"Finde das respektlos"

Kapuziner kritisiert Zurschaustellung von Franziskus-Reliquien

Veröffentlicht am 02.03.2026 um 11:07 Uhr – Lesedauer: 

Assisi/Zürich ‐ Kapuziner Niklaus Kuster kritisiert die Ausstellung der Franziskus-Reliquien in Assisi. Diese widerspreche der Botschaft des Heiligen – sei womöglich aber eine Reaktion auf den Hype um den heiligen Carlo Acutis.

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Der Schweizer Kapuzinerbruder Niklaus Kuster sieht die aktuelle Ausstellung der Reliquien des heiligen Franziskus in der Basilika San Francesco im italienischen Assisi mit gemischten Gefühlen. "Mich irritiert dieser Umgang mit den sterblichen Überresten eines Menschen. Ich finde das respektlos", sagte Kuster, der als Franziskus-Kenner gilt, am Sonntag in einem Interview des Schweizer Internetportals kath.ch. Zwar habe er vier Jahre in Rom gelebt und respektiere deshalb Formen der Frömmigkeit, die ihm persönlich fremd seien. "Aber es hat mich schon in Rom irritiert, dass man den Körper von Papst Johannes XXIII. aus dem Grab geholt und hergerichtet hat, um ihn, gekleidet in seine päpstlichen Gewänder, in einem gläsernen Schrein im Petersdom zu zeigen."

Franziskuskirche hat "völlig andere Botschaft"

Die Franziskaner in Assisi, die für die Zurschaustellung verantwortlich seien, hätten die Verehrung im Blick. "Sie möchten den Menschen die Gelegenheit geben, den Heiligen zu verehren, sich von ihm berühren zu lassen. Nur hat die Franziskuskirche als Grabeskirche seit Jahrhunderten eine völlig andere Botschaft zu vermitteln versucht. Und diese Botschaft liegt nicht in den Gebeinen des Heiligen", so Kuster weiter. Er empfinde die Ausstellung daher als "sehr zwiespältig" und frage sich, ob damit das Interesse nicht allzu stark auf die Vergänglichkeit gerichtet werde.

Laut Kuster ist die Botschaft der Basilika in Assisi das Leben: "Das Leben des Franziskus, seine Prophetie, seine Visionen. Er war ein visionärer Mensch, der über seine Zeit hinaus spricht. Seine Gebeine zur Schau zu stellen, entspricht einer Gegenaktion zu dieser Botschaft." Franziskus' Grabeskirche lade dazu ein, das Leben des Heiligen zu lesen. "Und deshalb finde ich es so kontraproduktiv, seine Gebeine zu zeigen." In den kommenden Wochen gebe es mindestens in der Unterkirche der Basilika keine Führungen. "Das heißt: Die Botschaft der Kirche 'Lest das Leben von Franziskus' wird in dieser Zeit ausgesetzt. Die Menschen, die die Basilika San Francesco geschaffen und ausgemalt haben, würden Kopf stehen, sähen sie, was heute passiert."

Reaktion auf ausgestellten Carlo-Acutis-Leichnam?

Der Kapuziner äußerte in dem Interview die Vermutung, dass die Ausstellung der Reliquien des heiligen Franziskus eine Reaktion auf den ebenfalls in Assisi zu sehenden Leichnam des 2025 heiliggesprochenen "Cyber-Apostels" und Publikumsmagneten Carlo Acutis sein könnte. "Tausende pilgern in die Kirche Santa Maria Maggiore, wo man den jungen Heiligen in einem gläsernen Sarg betrachten kann. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Franziskaner aktuell einen Gegenakzent setzen möchten zu diesem neuen Hotspot in Assisi", sagte der Schweizer Kapuziner.

Gleichwohl sieht der Ordensmann nach eigenen Angaben einen entscheidenden Unterschied zwischen beiden Kirchen: "In der Basilika San Francesco werden nackte Gebeine ausgestellt. Das ist authentisch und echt. Bei Carlo Acutis hat man den halb verwesten Körper ausgeweidet, das Konservierbare in eine Silikonhülle gesteckt und mit originalen Jeans bekleidet." Der "Internet-Heilige" liege in einem Schrein, als ob sein Leib auf wundersame Art und Weise erhalten geblieben wäre. "Das finde ich wesentlich problematischer. Das ist Fake." (stz)