weges beklagten sich Teilnehmer über eine als zäh empfundene Kommunikation mit dem Vatikan. Das Präsidium des Synodalen Weges hat sich im Verlauf des Reformdialogs schriftlich an Rom gewandt. Gab es darauf ein Echo?

Stetter-Karp: Es waren mehrere Briefe. Wir haben unter anderem alle unsere Beschlüsse im Juni 2023 an den Papst geschickt. Darauf haben weder Bischof Georg Bätzing noch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine Antwort erhalten, das ist einfach Fakt.

Frage: Was war denn das Ziel dieser Briefe?

Stetter-Karp: Die Bitte war, ins Gespräch zu kommen. Es war uns wichtig, über die Beschlüsse des Synodalen Weges zu sprechen, sie kommentieren und gegenüber Rom in den synodalen Prozess der Weltkirche einordnen zu können.

Frage: Die deutschen Bischöfe konnten im Vatikan vorsprechen. Liegt das Problem nicht vielleicht eher darin begründet, dass die römische Kurie wegen des hierarchischen Aufbaus der Kirche schlicht nicht mit den katholischen Laien und damit dem Zentralkomitee in Verhandlungen tritt?

Stetter-Karp: Das ist eine Deutung. Rein machtpolitisch kann ich durchaus nachvollziehen, dass es aufseiten der Kurie Bedenken gibt, ein Gremium wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Gesprächspartner anzuerkennen. Aber ich habe schon den Eindruck, dass uns Papst Leo XIV. auf dem Schirm hat.

Frage: Vorausgesetzt die Bischöfe und der Vatikan erkennen die Synodalkonferenz an – was sollte dieses neue nationale Beratungs- und Beschlussgremium als erstes anpacken?

Stetter-Karp: Die Auftaktsitzung ist ja für den November angedacht. Dann muss sich dieses neue Gremium erst einmal finden. Die bereits vorhandene Satzung gibt quasi den Knochenbau der Synodalkonferenz vor, aber Fleisch und Seele des Gremiums müssen sich erst noch entwickeln. Klar ist für mich: Es geht weiterhin um die Bearbeitung der systemischen Ursachen, die Missbrauch und Vertuschung ermöglichten. Aber wir schauen zugleich auf Politik und Gesellschaft. Auch unser Abschlusspapier von Stuttgart tut dies. Wir wollen Bündnispartner für Fragen des Zusammenhalts in Deutschland und der Welt bleiben!

Synodalkreuz
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann (Archivbild)

"Die Verbindungen ins Ausland sind in den vergangenen Jahren gewachsen und werden sicher auch bei der Arbeit der Synodalkonferenz eine wichtige Rolle spielen", so Irme Stetter-Karp.

Frage: Rolle der Frau, Umgang mit Homosexualität, die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern – Reformbaustellen gibt es nach mehr als fünf Jahren Synodalem Weg immer noch zu Genüge. Und manche Teilnehmer der jetzt beendeten letzten Vollversammlung beklagten bereits, dass die Zeit davonlaufe.

Stetter-Karp: Noch ist es zu früh für konkrete inhaltliche Vorgaben. Aber sicher werden wir dann ein Ranking der drängendsten Anliegen erstellen, die wir uns vornehmen wollen.

Frage: Beim Synodalen Weg gab es internationale Beobachter, die durchaus auch zur internationalen Vernetzung der Reforminitiative aus Deutschland beigetragen haben. Ist so etwas ähnliches auch für die Synodalkonferenz geplant?

Stetter-Karp: Vermutlich nicht in der exakt gleichen Weise. Aber die Verbindungen ins Ausland sind in den vergangenen Jahren gewachsen und werden sicher auch bei der Arbeit der Synodalkonferenz eine wichtige Rolle spielen.

Frage: Ende Februar wählen die Bischöfe einen Nachfolger für Bischof Georg Bätzing an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Hat die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ein Wunschprofil für den neuen Amtsinhaber?

Stetter-Karp: Natürlich bin ich gespannt auf das Ergebnis der Wahl. Was der neue Vorsitzende mitbringen muss? Da würde ich ganz schlicht sagen: Natürlich sind wir als Laien darauf angewiesen, dass er den Respekt vor dem gemeinsamen Weg mitbringt, den wir gehen wollen. Das weitere wird sich dann ausbuchstabieren.

Frage: Immer wieder heißt es, der neue Vorsitzende müsse gute Kontakte nach Rom haben. Sehen Sie das auch so?

Stetter-Karp: Natürlich. Und es wäre schwierig, wenn es jemand würde, der den Synodalen Weg für völlig falsch hält. Das wäre ein Rückschlag für die wichtigen Lehren, die aus den vielen Missbrauchsstudien zu ziehen waren und weiterhin zu ziehen sind! Schon allein, um für die Anliegen der deutschen Reformdebatte im Vatikan zu werben, wäre es ein Vorteil, wenn der neue Vorsitzende in Rom gute Verbindungen hat. Das liegt auf der Hand.

Von Joachim Heinz (KNA) und Mario Trifunovic