Bischof Oster: Bin regelmäßig fassungslos über Trump

Der Passauer Bischof Stefan Oster ist regelmäßig fassungslos über das Auftreten von US-Donald Trump. Auch, wenn ihn manche traditionsbewussten Christen verteidigten, "weil er sich doch immerhin so klar gegen Abtreibungen positioniert, so bin ich der Überzeugung, dass er in mehrfacher Hinsicht eine menschen- und schöpfungsfeindliche Politik macht, die zumindest in diesen Aspekten nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist", schreibt Oster auf seinem Blog am Donnerstag. Angesichts von Anfragen zu Trump sowie zu "Tradwives" und einer von manchen Influencern propagierten Unterordnung der Frau unter den Mann in einer Beziehung äußert sich der Oberhirte zudem ausführlich zu diesen Themen.
Dabei betont er die Bedeutung der kirchlichen Lehre zu Familie Partnerschaft für die Gesellschaft. Sie halte "die Mitte zwischen einem traditionalistischen Menschenbild, das durch eine biblisch-buchstäbliche Lesart gefährdet ist, politisch nach rechts abzudriften – und einem radikal konstruktivistischen Modell, das die Unterschiede zwischen Männern und Frauen einebnet und sich linken Ideologien öffnet, die im Gefolge ihrer Ahnherren Marx und Engels das klassische Familienmodell insgesamt überwinden wollen".
Oster analysiert eine in diesen Auseinandersetzungen oft angeführte Stelle aus dem Epheserbrief (Eph 5,21-6,7) und hält dazu fest, dass Paulus in seinem Sprechen von einer Unterordnung der Geschlechter zunächst die damalige Realität festhalte, jedoch bette er "das real gegebene Machtgefälle ein in einen neuen Rahmen der Liebe und der gegenseitigen (!) Unterordnung, der gegenseitigen Übernahme von Verantwortung und der Unterordnung beider Geschlechter unter Christus". Im Verhältnis von Mann und Frau sei Paulus' Forderung radikal: "Die Männer sollen ihre Frauen lieben, wie Christus die Kirche geliebt hat! Will sagen: Christus ist für seine Kirche aus Liebe gestorben."
Wandlung von Machtverhältnissen
Es gehe also um eine Wandlung gesellschaftlicher (Macht-)Verhältnisse. "Der Glaube an Christus und die aus ihm geführten Lebensformen sind kritisch im Blick auf das Recht des Stärkeren oder auch nur weltlich begründete Machtansprüche: 'Bei euch aber soll es nicht so sein' (Lk 2,26)". Diese Erkenntnis hatte christlich geprägte Gesellschaften durchdrungen. "Angesichts solcher Entwicklungen entfällt (!) auch in den neueren lehramtlichen Texten der katholischen Kirche zur Lehre von der Ehe die Rede von einer ausdrücklichen Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann", so Oster. Die kirchliche Lehre habe sich vom Blick auf den "Ehezweck" als der Zeugung von Nachkommen zu einem Bild der Ehe als personaler Gemeinschaft des Lebens und der Liebe entwickelt.
Dass das Bild einer Unterordnung der Frau unter den Mann dennoch für manche Menschen attraktiv sei, liegt laut Oster "mit der massiven Verunsicherung der Geschlechterrollen in unserer Kultur insgesamt zusammen. Die legitime Debatte über das Verhältnis von Sex (biologisches Geschlecht) und Gender (Ausgestaltung der Geschlechterrollen in einer konkreten Gesellschaft) kippt in manchen Diskursen in einen radikalen Konstruktivismus, der auch das biologisch festgelegte Geschlecht der Möglichkeit der Konstruktion unterwirft".
Männer und Frauen seien in ihrer Würde gleich "und zugleich in ihrem Welt- und Selbstverhältnis in der Regel unterschiedlich", führt Bischof Oster aus.
Männer und Frauen seien in ihrer Würde gleich "und zugleich in ihrem Welt- und Selbstverhältnis in der Regel unterschiedlich", führt Oster aus. Männer befassten sich beispielsweise beruflich eher mit Dingen, Frauen eher mit Menschen und Beziehungen. "Daher können und müssen wir mit Papst Franziskus patriarchale Strukturen, die Frauen unterdrücken und Gewalt gegen Frauen befördern, massiv kritisieren." Wenn sich Frauen und Männer von der Liebe Christi berühren und durchdringen ließen, "wachsen Sie in Freiheit und Verantwortung in das hinein, was ihnen jeweils gemäß ist", im konkreten Zueinander.
Daher begrüße es die Kirche, "wenn sich ein Mann und eine Frau in ihrem Miteinander auf ein Modell verständigen, in dem sie primär ihre Mutterrolle ausfüllt und er primär die Erwerbsrolle übernimmt". Die Tatsache, dass dieses zumindest in der Erziehungsphase der Kinder immer noch ein Mehrheitsmodell in den meisten Kulturen sei, lasse einiges dafür sprechen, "dass es für das Gedeihen der Familien hohen Wert hat". Die Rollenverteilung könne auch anders sein, wesentlich sei die "Kultur der Liebe und die Bereitschaft beider Partner, Verantwortung zu übernehmen".
Oster kritisierte, dass "es schon lange ein von linker Seite befeuertes ideologisches Interesse in unserer Gesellschaft gibt", dass Menschen, die das kirchliche Familienbild vertreten, "in der rechten oder gar braunen Ecke verordnet werden". Er beobachtet Druck auf die Kirche von außen, "sich in den familienpolitischen und sexualethischen Themen zu liberalisieren – und ein geeignetes Mittel dazu ist es ganz offensichtlich, die Verbindung zu völkischem Denken zu unterstellen, um in der Hermeneutik des Verdachts gläubige Anliegen unter Pauschalverdacht zu stellen". Dies gelte vor allem, weil US-Präsident Donald Trump mit religiös konservativen Positionen in Verbindung gebracht werde. Oster betont: "Nein, ich habe weder Interesse an völkischem Denken, noch an Rechtsaußenpolitik, noch an religiösen Verbindungen in die USA. Ich versuche schlicht katholisch zu sein." (cph)