Benedikt XVI. gescheitert – Durchbruch mit Franziskus

Kardinal Schönborn: Sanierung der Vatikanbank gelungen

Veröffentlicht am 04.02.2026 um 09:04 Uhr – Lesedauer: 

Wien/Vatikanstadt ‐ Nach Jahren der Skandale erklärt Kardinal Schönborn die Sanierung der Vatikanbank für gelungen. Korruption, Geldwäsche und Isolation seien überwunden. Heute arbeiten über 40 Banken mit der einstigen Problembank zusammen.

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Kardinal Christoph Schönborn zieht eine positive Bilanz der Reform der Vatikanbank. Die Finanzinstitution sei grundlegend saniert und ihre Glaubwürdigkeit wiederhergestellt, sagte Schönborn der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag. Der ehemalige Wiener Erzbischof stand in den vergangenen Jahren der Kardinalskommission der Vatikanbank vor.

"Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen", sagte Schönborn mit Blick auf frühere Korruptions- und Geldwäscheaffären. Bereits Papst Benedikt XVI. habe Reformen angestoßen, sei jedoch am fehlenden Rückhalt innerhalb der Institution gescheitert.

Schönborn: Franziskus brachte Durchbruch

Den entscheidenden Durchbruch schreibt Schönborn Papst Franziskus zu. Dessen Reformkurs und die Einbindung international erfahrener Wirtschaftsexperten hätten die Wende gebracht. Besonders hob er Generaldirektor Gian Franco Mammì sowie den Aufsichtsrat unter Präsident Jean-Baptiste de Franssu hervor. Die Neuausrichtung der Bank habe "innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft große Anerkennung und Wertschätzung gefunden".

Beim Eintritt Schönborns in die Kardinalskommission 2014 habe die Bank lediglich Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank unterhalten. Keine italienische Bank habe kooperieren wollen. Heute pflege die Vatikanbank reguläre Beziehungen zu mehr als 40 internationalen Banken. Auch die regelmäßigen externen Prüfungen hätten zunehmend bessere Ergebnisse gebracht.

Reformbedarf bleibe

Trotz der Erfolge bleibe Reformbedarf, betonte Schönborn. Finanzinstitutionen müssten sich kontinuierlich weiterentwickeln. Der eingeschlagene Kurs sei jedoch eindeutig richtig. Eine engere Zusammenarbeit der vatikanischen Einrichtungen sei nun entscheidend. Er sei überzeugt, dass Papst Leo XIV. diesen Reformweg fortsetzen werde. Mit Dankbarkeit blickte Schönborn auf seine zwölfjährige Tätigkeit zurück. Die Vatikanbank sei zwar klein, "aber sie liegt halt im Vatikan und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß".

Den Vorsitz der Kardinalskommission übernahm inzwischen der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi. Neu in das Gremium berufen wurde Kardinal Ángel Fernández Artime. Weitere Mitglieder sind die Kardinäle Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig. Die Vatikanbank – das Institut für religiöse Werke (IOR) – ist die einzige Einrichtung im Vatikanstaat mit Zulassung für professionelle Finanzdienstleistungen. Sie verwaltet kirchliche Vermögenswerte nach Maßgabe der katholischen Soziallehre und betreut mehr als 12.000 Kunden in über 110 Ländern. In den Jahren 2023 und 2024 erzielte das IOR jeweils Gewinne von über 30 Millionen Euro, die großteils an den Heiligen Stuhl abgeführt wurden. (KNA)