Bibelwerk-Chefin: Gab Spannungen bei Debatte über Synodalität
Am Donnerstag und am Freitag standen zwei Punkte auf der Tagesordnung der abschließenden Synodalversammlung in Stuttgart: Der Rückblick auf den bisherigen Synodalen Weg und ein Ausblick, wie es in Zukunft weitergehen wird. Bewusst hatte man sich dafür entschieden, die von Rom inspirierte Gesprächsführung im Stil eines geistlichen Gesprächs einzuführen. Die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmüller, berichtet im Interview mit katholisch.de von ihren Erfahrungen: Sie hatte als Moderatorin eine Kleingruppen-Debatte geleitet. Synodale konnten frei sprechen und einander zu hören – auch am Ende des Synodalen Wegs. Doch es hat auch inhaltliche Spannungen gegeben – mit Blick auf Synodalität.
Frage: Frau Brockmöller, es gab bei dieser Synodalversammlung eine neue Gesprächsmethode. Können Sie kurz erklären, was dahintersteckt und wie Sie dazu gekommen sind, diese anzuleiten?
Brockmöller: Man konnte sich im Vorfeld melden, wenn man bereit war, eine solche Gruppe zu moderieren. Ich habe das gern angenommen, auch weil ich im Forum 4 bereits als Beraterin eingebunden bin. Außerdem war es mir wichtig, bei der letzten Synodalversammlung dabei zu sein – zumal sie in Stuttgart stattfand, wo auch das Katholische Bibelwerk seinen Sitz hat.
Frage: Gab es dafür eine Vorbereitung?
Brockmöller: Ja. Wer Interesse hatte, bekam zunächst Informationsmaterial: Wie läuft diese Gesprächsform ab, welche Regeln gelten, welche Haltung ist wichtig? Zusätzlich gab es eine rund eineinhalbstündige Fortbildung. Dabei ging es vor allem um die Struktur der Gespräche und um die Rolle der Moderation.
Frage: Was war dabei besonders wichtig?
Brockmöller: Uns wurde vermittelt, dass wir vor allem "Raumgeber" sein sollen. Es geht nicht darum, selbst inhaltlich zu dominieren, sondern andere ins Gespräch zu bringen, sie zu ermutigen, frei zu sprechen – mit Freimut, aber ohne Gegeneinander. Wichtig war auch, darauf zu achten, dass unterschiedliche Positionen nicht eskalieren, sondern wahrgenommen und ausgehalten werden.
Katrin Brockmöller ist die Direktorin des Katholischen Bibelwerks.
Frage: Viele erleben kirchliche Debatten als stark polarisiert. Konnte diese Methode helfen, Lagerdenken zu überwinden?
Brockmöller: In unserer Gruppe war das tatsächlich ein Thema. Die Sitzordnung war alphabetisch, die Positionen sehr unterschiedlich – und das wurde auch schnell deutlich. Trotzdem war der Umgang respektvoll. Es ging immer wieder darum, einander nicht abzuwerten und sich bewusst zu machen: Niemand ist hier, der nicht aus tiefer Überzeugung katholisch ist. Sonst würde man diesen Weg gar nicht mitgehen.
Frage: Gab es konkrete inhaltliche Spannungen?
Brockmöller: Ja, zum Beispiel beim Thema Synodalität. Einer sagte: Die katholische Kirche ist nun einmal hierarchisch. Ein anderer entgegnete: Seit Papst Franziskus sprechen wir von einer synodalen Kirche. Daraus entwickelte sich ein intensives Ringen – etwa über den Unterschied zwischen Synodalität, Demokratie und Hierarchie.
Frage: Und wie wurde das aufgelöst?
Brockmöller: Interessanterweise haben wir gemeinsam festgestellt, dass Demokratie auch ihre Grenzen hat, weil Mehrheitsentscheidungen Minderheiten ausschließen können. Wenn man Synodalität ernst nimmt – also wirklich alle beteiligt –, kann sie in manchen Situationen sogar die bessere Entscheidungsform sein. Am Ende konnten sich alle in dieser Perspektive wiederfinden. Das war ein sehr feines, ehrliches Gespräch.
„Niemand ist hier, der nicht aus tiefer Überzeugung katholisch ist. Sonst würde man diesen Weg gar nicht mitgehen.“
Frage: Wie sieht es aus, wenn Positionen aufeinandertreffen?
Brockmöller: Natürlich verändert man in 45 Minuten niemandes Grundhaltung. Aber es geht darum, etwas mitzunehmen: eine andere Perspektive wahrzunehmen, ohne sie sofort abzuwerten. In unserer Gruppe hatte ich das Gefühl, dass genau das gelungen ist. Es gab ein echtes gemeinsames Einvernehmen darüber, dass Synodalität ein sinnvoller Weg ist.
Frage: Oft wird auch kritisiert, der synodale Prozess sei zu strukturlastig und zu wenig spirituell. Wie haben Sie das erlebt?
Brockmöller: Diese Kritik wurde durchaus aufgegriffen. Die Gesprächsform war sehr langsam und wertschätzend – das hat Tiefe ermöglicht. Außerdem begann das Treffen mit einem Gebet zum Heiligen Geist und endete ebenfalls im Gebet. Wir haben bewusst ein gemeinsames Gebet gesprochen. Das hat deutlich gemacht: Wir sind nicht nur ein Gremium, sondern eine betende Gemeinschaft.
Frage: Ist diese Gesprächsform eher für kleine Gruppen geeignet?
Brockmöller: Ja, unbedingt. Wir waren zu acht Personen. In großen Plena funktioniert das so nicht. Diese Methode ist dafür da, zuzuhören, Erfahrungen zu reflektieren und nicht sofort in Entscheidungslogiken zu verfallen. Die Frage, wie aus solchen Gesprächen konkrete Entscheidungen entstehen, stellt sich erst im nächsten Schritt.
Frage: Wie geht es nun weiter?
Brockmöller: Es gibt noch weitere Austauschformate. Aber diesmal ging es bewusst nicht um Textarbeit oder Eingaben für Beschlüsse. Es ging darum, miteinander zu sprechen – und das Erlebte später ins Plenum einzubringen.
