22-Jähriger berichtet von seinem Glaubensweg

Firmung als Erwachsener: "Habe oft darüber nachgedacht"

Veröffentlicht am 06.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Jasmin Lobert – Lesedauer: 

Münster ‐ Als Jugendlicher entschied sich Philipp Teschke gegen die Firmung. Doch irgendwas in ihm sehnte sich nach dem Sakrament. Wie er die Firmung als Erwachsener erlebt hat, erzählt er im katholisch.de-Interview.

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Philipp Teschke zog für das Studium von Berlin nach Münster. In der katholisch geprägten Stadt besuchte er zunächst nur aus Neugier verschiedene Kirchen. Seine spirituelle Heimat fand er bei der Katholischen Studierenden und Hochschulgemeinde Münster (KSHG) – und entschied sich schließlich für die Firmung. Im katholisch.de-Interview blickt der 22-jährige auf seinen Glaubensweg zurück und erzählt, warum er sich als Erwachsener für die Firmung entschieden hat.

Frage: Herr Teschke, Sie sind evangelisch getauft worden und als Kind zusammen mit Ihrem Vater und Ihrer Schwester zum Katholizismus konvertiert. Warum?

Teschke: Mein Vater hatte damals kaum Bezug zur evangelischen Kirche. Nachdem seine Mutter, also meine Oma, einen schweren Unfall hatte, interessierte er sich wieder mehr für den Glauben. Dass er dann zusammen mit uns Kindern zum Katholizismus konvertierte, lag aber vor allem daran, dass meine Mutter katholisch war und meine Schwester und ich auf katholische Schulen gehen sollten. Unsere Eltern wollten, dass wir zur katholischen Kirche dazugehören – also konvertierten wir gleich alle drei. Die regelmäßigen Gottesdienste und Andachten in der Schule haben mich geprägt. Ich bin damals normal zur Erstkommunion gegangen – in der Zeit waren wir als Familie sonntags oft im Gottesdienst. Das wurde aber mit der Zeit weniger.

Frage: Warum haben Sie die Firmung als Jugendlicher abgelehnt?

Teschke: Zu der Zeit konnte ich mit dem Glauben nicht viel anfangen. Deshalb hat es sich irgendwie falsch angefühlt. Viele meiner Mitschüler und Freunde haben das nur gemacht, weil sie sich auf die Geldgeschenke freuten. Das fand ich heuchlerisch, deshalb habe ich mich dagegen entschieden. Aber schon ein Jahr später habe ich öfter darüber nachgedacht, ob ich das Sakrament nicht doch noch irgendwann empfangen will. Das beschäftigte mich.

Frage: Wieso?

Teschke: Es gab kein konkretes Ereignis, das in mir diesen Gedanken ausgelöst hat. Es war mehr ein Prozess. Ich bin zum Beispiel mal ganz zufällig auf Worship-Songs aufmerksam geworden – die haben mich angesprochen, weil sie eine ganz andere Lebens- und Glaubensfreue transportieren. Und mit 17 habe ich dann angefangen, jeden Abend zu beten. Immer ein Dank- und Bittgebet und ein Vaterunser. Das wurde für mich zu einem kleinen Ritual: Im Gebet konnte ich den Tag Revue passieren lassen, meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen und meine Hoffnungen für den nächsten Tag aussprechen.

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Frage: Was hat dieses regelmäßige Gebet mit Ihnen gemacht?

Teschke: Das hat mich auf ein anderes spirituelles Level gehoben. Ich habe so eine tiefe Dankbarkeit gespürt, dafür dass ich gesund bin, dass ich das studieren darf, was mich interessiert – einfach für mein ganzes Leben. Und ich bin davon überzeugt, dass das nicht allein mein Verdienst ist, sondern, dass es da eine höhere Macht gibt, die Einfluss auf mich hat, mich lenkt und mir Sicherheit gibt.

Frage: Münster ist eine sehr katholisch geprägt Stadt. Hat dieses Umfeld Einfluss auf Ihren wachsenden Glauben gehabt?

