Erzbischof: Gottes Gegenwart schließt LGBTQ-Katholiken ein
Der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus (2013–2025), der maltesische Erzbischof Charles Scicluna, sieht eine Orientierung für LGBTQ-Katholiken in der Annahme, dass Gottes Gegenwart alle umfasse. In einem Gastbeitrag für das Internetportal "Outreach" (Dienstag) schreibt er, Gott rufe die Menschen nicht zur Ausgrenzung, sondern zu Gemeinschaft, Versöhnung und Freude auf.
Scicluna lässt sich dabei vom Lieblingsbuch von Papst Leo XIV. inspirieren: "Die Praxis der Gegenwart Gottes" des französischen Ordensmannes Bruder Lorenz aus dem 17. Jahrhundert. Sein posthum erschienenes Buch machte ihn weltweit bekannt. Kürzlich wurde es neu aufgelegt – mit einem Vorwort des Papstes. Dessen zentrale Maxime lautet, alles sei in Gottes Hand.
Innere Zerrissenheit
Diese Spiritualität versteht Scicluna als Orientierung für heutige Glaubensfragen. Deshalb betont der Erzbischof von Malta das christliche Leben als Weg der Versöhnung – "mit Gott, mit anderen und mit uns selbst". Viele Menschen, darunter auch LGBTQ-Katholiken, erlebten eine innere Zerrissenheit – zwischen Glaube und Identität, Kirche und Selbst, Hoffnung und Angst. "In Gottes Gegenwart zu leben, lädt uns ein, uns selbst als geliebt anzunehmen – nicht als Probleme, die gelöst werden müssen, sondern als Menschen, die zu einer Beziehung berufen sind", so Scicluna.
Der 66-jährige Erzbischof und Rechtsexperte Charles Scicluna ist Vorsitzender der Bischofskonferenz von Malta und beigeordneter Sekretär im vatikanischen Dikasterium für die Glaubenslehre. Dort ist er für die Bearbeitung von Missbrauchsfällen zuständig. Zuletzt arbeitete er am Fall der peruanischen geistlichen Gemeinschaft „Sodalicio“, die unter Franziskus aufgelöst wurde. (mtr)
