Generalvikar überrascht über neue Befunde

Pfeffer zu Leseordnung: Frauen gestrichen, männliche Helden glänzen

Veröffentlicht am 26.02.2026 um 12:39 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Die katholische Leseordnung war ein Fortschritt – und blendet doch Frauenfiguren aus. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer reagiert überrascht auf neue Befunde der Theologin Annette Jantzen.

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Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat sich überrascht und nachdenklich zu ignorierten Frauen in der katholischen Leseordnung geäußert. Bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in Köln bezeichnete er die Untersuchung der Theologin Annette Jantzen zu ausgelassenen Bibelstellen als "Augenöffner" – und machte deutlich, dass vor allem bei Frauen gekürzt worden sei, während die "männlichen Heldengestalten umso glänzender dargestellt werden". 

Jantzen hatte analysiert, welche Bibelstellen im zwei- bis dreijährigen Rhythmus der katholischen Leseordnung gelesen werden – und welche systematisch fehlen. Ihr Befund: Beim Kürzen der rund 36.000 Bibelverse auf etwa 12.000 habe eine ausschließlich männlich besetzte vatikanische Kommission vor allem Frauen und Frauenerzählungen gestrichen. Ihr Buch trägt deshalb den Titel "Die ignorierten Frauen der Bibel – Was im Gottesdienst nicht gelesen wird". 

Leseordnung war Fortschritt 

Zugleich betonte Pfeffer, die Leseordnung sei in der Kirchengeschichte durchaus ein Fortschritt gewesen. Viele Jahrhunderte lang habe die Kirche den Menschen die Bibellektüre kaum zugetraut. Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass das Wort Gottes zentral für den Glauben und ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes sei. Zudem schwankte der Generalvikar, ob den Verantwortlichen vor 60 Jahren "die Sensibilität fehlte" oder bewusst Kürzungen erfolgt seien. Jantzen selbst sprach von gezielter Auswahl: "Man hat sich genommen, was man passend fand. Das ist Manipulation. Da werden die Leute getäuscht."  

Pfeffer und Jantzen waren sich einig, dass es keine Alternative sei, gar nicht mehr in die Bibel zu schauen und im Gottesdienst nicht mehr zuzuhören. Jantzens Buch bezeichnete der Generalvikar schließlich als "wirklich inspirierend, eine Einladung, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen". Für Gottesdienste regte er an, weniger Texte zu lesen, dafür die stärkeren. Jantzen hingegen ermutigte Lektorinnen und Lektoren ausdrücklich, im Zweifel den längeren Bibeltext vorzutragen. (mtr)