Neue Aufgabe für Päpstliche Marienakademie: Extremen vorbeugen
Die Päpstliche Marianische Akademie hat künftig den Auftrag, sowohl übertriebene Marienfrömmigkeit wie eine Geringschätzung der Rolle Marias durch ihre Arbeit zu verhindern. Das geht aus den neuen Statuten hervor, die der Vatikan am Wochenende veröffentlicht hat. Die von Papst Leo XIV. genehmigte Änderung trat bereits zum 1. Februar in Kraft. Unter Einbeziehung der mariologischen Gesellschaften, kirchlicher und kultureller Institutionen und Einrichtungen sowie den marianischen Bewegungen und Wallfahrtsorten hat die Akademie die Aufgabe, "die Gegenwart der seligen Jungfrau Maria im Geheimnis Christi und der Kirche zu vertiefen und im Hinblick auf eine gesunde Volksfrömmigkeit jede Form von Maximalismus oder Minimalismus zu vermeiden", heißt es in den neuen Statuten.
Gemäß den bisher geltenden Statuten von 1997 sollte die Akademie "die Kenntnis und Verehrung der seligsten Jungfrau Maria fördern". Im vergangenen Jahr hatte das Glaubensdikasterium mit einer lehrmäßigen Note bereits übertriebene Formen der Marienverehrung zurückgewiesen, unter anderem die Verwendung hergebrachter, aber nicht offizieller Marientitel wie "Miterlösterin" und "Gnadenmittlerin".
Die Akademie soll gemäß ihren neuen Statuten ihre Studien "im Rahmen einer immer neuen Evangelisierung" koordinieren, "wobei die Sprache der verschiedenen Kulturen und die marianischen Ausdrucksformen jedes Volkes berücksichtigt werden", wurde nun bei den Zielen ergänzt. Weiterhin hat die Akademie den Auftrag, die mariologische Forschung auf allen Ebenen zu fördern und zu unterstützen und den alle vier Jahre stattfindenden Internationalen Mariologischen Kongress zu organisieren.
Drei Wege sind das Ziel
In der neugefassten Präambel werden drei "Wege" aufgezählt, die die Akademie verfolgen soll: ein "Weg der Wahrheit", ein "Weg der Schönheit" und ein "Weg der Nächstenliebe". Damit sollen Forschung, Spiritualität und Kunst sowie soziale Verantwortung betont werden. Die Marienverehrung soll durch die Arbeit der Akademie "nicht zu einer sterilen Frömmigkeit verkommen". Stattdessen sollen Orte der Marienverehrung entstehen, "die das Wohlergehen und die ganzheitliche Entwicklung des Menschen im Einklang mit der Umwelt fördern".
Marienmosaik an einer Wand in der Nähe des Petersdoms
Neben der neuen Zielsetzung setzen die Statuten vor allem Änderungen um, die sich aus der 2021 von Papst Franziskus (2013–2025) verfügten Kurienreform ergeben. Unter anderem wird die Zuständigkeit des Bildungsdikasteriums nun auch in den Statuten festgeschrieben und die Finanzaufsicht schärfer gefasst sowie dem Wirtschaftssekretariat übertragen.
Änderungen gibt es auch bei den ordentlichen Mitgliedern der Akademie. Ihre Höchstzahl wurde von 80 auf 90 erhöht, es ist nicht mehr erforderlich, dass ein Teil von ihnen in Rom und Umgebung lebt. Neu ist, dass nicht nur Christen anderer Konfessionen, sondern auch anderer Religionen Mitglied sein können. Die Aufnahme neuer Mitglieder liegt nun nicht mehr allein in den Händen der Gremien der Akademie, sondern bedarf der Bestätigung durch den Kardinalstaatssekretär, ebenso wie die Ernennung des Sekretärs und des Ökonomen der Akademie. Der Präsident wird weiterhin vom Papst auf Vorschlag des Generalministers der Franziskaner-Minoriten aus den Reihen seines Ordens ernannt.
Beobachtungsstelle für Marienerscheinungen nicht erwähnt
Die neuen Statuten sehen neben verschiedenen Gremien ein "Büro für Förderung und Entwicklung" vor, das institutionelle Beziehungen auf nationaler und internationaler Ebene pflegen soll, ausdrücklich aber keine Fundraising-Aufgaben hat. Nicht erwähnt wird in den Statuten die 2023 durch den Vatikan an der Akademie eingerichtete "Beobachtungsstelle für Erscheinungen und Mystische Phänomene in Zusammenhang mit der Gestalt der Jungfrau Maria" sowie andere bestehende Kommissionen. Für die Prüfung von Marienwundern und anderen mutmaßlich übernatürlichen Ereignissen ist das Glaubensdikasterium zuständig, das dafür 2024 neue Regeln erhalten hat.
Die heutige Päpstliche Internationale Marianische Akademie wurde 1946 durch die Franziskanerminoriten als "Academia Mariana Internationalis" zusammen mit der "Commission Mariana Franciscana" gegründet. Die Institutionen sollten die Marienforschung weltweit fördern. Ab 1950 wurde sie vom Papst mit der Organisation der Internationalen Marianischen Kongresse betraut. 1959 verlieh Papst Johannes XXIII. (1958–1963) ihr den Ehrentitel "Päpstlich". Bis zur letzten Revision der Statuten 1997 war die Akademie der Glaubenskongregation unterstellt. Von Anfang an war sie an der Franziskaner-Universität Antonianum angesiedelt. (fxn)
