Debatte um Traditionalisten

Kardinal Sarah kritisiert Piusbrüder für geplante Bischofsweihen

Veröffentlicht am 23.02.2026 um 12:01 Uhr – Lesedauer: 

Paris ‐ Kardinal Robert Sarah zeigt sich tief besorgt und traurig über die geplanten Bischofsweihen der Piusbruderschaft. In einem Zeitungsbeitrag kritisierte er zudem scharf eine Aussage des Generaloberen der Gemeinschaft.

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Der emeritierte Kurienkardinal Robert Sarah hat seine "tiefe Besorgnis und Trauer" über die für Anfang Juli angekündigten Bischofsweihen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. geäußert. In einem Beitrag für die französische Zeitung "Le Journal du Dimanche" kritisierte Sarah am Wochenende, dass der Generalobere der Gemeinschaft, Davide Pagliarani, die Motivation für die geplanten Weihen mit dem "obersten Gesetz des Heils der Seelen" begründet habe.

"Doch das Heil ist Christus, und er wird allein in der Kirche geschenkt. Wie kann man es wagen, Seelen auf anderen Wegen als denen, die er uns selbst gezeigt hat, zum Heil zu führen? Bedeutet das Streben nach Seelenheil, den mystischen Leib Christi auf eine Weise zu zerreißen, die womöglich unumkehrbar ist? Wie viele Seelen sind durch diesen neuen Bruch in Gefahr, verloren zu gehen?", so Sarah, der von 2014 bis 2021 das vatikanische Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung geleitet hatte, wörtlich.

Verrat an der Tradition?

Es werde von den Piusbrüdern behauptet, dass die Weihen der Verteidigung der Tradition und des Glaubens dienten, so der Kardinal weiter. "Ich weiß, wie sehr das Glaubensgut heute mitunter von denen verachtet wird, die den Auftrag haben, es zu verteidigen." Und er wisse auch, dass nur die ununterbrochene Kette des kirchlichen Lebens, die Verkündigung des Glaubens und die Feier der Sakramente die Gewissheit gebe, "dass das, was wir glauben, die ursprüngliche Botschaft Christi ist". "Aber ich weiß auch und glaube fest daran, dass im Herzen des katholischen Glaubens unsere Mission liegt, Christus nachzufolgen, der bis zum Tod gehorsam war", betonte Sarah. "Können wir es wirklich aufgeben, Christus in seiner Demut bis zum Kreuz nachzufolgen? Ist es nicht ein Verrat an der Tradition, uns auf menschliche Mittel zu stützen, um unsere Werke aufrechtzuerhalten, wie gut sie auch sein mögen?"

Anfang Februar hatte die Piusbruderschaft angekündigt, im Sommer neue Bischöfe weihen zu wollen – ein Schritt, der gegen das Kirchenrecht verstoßen würde. Daraufhin hatte der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, ein Gespräch mit Pagliarani geführt, bei dem es laut Vatikan um Mindestvoraussetzungen für eine Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft ging. Unter anderem sei die Aussetzung der angekündigten Bischofsweihen eine Voraussetzung, um einen weiteren Dialog zwischen der Kurie und der einst von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten und zwischen 1988 und 2009 exkommunizierten Gemeinschaft zu ermöglichen. Einem Dialogangebot  auf dieser Grundlage erteilte Pagliarani wenige Tage später jedoch eine Absage. Zugleich beharrte er auf den geplanten Bischofsweihen. Derzeit ist unklar, wie es in der Causa weitergeht. (stz)