Gänswein: Noch drei weitere Bücher mit Predigten von Benedikt XVI.
Erzbischof Georg Gänswein hat angekündigt, dass noch drei weitere Bücher mit bisher unveröffentlichten Predigten von Benedikt XVI. erscheinen sollen. Nach den kürzlich veröffentlichten Texten zur Fasten- und Osterzeit werde der Herder-Verlag im Herbst einen zweiten Band zu Advent und Weihnachten auf den Markt bringen, sagte er dem Kölner katholischen Portal "domradio.de". "Und dann folgen noch zwei Bände mit Predigten zu den übrigen Sonntagen", fügte der langjährige Privatsekretär des an Silvester 2022 gestorbenen Papstes aus Deutschland hinzu: "Aber danach ist, was die Predigten von Benedikt betrifft, nichts mehr da. Dann ist die Schatzkammer leer." Der kürzlich veröffentlichte erste Band mit dem Titel "Der Herr hält unsere Hand" enthält bisher unveröffentlichte Predigten von Benedikt XVI., die er während seiner Amtszeit als Papst zwischen 2005 und 2013 sowie in den ersten Jahren nach seinem Rücktritt im kleinen Kreis gehalten hatte.
Heimlich mitgeschnitten
"Benedikt wusste bis zu seinem Tod nichts von der Aufzeichnung seiner Predigten", fügte Gänswein hinzu, der seit 2024 Botschafter des Papstes für Litauen, Estland und Lettland ist: "Ich war damals überzeugt: Wenn wir das Geschenk haben, Benedikt in einem kleinen Kreis predigen zu hören, sollten wir das aufzeichnen, wofür auch immer. Das war 2005, im ersten Jahr seines Pontifikats, und ich wusste damals nicht, wofür diese Predigten eines Tages gut sein würden."
Im Interview der "Schwäbischen Zeitung" hatte Gänswein kürzlich eingeräumt, dass er Benedikt XVI. ganz bewusst nicht gefragt habe, ob er mit den Aufnahmen einverstanden sei. "Und warum nicht? Ganz einfach, weil ich die Sorge hatte, er könnte aus Bescheidenheit 'nein' sagen – und damit wäre dieser Schatz nie zu heben gewesen."
Seine Bibel war "wie ein Malbuch"
Zur Entstehung der Predigten berichtete der langjährige Privatsekretär weiter, Benedikt XVI. habe immer eine Woche vorher die Texte aus der Heiligen Schrift gelesen – im griechischen Urtext – und dann die Woche darüber meditiert: "Sie hätten sein Neues Testament sehen sollen, es war wie ein Malbuch: sehr viele Bleistift-Eintragungen, Hinweise auf Auslegungen bei den Kirchenvätern usw."
Seine Predigten habe Benedikt schriftlich vorbereitet, dann aber immer frei und ohne Manuskript gehalten, ergänzte Gänswein. Im hohen Alter habe allerdings die Stimme nicht mehr mitgemacht: "Er hatte keine Kraft mehr, zu predigen. Die letzte Predigt, die aufgezeichnet wurde, stammt vom April 2017. Er konnte nicht mehr so laut und vernehmlich sprechen, dass man ihn gut verstehen konnte; daraufhin hat er das Predigen eingestellt." (KNA)
