Die deutschen Bischöfe treffen sich in Würzburg

DBK-Vollversammlung: Neuer Vorsitzender, Synodalkonferenz, Europa

Veröffentlicht am 23.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Würzburg ‐ An diesem Montag beginnt die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Auch wenn die Wahl eines neuen Vorsitzenden alles überstrahlt, gibt es weitere zentrale Themen – nicht nur die synodale Zukunft.

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Am Dienstag ist es so weit. Wenn alles glatt läuft, soll der eben neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gegen 11:30 Uhr vor die versammelte Presse treten und ein erstes Statement abgeben. Viele Beobachter werden dann herauszuhören versuchen, ob der Neue schon einen Hinweis gibt, welchen Kurs er fahren will – gerade mit Blick auf dem Reformprozess, auf den sich die Kirche in Deutschland vor einigen Jahren begeben hat.

Der Frage, wer neuer DBK-Vorsitzender wird, gilt bei der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung in Würzburg nachvollziehbarerweise die größte Aufmerksamkeit. Eröffnen wird sie an diesem Montagnachmittag noch der bisherige Vorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing (64). Er hatte Ende Januar bekanntgegeben, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Jüngst legte er seine Beweggründe in einem Interview mit der "Zeit" dar: Das Amt erfordere enorme Energie; es brauche nun "frischen Wind".

Kleine Richtungsentscheidung

Eine Wahl wie diese kann immer eine eigene Dynamik entwickeln. Doch blickt man auf die – zumindest in den großen Linien – kirchenpolitischen Mehrheitsverhältnisse unter den deutschen Bischöfen, lässt sich prognostizieren: Den Posten wird wohl einer übernehmen, der grundsätzlich hinter dem Synodalen Weg steht. Gut möglich jedoch, dass der künftige Vorsitzende allerdings manche Dinge etwas anders handhabt als sein Vorgänger. So wird die Wahl durchaus zu einer kleinen Richtungsentscheidung.

Der Vorsteher der DBK ist zwar nur ein "Klassensprecher" und hat offiziell keine Befugnisse, die über die der anderen Diözesanbischöfe hinausgehen. Dennoch hat das Amt eine große Bedeutung: Der Vorsitzende koordiniert die Arbeit der Bischofskonferenz, vertritt sie gegenüber Politik und Öffentlichkeit und prägt maßgeblich die strategische Ausrichtung in pastoralen und gesellschaftlichen Fragen. Und: Er soll innerhalb der Konferenz, in der es eben auch andere theologische und kirchenpolitische Positionen gibt, vermitteln.

Der DBK-Vorsitzende: Wie er gewählt wird und was seine Aufgaben sind

Nach dem überraschenden Verzicht von Bischof Georg Bätzing auf eine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz müssen die Bischöfe Ende Februar in Würzburg einen Nachfolger wählen. Katholisch.de erklärt, wie die Wahl abläuft und welche Aufgaben der Vorsitzende hat

Genau das habe Bätzing versäumt, werfen ihm Kritiker vor. Gerade beim Synodalen Weg habe er sich zu einseitig an die Seite derer gestellt, die umfassende Reformen in der Kirche befürworten. Deshalb trage er auch eine Mitverantwortung dafür, dass die Bischofskonferenz bei vielen Themen gespalten sei und nicht mehr mit einer Stimme spreche. So stellten etwa die (Erz-)Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt ihre Mitarbeit am weiteren Prozess des Synodalen Wegs ein und meldeten sich auch zu anderen Vorgängen immer wieder kritisch zu Wort.

Für den neuen DBK-Vorsitzenden wird es vor allem darauf ankommen – das betonte zuletzt bereits der ein oder andere Bischof – manche Gräben wieder kleiner zu machen und die konservative Minderheit in der DBK besser einzubinden. Zudem sind, gerade mit Blick auf den weiteren Fortgang des Synodalen Wegs, gute Kontakte nach Rom und in die Weltkirche gefragt.  Als aussichtsreiche Anwärter gelten der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz (58), der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer (64) und der Würzburger Bischof Franz Jung (59).

Abstimmung über Satzung

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Vollversammlung ist die Synodalkonferenz. Sie geht direkt aus dem Synodalen Weg hervor und soll diesen als dauerhaftes, bundeweites Gremium verstetigen. Auch dort sollen Bischöfe, Kleriker, Ordensleute und Laien über pastorale und strukturelle Fragen der der Kirche in Deutschland gemeinsam diskutieren und Beschlüsse fassen. Wie gerade Letzteres, also ein gemeinsames Entscheiden von Geweihten und Nicht-Geweihten kirchich überhaupt funktionieren kann, war Gegenstand intensiver Diskussionen – auch mit Rom.

In Würzburg sollen nun die Bischöfe entscheiden, ob sie die Satzung der Synodalkonferenz annehmen – oder eben nicht. Sollten sie sie verabschieden, ist der Vatikan am Zug: Von dort braucht es eine offizielle Anerkennung, damit das Gremium sich konstituieren kann. Da im Rahmen des Austauschprozesses mit den vatikanischen Behörden zentrale Punkte, auf die Rom bestand, bereits in die Satzung eingearbeitet wurden, sind die deutschen Bischöfe grundsätzlich zuversichtlich, dass es eine römische Anerkennung geben wird. Sofern alles klappt, soll die Synodalkonferenz im kommenden November ihre Arbeit aufnehmen.

Bild: ©Deutsche Bischofskonferenz/Kopp (Archivbild)

Ende November gab es das bisher letzte Treffen von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz mit Mitgliedern der römischen Kurie.

Auch die politische Lage in Deutschland, Europa und der Welt wird die deutschen Bischöfe beschäftigen. Noch wenige Tage vor der Vollversammlung hatte der scheidende Vorsitzende Bätzing gemeinsam mit den Vorsitzenden der Italienischen, Französischen und Polnischen Bischofskonferenz eine Erklärung veröffentlicht, in der sie an die katholischen Gründerväter der europäischen Einigung erinnerten und sich für ein starkes Europa aussprachen. In einer Welt, die "von Kriegen und Gewalt zerrissen und polarisiert" sei, "muss Europa seine Seele wiederfinden, um der Welt seinen unverzichtbaren Beitrag zum 'Gemeinwohl' anzubieten".

Weitere Themen des Treffens sind weiterhin die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und die Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. Darüber hinaus wollen die Bischöfe über den Entwurf einer Arbeitshilfe zur Ehrenamts- und Engagemententwicklung diskutieren. Dazu steht neben dem neuen DBK-Vorsitzenden eine weitere Personalie an: Die Bischöfe entscheiden darüber, ob sie die DBK-Generalsekretärin Beate Gilles im Amt bestätigen.

Egal, wo der künftige Vorsitzende auch herkommen wird: In der DBK-Zentrale in der Bonner Kaiserstraße mangelt es nicht an Aufgaben. Innerkirchlich sind bleibende brennende Fragen die Austrittszahlen, die schwindenden finanziellen Mittel und die Aufarbeitung des Missbrauchs. Außerkirchlich sind es eine gespaltene Gesellschaft, Zukunftssorgen vieler Menschen und wachsender politischer Extremismus. Deshalb wird der neue Mann in dem Amt nicht nur daran gemessen, wie er den Reformprozess der Kirche in Deutschland fortführt, sondern wie es ihm gelingt, in einer Zeit wie dieser der Kirche in der Öffentlichkeit und Politik Gehör zu verschaffen. Auch da werden Beobachter von Dienstag an genau hinhören.

Von Matthias Altmann