Teschke: Ich sag mal so, mein Leben in Berlin und Münster hätten unterschiedlicher nicht sein können. In Berlin war ich immer viel unterwegs, war feiern – habe einfach im Moment gelebt. Münster dagegen ist viel beschaulicher und ruhiger. Hier habe ich mich mehr auf die Uni konzentriert. Als dann Papst Franziskus letztes Jahr am Ostermontag gestorben ist, bin ich aus Neugier in den Gottesdienst in den Dom gegangen. Der war sehr stimmungsvoll und emotional, weil der Priester in seiner Predigt recht spontan auf das Ereignis eingegangen ist. Spirituell hat mich der Gottesdienst aber nicht ganz so abgeholt. Die Gestaltung war eher konservativ, teilweise auf Latein und die Gemeinde eher alt. Da habe ich mich nicht so wohlgefühlt. Und trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich Gott während des Gottesdienstes in einer Kirche näher bin.

Frage: Also haben Sie nach anderen Gottesdienstangeboten gesucht?

Teschke: Zusammen mit einer Freundin war ich noch ein paar Mal im Dom, aber das war einfach nicht das Richtige für mich. Irgendwann sind wir dann auf die Angebote der Katholischen Studierenden und Hochschulgemeinde (KSHG) gestoßen und haben sie ausprobiert. Das ist zwar eine kleine Gemeinde, aber dafür sind wir alle ungefähr im gleichen Alter – das hat mich sehr angesprochen. Seither gehe ich fast jeden Sonntag in den Gottesdienst der KSHG.

Frage: Wie kamen Sie dann zum Sakrament der Firmung?

Teschke: Ich habe gezielt nach Firmangeboten gesucht. Der Wunsch war nicht neu und ich wollte mich einfach bewusst mit meiner Spiritualität und meinem Glaubensweg auseinandersetzen. Da bin ich dann auf das Angebot der Jugendkirche in Münster gestoßen. Mit einer Gruppe von Menschen im Alter von 22 bis 31 Jahren habe ich mich auf das Sakrament vorbereitet.

Am 6. Februar haben zehn junge Erwachsene das Sakrament der Firmung in der Jugendkirche Münster empfangen.
Bild: ©Jugendkirche Münster

Am 6. Februar haben zehn junge Erwachsene das Sakrament der Firmung in der Jugendkirche Münster empfangen.

Frage: Wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Wunsch reagiert?

Teschke: Alle sehr positiv. Auch mit Freunden, die gar nichts mit Religion am Hut haben, bin ich intensiv ins Gespräch gekommen – wir haben dann viel über Religion als Lebensphilosophie debattiert. Das waren tolle Gespräche, in denen ich meinen Glauben noch einmal neu hinterfragt habe. Ich glaube, die Einzige, die von meiner Firmung irritiert war, war meine Schwester – sie konnte mit Religion nie wirklich etwas anfangen und das ist okay.

Frage: Wie sah die Vorbereitung aus?

Teschke: Wir haben uns bei einem gemeinsamen Wochenende inhaltlich auf die Firmung und an einem Zusatztermin den Gottesdienst vorbereitet. An dem Wochenende ging es unter anderem um Gottesbilder, den eigenen Glaubensweg und Versöhnung. Am meisten ist mir aber das Gespräch mit Weihbischof Christoph Hegge im Kopf geblieben. Er war sehr charismatisch und hat uns alle Fragen beantwortet, vom Priesteramt für Frauen über Aussagen des Papstes bis hin zu Vorbildern unter den Heiligen.

Frage: Am 6. Februar haben Sie die Firmung empfangen – was nehmen Sie daraus mit?

Teschke: Der Gottesdienst war sehr stimmungsvoll und kontemplativ. Die Predigt vom Weihbischof hat mich sehr berührt. Darin ging es um die Jünger, die nach Jesus Tod erst einmal ihren Weg finden mussten. Er schloss mit dem Apell, dass wir Christen rausgehen müssen, unseren Glauben offen leben sollen und damit unser Zeugnis abgeben. Das möchte ich tun und dafür war der Moment, in dem ich das Sakrament empfangen habe, sehr bestärkend. Ich habe gespürt: Ich bin auf dem richtigen Weg.

Von Jasmin Lobert