Diözese Rottenburg: Weniger Kirchensteuer für Kirchengemeinden
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart rechnet mit weniger Kirchensteuereinnahmen in den kommenden Jahren – und damit auch weniger finanziellen Zuweisungen an ihre Kirchengemeinden. In den bisherigen Planungen sei man davon ausgegangen, dass der Kirchensteueranteil für die Kirchengemeinden langfristig bei rund 280 bis 290 Millionen Euro liegen würde. Diese Annahme sei nicht mehr haltbar, teilte die Diözese am Montag mit. Stattdessen sei in Bezug auf die Kirchengemeinden nur noch von Kirchensteuereinnahmen in Höhe von etwa 260 Millionen Euro für das Jahr 2026 und nur noch von rund 246 Millionen Euro im Jahr 2027 auszugehen.
Zugleich verwies die Diözese auf eigene Finanzplanungen, wonach mit einem "jährlichen strukturellen Finanzierungsdefizit von rund 65 Millionen Euro bis zum Jahr 2035" zu rechnen sei. Grund dafür seien steigende Personal- und Sachkosten, insbesondere infolge von Lohn- und Preissteigerungen.
Seit längerem ist bekannt, dass der Diözese und ihren Kirchengemeinden künftig weniger Kirchensteuermittel zur Verfügung stehen werden. Der Diözese und den Kirchengemeinden steht das verteilbare Kirchensteueraufkommen je zur Hälfte zu. Im kürzlich veröffentlichten "aktualisierten Haushaltserlass 2025/2026" habe die Diözese nun über die Entscheidung des Diözesanrats vom November 2025 informiert, die Kirchensteuerzuweisung an die Kirchengemeinden um 8,7 Prozent zu senken.
"Baby-Boomer" gehen in Ruhestand
Eine Ursache für die sinkenden Kirchensteuereinnahmen ist laut Diözese "die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage". Diese mache sich auch in Württemberg bemerkbar, das stark durch die derzeit schwächelnden Sektoren Maschinenbau und Automobilindustrie geprägt ist. Zudem gebe es eine rückläufige Zahl von Taufen und eine anhaltend hohe Zahl von Kirchenaustritten. Überdies trete die einkommensstarke "Baby-Boomer"-Generation in den Ruhestand.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart umfasst mit ihren bislang 1.020 Kirchengemeinden und rund 1,6 Millionen Mitgliedern den württembergischen Landesteil Baden-Württembergs. Es ist bundesweit die drittgrößte Diözese. Eine Entlastung der Verwaltung soll künftig durch die Zusammenlegung der aktuell 1.020 Kirchengemeinden zu 50 bis 80 neuen Kirchengemeinden angestrebt werden. Ziel ist es laut Bischof Klaus Krämer, dass 2030 alle geplanten 50 bis 80 größeren Einheiten gebildet worden sind. (KNA)
