Worauf sollte ich in der Fastenzeit verzichten?
Vierzig Tage ohne Instagram? Als Social-Media-Redakteurin schwierig. Aber irgendwas stört mich schon seit Tagen an der Plattform, wenn mir der Gedanke doch immer wieder kommt. Ich teste mich und lese ein Wochenende lang keine Kommentare. Schadet nicht, aber bringt auch nichts. Ich produziere vor und filme eine Woche lang nichts. Ich vermisse es.
Fasten bedeutet für mich, wie Jesus aufruft: „Tu Buße und kehr um!“ Kehr um zu ihm. Ich genieße es zu fasten. Denn ich verzichte grundsätzlich auf etwas, dass ich für schädlich in meinem Alltag halte. Etwas, das mich von Gott entfernt. Doch dieses Jahr fällt mir nicht so richtig ein, worauf ich verzichten sollte.
Die Erkenntnis kommt mir eine Woche später. Seit vierzig Minuten ist Feierabend und ich sitze noch am Schreibtisch. Der Laptop steht offen da, der Kaffee ist kalt. Nur ganz kurz wollte ich schauen, was gerade so passiert. Nur ganz kurz habe ich ein Video angefangen. Und nur ganz kurz habe ich mich vierzig Minuten lang im Sog des gedankenlosen Konsums verloren. Da ist es.
Etwas, das mich von Gott entfernt.
Nicht Instagram ist das Problem, nicht der Austausch mit anderen Menschen über die Plattform, nicht mein Job und die Videoproduktion. Der unbewusste Konsum von Inhalten, die mich teilweise nicht mal wirklich interessieren.
Eine Gefahr der sozialen Medien? Definitiv! Ihre Erfindung? Nein. Schon in meiner Kindheit lief bei der Mutter einer Freundin in der Küche ein Fernseher auf Dauerbetrieb. Meine Oma machte morgens erstmal das Radio an. Und das alles ist auch erstmal kein Problem. Weder Radio noch Fernseher und auch nicht die sozialen Medien sind das, was uns von Gott entfernt. Es ist die Ablenkung.
Die nächste Woche ertappe ich mich bei immer mehr Ablenkungen in meinem Alltag. Und nicht alle sind exzessiv, gedankenlos und unfruchtbar. Ganz ehrlich, halten Sie davon, was Sie meinen, aber ich ertrage es auch nicht, pausenlos mit meinen eigenen Gedanken zu sitzen.
Aber die Ablenkungen sind viel zu viel geworden. Wie viele kleine zauberhafte Alltagsmomente habe ich dieses Jahr schon verpasst? Diese Fastenzeit will ich sie alle erleben. Ich will alles erleben – mit Gott. Und deshalb wird diese Fastenzeit für mich auch eine Feierzeit.
So motiviert lösche ich alle sozialen Medien außer Messenger-Diensten von meinem privaten Handy. Ein unbezahlbares Gefühl. Dann bestelle ich den Streamingdienst ab. Partystimmung.
Ich werde diese Fastenzeit nur etwas anschauen, wenn ich hinten aus dem Schrank eine DVD herauskrame und den Bildschirm anschließe. Filme so schauen wie in der Kindheit: mit Popcorn und als etwas Besonderes.
Diese Beschlüsse versetzen mich in ein Hoch und ich entscheide: Alkohol ist auch eine Ablenkung. Weg damit!
Und ich freue mich auf die Fastenzeit.
Aber ich weiß auch: sind diese Ablenkungen ausgeschlossen, finde ich schnell Alternativen. Nicht alle werden schlecht sein, doch meine Fastenliste bleibt offen – auch für Ihre Vorschläge!
Was sind weitere unsichtbare und alltägliche Ablenkungen? Ich würde mich freuen, wenn Sie mich die nächsten Wochen über diese Kolumne begleiten, mit mir diese Fastenzeit bestreiten und auch auf den sozialen Medien Ihre Gedanken mit mir teilen. Für’s Kommentarelesen habe ich ohne all die Ablenkung schließlich eine Menge Zeit.
Fastenbrechen – Warum?
https://www.youtube.com/shorts/dODtaxVfYJM
#fastenfeiern – 40 Tage ohne Ablenkung
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