Pfarrer Alexander Bergel über das Sonntagsevangelium

Jesus als Kompass inmitten von Hass und Fake News

Veröffentlicht am 14.02.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Osnabrück ‐ Desinformation, Spaltung, Hass: In Zeiten wie diesen suchen Menschen einen klaren Kompass, sagt Pfarrer Alexander Bergel. Auch Jesus begegnete den Abgründen der Menschen – und zeigt uns heute, wie wir damit umgehen können.

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Klare Kante. Das war sein Ding. Nicht "jaja", auch kein "eventuell" und kein "mal schauen".

Im Gegenteil. Er hat gesagt, was er dachte. Und das war meist ziemlich unbequem. Und sehr konkret. Nur – wie stellt er sich das vor? Wer hat ihn denn nicht? Den Bruder oder den Verwandten, den man am liebsten zum Mond schießen würde. Wer kennt sie nicht? Die Situation, in der man sich sehr schwertut, ehrlich zu sein. Oder wer kommt nicht an seine Grenzen, wenn jemand immer und immer wieder in derselben Wunde rumstochert und sich dann wundert, wenn das Ganze explodiert?

Vielleicht ging es Jesus manchmal selbst so. Denn er hat sie ja erlebt, die Menschen. Die Menschen mit ihren Grenzen und Abgründen. Die Menschen in ihrer Verlogenheit. Die Menschen mit ihrem Hass und dem ewigen Drang, es allen zeigen zu wollen. Vielleicht hatte er sogar Verständnis. Verständnis für alle, die das nicht mehr aushalten. Verständnis für die, die sich wehren wollen. Verständnis für jeden, der resigniert und zurückschlägt.

Und trotzdem sagt Jesus: Nein! Bleib bei dir! Lass dich nicht einwickeln von der Tücke des anderen! Lass dich nicht entmutigen von den vielbeschworenen Dingen, die man ja doch nicht ändern kann. Doch, sagt er, man kann die Dinge ändern! Es ist möglich, den Kreislauf des Bösen zu durchbrechen. Und zwar indem du nicht nur jemanden nicht tötest, sondern dem, der dir so querkommt, keine Macht mehr über dich gibst. Es ist möglich, ehrlich zu sein. Lebe so, dass man dir traut. Auch auf die Gefahr hin, dass andere es ausnutzen.

Natürlich, es gibt sie. Die vielen Gründe, immer und immer wieder benannt, warum das alles doch nur Phantasterei und Wunschdenken naiver Weltverbesserer ist. Warum Jesus ja auch nicht ohne Grund am Kreuz gelandet ist, Auferstehung hin oder her. Warum sich seither nichts grundlegend verändert hat. Nicht mal in der Kirche. Wir müssen uns doch nur umschauen, wie sehr auch in der Kirche gelogen und vertuscht wird, wie sehr auch hier die Macht des Stärkeren gilt und so vieles starr und unbeweglich bleibt bis zum Jüngsten Tag.

Jesus fordert uns heraus. In Zeiten wie diesen, in denen die Kirche, wenn sie ehrlich ist, nicht mehr strahlend in den Spiegel schauen darf, in Zeiten wie diesen, in denen mitten in Europa ein für unmöglich gehaltener Krieg tobt, in Zeiten wie diesen, in denen durch gezielte Desinformation und Fake News Machthaber Spaltung und Hass säen, in Zeiten wie diesen, in denen überall auf der Welt Menschen an Hunger und Krankheit sterben und viele einfach keine Hoffnung mehr haben, in Zeiten wie diesen, in denen alles den Bach runterzugehen scheint.

In Zeiten wie diesen brauchen wir den Mut und die Kraft, die Jesus denen verheißt, die ihm vertrauen. Und die dann – trotz allem – dabeibleiben. Und mitgehen. Und gestalten. Und sich blutige Nasen holen. Weil sie wissen, wofür sie es tun. Ohne Ja ja, ohne nein nein – sondern mit einem klaren Kompass. Kennen Sie Ihren eigentlich noch?

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 5,17–37)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.

Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein.

Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe!

Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen.

Amen, ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.

Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs!

Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.

Der Autor

Alexander Bergel ist Pfarrer der Pfarrei Christus König in Osnabrück.

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